Alle Dinge sind miteinander verbunden. Auszüge aus der Rede des Häuptlings Seattle: „(…)


Wir wissen, dass die Weißen unsere Art nicht verstehen. Ein Teil des Landes ist für sie wie der andere, denn sie sind Fremde, die in der Nacht kommen und von dem Land nehmen was sie benötigen. Die Erde ist nicht ihr Bruder, sondern ihr Feind, und wenn sie sie erobert haben, ziehen sie weiter. Sie lassen die Gräber ihrer Väter hinter sich und schenken ihnen keine Aufmerksamkeit mehr. Sie stehlen ihren Kindern die Erde. Sie machen sich nichts daraus. Sie vergessen die Gräber ihrer Väter und das Geburtsrecht ihrer Kinder. Sie behandeln ihre Mutter, die Erde, und ihren Bruder, den Himmel, wie Dinge, die man kaufen, plündern und verkaufen kann, so wie man es mit Schafen oder glänzenden Perlen macht. Ihr Appetit wird die Erde verschlingen und nur eine Wüste zurücklassen. Ich weiß nicht. Unsere Art ist anders als eure. Der Anblick eurer Städte schmerzt das Auge des Roten Mannes. Aber vielleicht liegt es daran, dass die Roten Wilden sind und nichts verstehen. (…) Alle Dinge sind miteinander verbunden. Was immer der Erde widerfährt, widerfährt auch den Kindern der Erde

Ihr müsst eure Kinder lehren, dass der Boden unter ihren Füßen die Asche unserer Großväter und Großmütter ist. Damit eure Kinder das Land achten, erzählt ihnen, dass die Erde reich ist durch die Seelen unserer Vorfahren. Lehrt eure Kinder, was wir unsere Kinder gelehrt haben: dass die Erde unsere Mutter ist. Was immer der Erde widerfährt, widerfährt auch den Kindern der Erde. Wenn Menschen auf die Erde spucken, bespucken sie sich selbst. Dieses wissen wir: Die Erde gehört nicht den Menschen; der Mensch gehört der Erde. Dieses wissen wir: Alle Dinge sind miteinander verbunden wie das Blut, das eine Familie vereint. Alle Dinge sind miteinander verbunden. Was immer der Erde widerfährt, widerfährt auch den Kindern der Erde. Der Mensch hat nicht das Gewebe des Lebens geschaffen; er ist in ihm lediglich eine Faser. Was immer er diesem Gewebe antut, tut er sich selbst an. (…) Aber wir werden euer Ansinnen überdenken, denn wir wissen, dass die Weißen vielleicht mit Gewehren kommen und sich unser Land nehmen, wenn wir es nicht verkaufen. Doch wir sind Naturmenschen, und in einem vorübergehenden Augenblick der Stärke denken die Weißen, dass sie Gott sind und dass ihnen die Erde schon gehört.

Wie kann ein Mensch seine Mutter besitzen? (…) Eines wissen wir, dass die Weißen vielleicht eines Tages auch entdecken werden – unser Gott ist der gleiche Gott. Ihr denkt jetzt vielleicht, dass ihr ihn besitzt, wie ihr unser Land zu besitzen wünscht. Aber das könnt ihr nicht. Er ist der Gott der ganzen Menschheit, und sein Erbarmen für die Roten und Weißen ist gleich. Diese Erde ist ihm kostbar, und der Erde Schaden zuzufügen, bedeutet soviel wie ihren Schöpfer zu verachten. Auch die Weißen werden untergehen, vielleicht schneller als alle anderen Stämme und Völker. Fahrt fort, euer Bett zu besudeln, und ihr werdet eines Nachts in eurem eigenen Abfall ersticken. (…) Tragt in eurem Herzen die Erinnerung an das Land, wie es ist, wenn ihr es euch nehmt. Und mit all eurer Kraft, mit all eurem Verstand, mit eurem ganzen Herzen bewahrt es für eure Kinder und liebt es (…) so wie Gott und alle liebt.“

Quelle: KAISER, R. (1993): Indianischer Sonnengesang - 3. Auflage - Freiburg: Herder/Spektrum, S. 83-92