Jesus musste das Kreuz tragen,



das wollte er nicht, er musste es tun: Pontius Pilatus hat ihn zum Tode verurteilt nachdem die Juden gefordert haben: Kreuzige ihn. Jesus hatte zuvor gegen viele Gesetze der Juden verstoßen. Nie setzte er sich über das Gesetz der Juden, aber er gehorchte nicht allen Gesetzen. Er stellte sich aber nicht ins Abseits: Im Gegenteil.

Weshalb Paulus später schrieb, dass Jesus für uns gestorben wäre und uns damit die Sünden der Welt genommen habe können wir bei denen, die mit Jesus waren nicht nachlesen. Paulus, der eigentlich Saulus hieß und auch ein Saulus und schon gar nicht ein Apostel von Jesus war, lehrte dies. Er war ein Eiferer und schrieb deshalb Briefe, die nie von den Evangelisten geschrieben wurden. Paulus gründete auch ganze Gemeinden, die auch nie von den Evangelisten gegründet wurden. Er war erfolgreicher als Jesus, empfing seine Botschaft direkt von Gott, den er auch in seinem berühmt gewordenen Römerbrief den Römern empfahl.

Paulus war von seinem Christus besessen, verkündete durch Christus das Wort Gottes, obwohl er zu Lebzeiten des Nazareners noch gar nicht gelebt hat. Seine Botschaft ist Mythos und bilden den Gegensatz des Logos. Wenn wir wahrhaft bleiben wollen sollten wir Jesus den Nazarener studieren, von dem Matthäus und Lukas berichten; die verkünden eine Welt die logisch wäre wenn sie logisch sein dürfte, was sie aber nicht darf.

Markus und Johannes berichten auch über ihn; aber die entscheidende Überlieferung, die das Wirken des Nazareners beschreibt ist die Bergpredigt. Hier unterscheiden sich dann doch die Nazarener von den Christen, was aber dann doch mehr in ein theologisches Buch gehört als in das Buch „Ende der Revolutionen“, das dem Logos folgt und vom Mythos nur erzählt.

Heute setzen wir ein Kreuz an die Stelle, an der eine politische Partei für unsere Willenserklärung wirbt, so dass die Politiker dieser Partei herrschen können. Sie herrschen natürlich nicht wirklich. Ähnlich wie dieser Pontius Pilatus kann man die Politiker als Statthalter des Kapitals auffassen. Sofern die Meisten an die Stelle einer Partei ihr Kreuz gesetzt haben, kommen sie zum Zug. Das war damals bei Pontius Pilatus noch anders.

Keiner unterschreibt heute mit dem eigen Namen obwohl wir unseren Namen schreiben können. Eine Wahl ist eine Besonderheit im bürgerlichen Vertragsrecht. Die Stimme zählt auch ohne Namenszug. Wie bei einem Analphabeten genügt ein Kreuz. Das steht im Gesetz und soll natürlich auch dafür sorgen, dass das Wahlgeheimnis gewahrt bleibt obwohl das eigentlich nicht entscheidend ist.

Diesmal ist es auch umgekehrt. Die Politiker sterben nicht für uns wenn in unserem Namen ihr Wille geschieht und die Gewählten mit ihren Söldnerheeren in den Krieg ziehen oder, was vielleicht noch schlimmer ist, in unserem Namen die Erde ausbeuten und den Verbrennungskapitalismus weiter anheizen obwohl das Klima sich längst nachweislich ändert. Sie hören heute nicht mehr hin wenn einer sagt, dass das Gottes Erde ist, dass Gott sie erschaffen hat und keiner das Recht hat sich an seiner Natur zu versündigen: Sie sagen, dass sei ein Mythos. Hier werde ich inkonsequent. Hier lebe ich dann doch lieber den Mythos obwohl ich weiß, dass das nicht logisch ist und den Übergang vom Mythos zum Logos jetzt außer Acht lasse. Das aber tue ich jetzt und das erinnert mich dann auch an sein Haupt voll Blut und Wunden. Jetzt muss ich mich bemühen, rational zu bleiben.

Wir setzen das Kreuz und wir sterben wenn es soweit ist.

Sie werden nicht unser Kreuz tragen wie er das Kreuz getragen hat und starb. Das sollten wir bedenken und nie vergessen. Er hat uns nicht erlöst, er hat uns nur die Richtung gezeigt, in die wir gehen sollen. Wir müssen nicht in diese Richtung gehen; wir haben einen freien Willen. Das ist sehr schwer zu begreifen und die meisten begreifen es nicht. Deshalb musste er das Kreuz tragen und sterben.

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