Der Slogan Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen stammt aus der Bibel und ist ein Fundament des lutherischen Glaubens.

Es handelt sich hier um ein abgeändertes Zitat aus dem 2. Brief des Paulus an die Thessalonicher, mit dem der Apostel Paulus die Gemeinde in der griechischen Stadt Thessaloniki zur Arbeit anhält:

"Denn als wir bei euch waren, haben wir euch die Regel eingeprägt: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. 11Wir hören aber, dass einige von euch ein unordentliches Leben führen und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten." - 2 Brief des Paulus an die Thessalonicher[ 3,10-11
Umgedeutet wurde das Zitat von
  1. August Bebel, dem Gründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP): "Der Sozialismus stimmt mit der Bibel darin überein, wenn diese sagt: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen." (1883)[1]

  2. Adolf Hitler, dem Gründer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP): "Wer nicht arbeitet, soll nicht essen. Und wer nicht um sein Leben kämpft, soll nicht auf dieser Erde leben. Nur dem Starken, dem Fleißigen und dem Mutigen gebührt ein Sitz hienieden." (1925)[2]

  3. Stalin, dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU):
    In der so genannten Stalin-Verfassung
    der UdSSR von 1936 heißt es: "Artikel 12. Die Arbeit ist in der UdSSR Pflicht und eine Sache der Ehre eines jeden arbeitsfähigen Bürgers nach dem Grundsatz: 'Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen'."[3][4][5]


Der Utilitarismus des aufkommenden Industriezeitalters stellte dann das Arbeitshaus im 19. Jahrhundert unter den Leitsatz "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", um so unter kapitalistischen Vorzeichen eine Fabrikdisziplin gesellschaftlich durchsetzen zu helfen.[6]

Aufgegriffen wurde das Zitat von Franz Müntefering am 9. Mai 2006 in der Bundestagsfraktion der SPD zum geplanten "SGB II-Optimierungsgesetz": "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen" [...] "Nur wer arbeitet, soll auch essen." [7][8]

Nachdenkenswert. Im Matthäusevangelium lesen wir anders: „Was Du dem Geringsten meiner Brüder getan hast, das hast Du mir getan.“ Verständlich, dass die Katharer, die im 12. bis 14. Jahrhundert nach dem Evangelium nach Matthäus in Südfrankreich unabhängig von der römisch-katholischen Kirche leben wollten, sich schon früh über manche Überlieferungen hinweggesetzt haben. Matthäus schreibt sehr anschaulich, wie der Herr ähnlich dem Hirten die Schafe zur Rechten und die Böcke zur Linken getrennt hat und den Linken den Zugang zum Himmelreich verwehrte, weil die Linken mit ihrer Ideologie ihn den Erlöser nicht genährt haben, als dieser hungerte.

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  1.  August Bebel: Die Frau und der Sozialismus. Erstausgabe 1883. belegt in: Ausgabe 31, Dietz, 1900. S. 339

  2.  Süddeutsche Zeitung zieht einen erschreckenden Vergleich: Jörg Haider gab es schon einmal, Jüdische Rundschau Nr. 51 vom 23. Dezember, S. 8

  3.  Verfassung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken von 1936, Artikel 12

  4.  Gerd Bender, Ulrich Falk (Hrsg.): Recht im Sozialismus: Enteignung, S. 132

  5.  Wikipedia: Sozialistisches Leistungsprinzip

  6.  Wikipedia: Arbeitshaus, abgelesen am 15. November 2013

  7.  Katharina Schuler: Hartz IV: Arbeiten fürs Essen, Zeit Online am 10. Mai 2006 (Was bedeutet Hartz IV? SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering hat es auf seine Weise erklärt. "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", sagte er.)

  8.  Ulrike Winkelmann:Wer nicht arbeitet, wird kontrolliert, taz am 11. Mai 2006 (Hartz-IV-"Optimierungs­gesetz" heute im Bundestag: Arbeitslose werden strenger auf Arbeits­willen geprüft und bestraft. Kleiner Aufstand in der SPD-Fraktion. Müntefering: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen." Hat er seinen Bebel gelesen?)