Über die Kinder

Das Enkelkind wurde gerade 5 Jahre alt. Wie die drei übrigen Enkelkinder waren es Derwische, die dieses Wort zwar noch nie gehört haben, weil sie natürliche drei und fünfjährige Derwische sind, die immer wenn sie sich drehen, ob allein oder zu zweit oder alle zusammen, alles um sich herum ausblenden. In ihre Gemeinschaft der drei- und fünfjährigen Kinder lassen sie sich in einen Trance verfallen und sind für einen Moment nicht mehr ansprechbar. Ein sichers Zeichen, dass sie jetzt sogar die Eltern und Großeltern ausgeblendet haben.

Hoffentlich hat sie das an diesem Morgen getan. Zumindest ihren Vater soll sie künftig, wenn sie älter wird und Vieles auch sprachlich reproduzieren kann, ausblenden. Natürlich nur in den Fällen, die jenem Fall gleichen, der im Folgenden beobachtet wurde.

Eine kurze Geschichte von Gummibärchen

Sie muss fixiert werden zum Nachweis, dass diese Geschichte an einem eckigen Tisch stattgefunden hat und für die Erziehung aller Kinder weltweit zum Nachdenken geeignet ist und die sich vorallem als eine Geschichte erweist, die mit Erziehung gar nichts zu tun hat sondern eher Beispiel ist, wie das Comenius meine, wenn er die Stätte der Kindheit als eine wahrhafte Stätte der Menschlichkeit beschrieb.

Sie verführen. Dafür haben sie diese bunten Gummibärchen geschaffen. Es gibt wohl kein natürliches Kind, dass diesen Gummibärchen widerstehen kann. Es sei denn, sie sind bereits mit 5 Jahren so gut erzogen, wie man einen Hund erzieht und dieses Erfolgsrezept heute auch massenhaft den jungen postmodernen Eltern im Fernsehen als sehr erfolgreich empfohlen wird.
Die Erwachsenen und vorallem, wenn sie in gutem Lohn und gutem Brot bei ihren Oberen angestellt sind, die gehorchen und deshalb studiert haben wie man Kinder verführt. Sie verführen nicht nur Kinder, sie verraten sie sogar mit einer Leichtigkeit, die voller Schrecken ist.

Warum dieses 5-jährige Mädchen ihren 3-jährigen Bruder alle ihre Gummibärchen gab, obwohl er das gleiche kleine Päckchen Gummibärchen zuvor bekommen hatte, bewegte das Gemüt eines Erwachsenen. Er bemühte sich, am Ende des Geschehens seiner ihm verordneten Rolle als Erzieher nachzukommen, die heute nicht mehr freiwillig angenommen werden kann, die muss man annehmen: Das bestimmt das Gesetz.
Allein der Gedanke ist unerträglich, dass sich Politiker an diesen eckigen Tisch künftig setzen könnten und das Grundgesetz, Artikel 6, hochhalten und die Sache, die im Folgenden beobachtet wurde, mit Zwang lösen: Mit dem vertragsrecht, das eigentlich nur unter sozial Gleichen gelten sollte und diese Kinder von klein auf unabhängig davon unter ihre abscheuliche Formel des "Quid pro quo" zwingen.

Mit vier weiteren Bärchen hatte sie das erste grüne Bärchen in einer Reihe aufgestellt und gerade als sie dieses erste grüne Bärchen essen wollte, bat ihr dreijähriger kleiner Bruder um genau dieses Bärchen. Er wollte es haben. Seine Gummibärchen hatte er längst aufgegessen. Die Handbewegung der Fünfjährigen veränderte sich wie selbstverständlich und sie reichte ihm das grüne Bärchen.
Ihr Bruder schien jetzt durch dieses grüne Bärchen in der Hand, getriggert worden zu sein. Blitzschnell verschwand dieses Gummibärchen in seinem Mund und seine kleine Hand forderte das Nächste. Er war klein und ein Schelm. Das sind wohl alle Dreijährigen, die eine zwei Jahre ältere Schwester haben. Jedenfalls schaffte es dieser Schelm, allein mit seiner Handbewegung ihr auch das zweite Bärchen abzujagen. Es schien als nähmen seine Geschmacksnerven bereits nichts mehr wahr, welche Sorte der Gummibärchen er da in den Mund schob. Das Zweite war gelb. Das erste Bärchen war grün und dieses zweite Bärchen war gelb, was eigentlich gar nicht zusammen passt und es hätte besser grün bleiben sollen damit der Geschmack von Grün überhaupt wahrgenommen werden kann. So aber verhielt sich das weitere Geschehen doch mehr politisch, über das auf endederrevolutionen.de aber nicht berichtet wird.
Jedenfalls nahm dieser Dreijährige das Gelb nach dem Grün nicht wahr und alle hätten es beobachten können jetzt, nachdem er auch das dritte Bärchen forderte und ihm wieder die Farbe des Bärchens egal schien: Das war nämlich rot und hätte doch bemerkt werden können. Zum ersten Mal hatte es jetzt den Anschein, dass auch das Mädchen überhaupt nicht auf die Farben ihrer Bärchen achtete, sondern nur die Anzahl ihrer Bärchen wahrnahm, die abnahm und ihr die Möglichkeit eröffnete, begründbar eröffnete, wahrzunehmen, dass ihre Reihe bei der Null enden könnte, was jeder abzählbaren Reihe Grenzwert ist, wenn nur der Anfang dieser Reihe betrachtet wird und der auch gerne als linksseitiger Grenzwert ausgesprochen wird. Rechts? Man sagt, da verläuft die abzählbare Reihe ins Unendliche. Mit endederrevolutionen.de könnte es aber sein, dass das nicht wahr ist. Das aber wird dieses fünfjährige Mädchen nicht wissen. Das kann sie noch gar nicht wissen und der Lehrer, der auch am mit Tisch saß, sprach schon des Öfteren über seine Angst, dass das einmal wahr werden kann und dass dieser Unterricht der Mathematik und des logischen Denkens einmal der Berufsvorbereitung in allen Schulen weichen muss, die den fremdbestimmten Lehrern wichtiger erscheint, als das logische Denken und die Chance Tag für Tag wächst, dass selbst solche dämlichen Politiker, die das zu verantworten haben, einmal die Mehrheit der Erwachsenen hinter sich versammeln könnten, wie dies der berühmte Rattenfänger auch geschafft hat, der aber auch nicht mehr in den Schulen unterrichtet wird, seit er einmal wirklich auftrat und die Legende Geschichte wurde. Über den hier und da wohl noch berichtet, nicht aber gelehrt wird. Darüber wissen heute noch nicht einmal mehr die Lehrer selber Bescheid. Lehrerinnen vielleicht, die könnten den Unterricht noch anders gestalten. Jedenfalls diejenigen Lehrerinnen, die sich emanzipiert haben und wissen, dass dieser Rattenfänger ein Mann und berühmt war. Aufgeklärte Frauen folgen keinen Männern, die schützen sich.

Davon wusste das fünfjährige Mädchen nichts, als sie sich auch vom nächsten Bärchen trennte.
Finale: Die Fünfjährige schien gerade zu begreifen, dass dieser Schelm, ohne dass sie es wahrgenommen hat, sich nach und nach ihrer in Reihe aufgestellten Bärchen bediente. Jedenfalls war sie, während sie sich jetzt mit klarem Blick den noch zwei verbliebenen Bärchen zuwendete, sich wahrscheinlich darüber klar geworden, was da was abläuft, was nicht unbedingt normal ist. Normal ist das Quid pro quo, von dem die Fünfjährige mit Sicherheit noch nichts gehört hat und falls sie diese harten Worte sogar hätte zusammenhängend sprechen können, verstanden hätte sie diese Worte niemals. Kinder sprechen wahr!
Sie sprechen aber nur wahr, wenn ihnen nicht widersprochen wird. Nie sollte man Kindern widersprechen. Jedes Kind ist selber in der Lage herauszufinden, was wahr und was falsch ist. Das Wahrheitskriterium des Giambattista Vico muss das Kind dafür bestimmt nicht lernen. Das erkennt jedes Kind, wenn man ihm einfach nur Zeit lässt.

Dem Schelm war das egal. Er sah nur seine Beute und war, was ebenfalls nur vermutet werden kann, nur an diesen zwei noch verblieben Gummibärchen interessiert. Hätte man ihn gefragt, wie viele Gummibärchen er bis jetzt seiner Schwester stipizt hat, er hätte das vermutlich gar nicht sagen können, obwohl er längst bis drei zählen konnte. Wieder war ein grünes Gummibärchen an der Reihe und diesmal verfolgte die Fünfjährige mit den Augen ihre Handbewegung, die notwendig war, damit dieser Schelm in seinem Kinderstuhl, der jetzt einem Thron glich, dieses grüne Bärchen den anderen Dreien in seinen Mund hinterher schieben konnte. Als der Schelm sich anschickte, noch das letzte Gummibärchen zu stipizen und dieses unschuldige fünfjährige Mädchen auch dieses ihm reichte, lief förmlich das Faß über.

Jetzt musste es erzogen werden. Der Vater der Kinder, der auch an diesem eckigen Tisch an der Stirnseite saß direkt gegenüber dem Thron seines schelmischen Kindes, konnte sich nicht mehr zurückhalten und beiden Kindern wurde mit unmißverständlichen Worten mitgeteilt was Sache ist: "Das geht nicht [mein Kind], du kannst nicht ihm alles geben, ohne von ihm etwas zurückzubekommen."

Auf die Frage des Lehrers an den Vater, ob er jemals bei Lukas gelesen habe antwortete der Vater wahrheitsgemäß: "Wer ist Lukas?"

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