Die Krise der Staaten

Es handelt sich um die Krise des bürgerlichen Staates. Ihm haben die Bürger der Französischen Revolution zur Macht verholfen. Ewiglich sollte er in die Geschichte eingehen. Warum wird diese Geschichte enden?

Der bürgerliche Staat hat zwei sich widersprechende Aufgaben. Einerseits soll er die Rahmenbedingungen der Kapitalvermehrung gestalten und diese garantieren, andererseits muss er sich um Legitimität kümmern, das heißt, das Versprechen größtmöglicher Freiheit seiner Bürger in Wort und Tat einlösen.

Den Zwang, den dieser Staat auf seine Bürger ausüben muss, damit die Rahmenbedingungen zur Kapitalvermehrung kontinuierlich aufrecht erhalten werden, sollte möglichst von einer überwiegenden Mehrheit der Bürger nicht wahrgenommen werden. Trotz ökonomischer Unvernunft hat sich hier das Mittel der Ausweitung der Arbeitszeit bewährt. Längst gehört am Samstag Vati nicht mehr den Kindern, obwohl dies wirtschaftlich sinnvoll und pädagogisch erst recht vernünftig wäre. Die Gefahr aber, dass durch die geschaffene hohe Produktivität der Wirtschaft die Rahmenbedingungen von den Bürgern in Frage gestellt werden, erlaubt es dem Staat nicht, die „Früchte der Arbeit“ an seine Bürger durch entsprechende gesetzliche Regelungen weiterzugeben. Im Gegenteil: Der Zwang muss durch eine beständige Anzahl von Schlagzeilen, die in der Lage sind die psychische Belastungen, die von der Lohnarbeit ausgehen, zum einen zu kompensieren und gleichzeitig durch stets veränderte Schlagzeilen das Interesse der Bürger auf Nebensächliches lenken. Es handelt sich um die berühmten Säue, die regelmäßig durch´s Dorf getrieben werden. Solange sich die Menschen um diese Säue kümmern und diese zum gemeinsamen Verzehr besser schlachten sollten, kann keine eine neue Zeit eingeläutet werden. Für die Behandlung der wirklich wichtigen Dinge, z. B. Fragen zur Lohnarbeit, zu den Preisen und den Profit, sowie die zunehmenden Auswirkungen und Berechtigung der Mieten und Grundrenten für alle Lebensbereichen, bleibt den Menschen schlicht keine Zeit. Sie können die ohnehin stark reduzierte wirklich freie Zeit am Fernseher verbringen und den Diskussionen, die andere führen, zuhören. Sprechen dürfen sie nicht.

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