Der Mensch darf sich nie über das Gesetz stellen


selbst wenn es Gesetze der Tyrannei sind. Was erkennt der Mensch schon? Wie urteilt er? Der Mensch kann sich nur außerhalb eines oder gar mehrerer Gesetze stellen. Das Abseits als sicherer Ort.

Oder er kann aktiv gegen Gesetze verstoßen, täglich und immer wieder.

Die XR-Rebell*innen erzählen ihren Zuhören gerne die Geschichte der Rosa Parks. Jeder begreift mit dieser Geschichte was gemeint ist. Durch natürliche Aktionen kann die Spreu vom Weizen getrennt werden. Natürlich nie ganz und auch die Wahrscheinlichkeit inwieweit sie sich trennt ist nie bestimmbar. Eine Spreu wird sich immer noch unter den Weizen mischen, diese Spreu ist nicht zu verhindern solange alles natürlich zugeht. Das aber muss den Weizen nicht stören, es ist unappetitlich, verdirbt gar den Weizen, aber das ist so.

Er darf sich nicht über das Gesetz stellen, wie er sich nicht über die Natur stellen darf.

Betrachten wir die andere, menschliche Seite, stellen wir fest, dass auch Gott keine Gesetze kennt, wie die Natur keine Gesetze kennt.

Es sind Gebote. Ob 10, weniger oder mehr, darauf kommt es hier nicht an. Ich begehrte nun mal meines Nächsten Weib und er hat mich doch geschaffen; er hat mich ausgestattet mit diesem Trieb und ich muss nun mühsam lernen, ihn zu beherrschen.

Aber das ist gut so. Ich lerne mich zu beherrschen. Mehr noch, in diesem Lernprozess erfahre ich ihn, wie ich die Natur erfahre und mir alles notieren kann, was dort in der Natur erfahrbar ist. Wenn ich diszipliniert genug bin, habe ich gelernt das Beobachtbare aufzuschreiben, aufzudecken, dass es da Regelmäßigkeiten gibt und ich werde vielleicht sogar den Mut haben diese Regelmäßigkeiten als gesetzmäßig zu behaupten: Gesetze aber werden sie deshalb nicht. Diese Überzeugung muss gesichert bleiben. Ich schreibe von der Demut.

Wie auch ihm gegenüber, Gott. Anders aber als beim Nachdenken über die Dinge der Natur ist er nicht greifbar, er ist nichts Dingliches, auch wenn der Mensch das so lieber haben möchte. So ist er aufgewachsen. Aus diesem Haben-wollen ist bei allzu einfältigen Menschen der Kitsch entstanden und in der Natur erkennen wir synonym die Spreu, die den Weizen ungenießbar macht, wenn der Anteil des Spreus einfach zu groß wird. So wie im klerikalen Faschismus, eine der widerlichsten Abarten des Faschismus, die Träume der einfachen Menschen missbraucht werden und die Herren sich dieser Abart bedienen und sich nicht einmal schämen.

Aber der Mensch kann alles dies erkennen. Dafür muss er die Methode dieses Erkennens wie alles erst lernen; durch Ungehorsam. Es ist die zweite Voraussetzung auf dem Weg in eine befreite Gesellschaft, die geschaffen werden muss.

Bettina Wegner hat die erste Voraussetzung, die frühkindliche, besungen: Sind so kleine Hände. Es gilt natürlich nicht nur für die frühkindliche Zeit, dort aber im Besonderen.

Die zweite Voraussetzung ist gleichwohl schwieriger: das ungehorsame Kind. In dieser wichtigen Entwicklungsphase scheitern die Erwachsenen dann doch in aller Regel; zu sehr ängstigen sie sich selber vor dem stummen Zwang der Verhältnisse. Das Kind bleibt alleine. Auch Lieder, Bilderbücher und Texte, die in dieser wichtigen Zeit der Reife dem Kind zur Seite stehen könnten sind dürftig wenn überhaupt vorhanden. Wohl gibt es pädagogische Ratgeber, aber das allgemeine Ansinnen dieser wohlfeilen Ware ist allzu durchsichtig und auf Anpassung abgestellt. Allgemein lässt sich fröhlich singen und das ungehorsame Kind rebelliert im Privaten; der Staat hat in diesem Alter der Kinder längst mit Kindergarten und Schule den öffentlichen Raum besetzt.

Romantische Lieder werden gesungen, gelebt werden sie nicht. Kinder könnten sie noch gar nicht leben. Wie für die Erwachsenen würde es später auch für sie sehr anstrengend sein inmitten der Postmoderne, in der inzwischen alles der Lohnarbeit unterworfen wird, die Botschaft ihrer frühen Lieder auch nur annähernd noch zu leben. Die Sonne allein reicht eben nicht und der Mensch ist gegenüber dem Vögelein sehr benachteiligt. Er kann nicht essen wie das Vögelein und selbst diese haben es immer schwerer noch Nahrung zu finden. So ist das wenn man nicht arbeitet. Aber gelernter Ungehorsam würde sie nicht wehrlos der Lohnarbeit unterwerfen.


Der Imperativ „nur wer arbeitet soll essenwird immer bedrohlicher, er wird inzwischen sogar von katholischen Sozialdemokraten vertreten obwohl er dem Kapitel 25 vom Weltgericht des Evangelisten Matthäus widerspricht; dieser Imperativ wird natürlich erst später für das Kind bedeutend, aber ohne gelernten Ungehorsam ist der Mensch ihm ausgesetzt: er wird Gesetz.

Und unter diesem Gesetz beuten sie völlig kopflos den Planeten aus. Sie könnten wissen, dass sie kopflos anderen Köpfen folgen müssen und der eigene Kopf das Ende ihrer Kariere bedeuten würde. Dafür opfern sie ihre und alle Natur.

Manche bleiben oft kurz stehen, fragen, was sollen wir denn tun? In dieser Hoffnungslosigkeit betreten sie politische Bühnen:

Keine Antworten;

die europäisch politische Bühne:

keine Antworten


was natürlich keine wirklichen politischen Bühnen sind. Diese sind besetzt, da gibt es keine freien Plätze. Für uns stehen die künstlerischen Bühnen offen, sonst nichts.


Das Erleben lenkt nicht ab, im Gegenteil. Es muss vorrangig behandelt werden, weil nur noch wenig erlebt wird in diesem Tal des Konsums und der freudlosen Freude.

Deshalb will ich die Geschichte erzählen, auch weil sie den Gehorsam unter dem wir leiden verweigert. Man muss heute erst zwei Jahre alt sein um das zu leisten → Umwege


(wird fortgesetzt)


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