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Samstag, 08 Februar, 2020

Beugehaft

Chelsea Manning blieb bei ihrem NEIN und sitzt seitdem in Haft. Sie bekommt zusätzlich für jeden Tag, an dem sie bei ihrem NEIN bleibt, 1000 Dollar Strafe aufgedrückt; da wird sie sich wohl beugen. Chelsea Manning aber ist ein Mensch guten Willens und würde lieber verhungern, als gegen Wikileaks auszusagen und sich der Vernunft der Anderen zu unterwerfen.

Wie Chelsea Manning sind wir spätestens seit dem Jahr 1804 alle, die guten Willens sind, in Beugehaft.

Seitdem der freie Wille (liberum arbitrium) des Menschen unter die Doktrin des geknechtenen Willen (De servo arbitrio) geraten ist, der mit dem volonté général von Rousseau seinen politischen Ausdruck erfuhr, wird die Beugehaft nicht enden. Die 1000 Dollar Strafe müssen wir nicht fürchten. Im Gegenteil: Sie ködern uns damit tagtäglich, damit wir zufrieden sind und sie werden weiter unsere Zellen ausstatten mit allerlei unnützem Zeug und dafür die Natur verbrennen. Das galt unter der politischen Formel panem et circenses schon immer: Allerdings mit der entscheidenden Ausnahme, dass sie bis zum Jahr 1804 die Natur dafür nicht verbrannten. Darüber sollten wir nicht irren.

Posted by Michael Schwegler at 10:22
Edited on: Sonntag, 16 Februar, 2020 12:25
Categories: Aktuelles

Donnerstag, 06 Februar, 2020

Vor unseren Augen kreiert sich ein mörderisches System

das schrieb Herbert Ludwig auf https://fassadenkratzer.wordpress.com. Die bürgerliche Aufklärung, die mit Auschwitz endete, muss mehr denn je, aber jetzt als antibürgerliche Aufklärung, über die Funktion des Bürgerlichen Rechts Auskunft geben. Der Mensch Julian Assange ist nicht das erste Opfer, das im Namen des Volkes und unter Anwendung des Rechts zerstört wird. Es ist unerträglich, dass deutsche Politiker hier zusehen. Sie reden, das mag sein, aber sie handeln nicht. Das ist nicht ganz richtig: Sie handeln für Interessen, die scheinbar zwingend sind und die im Wesentlichen von Produktionsverhältnissen bestimmt werden, die auf dem Privateigentum an Grund und Boden gründen. Diese Zwangsform schließt eine Hilfe aus. In der Dialektik der Aufklärung fragen sich die Autoren, "warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt." Die Antwort ist einfach, aber sie ist unbequem: Das Bürgerliche Recht, das den Grund und Boden zum Privateigentum privater oder öffentlicher Herren und Damen erklärt, und schützt, ist der erste und zentrale Punkt des ständigen Rückfalls in die Barbarei, die in der Bürgerlichen Gesellschaft als Dauerzustand behauptet werden kann. Die Französische Revolution war ein Schritt auf dem Weg der Emanzipation der Menschen. Der Coup des Napoleon Bonaparte, sein Code Civil, aber schuf die Grundlage einer neuen Barbarei, die als allgemeine Barbarei alle früheren und nicht allgemein zu nennenden barbarische Ereignisse in den Schatten stellt. Unter dem Schatten müssten wir heute keinen Klimawandel erleben, der durchaus das Potential hat, die gesamte Menschheit in die Barbarei zu treiben. Sofort müssten wir die weitere Ausbeutung der Erde, die unvermindert anhaltende Verbrennung fossiler Stoffe und Seltene Erden, stoppen.

Die Abschaffung des privaten Rechts auf Grund und Boden wird noch dauern; aber die Zeit wird kommen. Den Whistleblower*innen, die besser Freiheitskämper*innen genannt werden sollten, weil sie für uns, für eine bessere Welt ihr freies Leben opfern, hilft das aber persönlich nichts. Das Recht verurteilt sie, nimmt sie in Beugehaft und genau gesehen, was immer in dieser Gesellschaft ein juristisches Sehen ist, haben sie keine Chance. Das bürgerliche Recht sollte deshalb immer bekämpft werden. Das Recht schützt uns nicht: Wer das glaubt ist befallen von der Pest des Protestantismus, von der ich solange schreiben werde, bis sich das Recht ändert, was aber noch lange nicht geschehen wird. Wir sollten uns deshalb vernetzen und diese Aufklärung verbreiten.

Assange braucht ein politisches Asyl in Deutschland und Deutschland muss raus aus der Nato. Ein Bündnis mit den USA darf es nicht mehr geben. Die USA haben andere Gesetze wie die Bundesrepublik Deutschland. Wir kennen diese Gesetze nicht; wir kennen nur die Gesetze hier. Die aber sind ähnlich: Klären wir auf !

Friedrich Nietzsche hat das sehr früh erkannt; sein Text vom neuen Götzen Staat ist aktueller denn je. Er schrieb den Text im Jahr 1871 und viele tun ihn ab mit dem Hinweis, dass sein Text heute überholt sei, einen anderen Staat beschreibe. Das ist aber ein Irrtum. Inzwischen ist der Staat bei vielen Menschen in den Köpfen, so dass sie ihn nicht mehr sehen. Da soll er auch hinein meinen die Faschisten; dafür trugen sie ihre Hakenkreuze und beflaggten ihre Straßen: Herrisch sollte es wirken und jeder soll sehen und wissen, dass es einen Führer gibt. Generationen wurden geführt - in den Tod. Im Internet findet sich manch kritischer Text, aber dem Leser werden keine konkreten Perspektiven aufgezeigt und ein Wahlboykott wäre ein falscher Weg. Allgemeine Wahlen, die in jahrzehntelang andauernden und erbitterten Kämpfen dem bürgerlichen Staat von der Arbeiterbewegung abgetrotzt werden konnten, bilden heute die Achillesferse der demokratischen Gesellschaften. Aber wir dürfen nicht die Parteien wählen sondern nur die, die sich als Repräsentanten zur Wahl stellen. Wir dürfen die Exekutive nicht weiter stärken, sie ist längst viel zu stark und Julian Assange erlebt gnadenlos aktuell die autoritären Staaten. Mit Schweden ist nun auch diesem Wohlfahrtsstaat die Charaktermaske abgenommen worden. Viele müssen tagtäglich unter den Exekutivorganen der Staaten leiden; sie bleiben meist immer namenlos, weil viel zu Viele leiden und wieder zu oft weggeschaut wird.

Posted by Michael Schwegler at 9:49
Edited on: Freitag, 14 Februar, 2020 11:57
Categories: Aktuelles

Montag, 27 Januar, 2020

Sei kein Zuschauer,

das wünschten sich nicht nur Überlebende des Holocaust, das wünschen sich viele der Überlebenden. Einer wünschte sich, dass „sei kein Zuschauer“ als 11. Gebot den übrigen 10 Geboten des alten Testaments hinzugefügt werde. Er wünschte sich keine Rache, er wünschte sich nur dieses 11. Gebot.

Sie überlebte Auschwitz, wohin sie als Kind gebracht wurde. Sie überlebte als hätte Gott seine Hand über sie gehalten. Das sagen oft die Gläubigen wenn es um Kinder geht, die doch besonders beschützt werden müssten. Aber das stimmt nicht: Gott war gar nicht da, nicht bei den Kindern und auch nicht bei den Erwachsenen; er war einfach nicht da damals in Auschwitz, in Treblinka, in Dachau, in Bergen-Belsen und in den weiteren Hunderten von Vernichtungs- und Konzentrationslagern weltweit: Nie war er da. Nur die Mörder waren überall da, die immer überall da sind und unter uns leben. Sie bedienen sich des öffentlich geduldeten Rassenhasses, den Luther schon predigte und halten sich im Training; sie sind immer bereit. Der Staat schaut nicht hin; er schaut weg.

Die praktizierenden Katholiken verbieten ihn auch nicht: „Die haben unseren Jesus ans Kreuz genagelt!“ So rief das eines Tages meine Mutter. Ich fragte sie als ich längst erwachsen war. Sie meinte nicht die Protestanten, sie meinte die Juden, was ihren Rassismus katholischer Prägung nicht entschuldigt, im Gegenteil. Der Bruch war plötzlich und vollständig. Ich fragte sie nie wieder.

Dem Wusch der Überlebenden werde ich nachkommen und nie zuschauen. Das fällt mir nicht schwer; ich schaue nicht weg und deshalb schreibe ich wenn ich zur Ruhe komme. Das Gebot „sei kein Zuschauer“ werde ich als 2. Gebot nach dem 1. Gebot: „Du sollst nicht töten“ immer beachten. Die übrigen Gebote kenne ich kaum mehr und über das Gebot „du sollst nicht begehren deines nächsten Weib“, habe ich schon geschrieben, dieses Gebot zu beachten war früher einmal nicht leicht für mich.

Mit diesem 2. Gebot kann es Versöhnung geben und mit diesem Gebot wäscht auch keine Hand die andere; diese Hände halten sich und sorgen sich um das Gemeinsame.

Wir haben nie gelitten wie diejenigen, die das Grauen von Auschwitz erleben mussten. Wir gehören zu einer Generation von scheinbar Auserwählten. Wir sind aber nicht auserwählt und überall um uns herum sprechen längst wieder die Waffen. Auch in Europa, das sie unter allen Umständen nach dem verheerenden Krieg endlich befrieden wollten und dafür politisch viel taten bombten sie bereits wieder; völkerrechtswidrig zerschlugen sie endgültig den als blockfreies Hoffnungswerk nach 1945 gegründeten Vielvölkerstaat der Sozialistischen Förderativen Republik Jugoslawien, der uns damals schon die Richtung zeigte, in der wir gehen sollen. Auch daran sollte 75 Jahre nach Auschwitz gedacht werden damit auch dort hingesehen wird obwohl dort inzwischen alles leer ist. Da war es schon einmal anders, bevor auch dort die Konsumgesellschaft einzog.

Als einziges Land in Europa wurde während der Phase, in der sich die alten Systeme um dieses Land herum restaurierten und dem heißen einen kalten Krieg folgen ließen, das Ableben des Staates diskutiert.Der Staat sollte die Produktionsmittel im Namen der Gesellschaft als einen letzten Akt sich aneignen, um dann als Staat absterben zu können. Der Begriff des gesellschaftlichen Eigentums müsse vom Staatseigentum strikt unterschieden werden. Staatseigentum müsse dem Sozialismus jugoslawischer Prägung ebenso fremd sein wie das Privateigentum, da es ein Monopol wirtschaftlicher und politischer Macht darstellt und damit zur Ausbeutung der Menschen beiträgt. Das war klar die Richtung in die gegangen werden muss wenn der Grund und Boden wieder herrenlos werden soll, wie ihn vor sehr langer Zeit die Natur einmal geschaffen hat. Eine lange Zeit waren die Menschen nur der Natur unterworfen, was schwer genug war, und entwickelten sich in direkter Auseinandersetzung mit der Natur. Die Apologeten der Herrschaft von Menschen über Menschen behaupten diesen Naturzustand zum Ausgangspunkt ihrer Ideologie vom Segen, der von den ersten Herren ausgegangen sei, um die Menschen vor sich selbst und der Natur zu beschützen. Sie waren schon immer verlogen wie heute ihr Staat lügt.

Als Studenten schauten wir nach Jugoslawien, besuchten das Land und sahen vor Ort. Peter Handke schaute auch vor Ort und erzählte viel über Jugoslawien; er verstand sich hervorragend im Schreiben. Darüber wie sie, die Vertreter der westlichen Wertegemeinschaft, deshalb Peter Handtke heute in ihren Medien behandeln muss nicht berichtet werden. Darüber berichten die Anderen, da müssen wir nicht lesen.

Während unseres Studiums schauten wir fast zwangsläufig irgendwann nach Auschwitz. Damals wurde von Auschwitz in keiner Schule berichtet, in der die Alten unterrichteten, die nach dem Krieg dort wieder arbeiteten, nachdem sie ihre Hemden und Hakenkreuze wieder in den Schrank gehängt hatten. Sie unterrichteten Staatsbürgerkunde und in diesen Schulbüchern kamen die Städte des Grauens, die damals doch der Staat eingerichtet hat, nicht vor. Orte, die deshalb mir bis ins Erwachsenenalter unbekannt blieben, obwohl die Lehrer sie kannten. Ich musste sie selber entdecken. Als ich die ersten entdeckt hatte tauchten in erschreckend hoher Zahl die anderen auf. Die Mauer des Schweigens war durchbrochen. Sie blieb aber stehen und rührte sich weiter nicht.

Es war auch keine Vorsehung, es war Zufall: Dort auf einem größeren Erdhaufen ganz oben befand sich der Sandkasten schräg gegenüber dem Haus, indem ich die ersten sechs Lebensjahre verbrachte. Es muss täglich gewesen sein, dass wir in diesem Sandkasten spielten. Jedenfalls immer, wenn nicht im Kindergarten gespielt werden konnte. An weitere Orte erinnere ich mich kaum. Er war ringsherum mit Holzbrettern eingefasst, so dass wir ordentlich unsere Kuchen backen konnten, von denen wir mitunter sogar gekostet haben; das Spiel sollte echt sein. Echt war der Ort, von dem uns nie berichtet wurde, auch später nicht, als ich längst zur Schule ging und am Sandkasten nur noch vorbeilief. Ich bin mir sicher, dass die anderen Kinder auch nichts über diesen Ort wussten außer eben von diesem Sandkasten. Erst im Studium, als zum Lernen ein Forschungsdrang hinzukam, der vor allem bei jedem Zu- und Hinschauen immer die Begriffe verlangte, die das Gesehene erst völlig verständlich machten entdeckte ich, dass dieser grün bewachsene und ansonsten trostlose Erdhaufen, der noch heute von zwei Straßen und einem trostlosen Schulgelände eingefasst ist den Platz hergab, auf dem sie früher ihre Synagoge errichteten. Das fragte ich mich in Berlin fernab von zuhause wo denn in meiner Geburtsstadt mit immerhin 50.000 Einwohnern ihre Synagoge überhaupt stand. Diese Kleinstadt kannte ich auswendig und kein Hinterhof war mir unbekannt. Auch die Ortsteile waren mir vertraut und vor allem jener, dessen Namen mit Jebenhausen an sie erinnerte: „Dort wo die Juden hausen“ sollen sie noch im Jahr 1839 gesagt haben als Jebenhausen als Dorf mit 538 jüdischen Bürgern nahezu gleichviel Bürger hatte wie die dort lebenden Christen ausmachten. Dort hausten sie damals und heute schon längst nicht mehr. Am Reformationstag 1938 konnten sie dort nicht wüten, weil ihre Synagoge bereits im Jahr 1905 abgerissen wurden. Zuvor wanderten sie bereits aus oder zogen über den kleinen Hügel nach Norden in meine Geburtsstadt. Dort aber werden sie gewütet haben, da war ich mir sicher. Der braune Flecken in meiner Forschungsarbeit zur CSU in Bayern, in der auch die Wahlergebnisse der NSDAP zur Reichstagswahl im März 1933 akribisch und deutschlandweit eingetragen waren, hob sich auffallend das Gebiet meiner Geburtsstadt hervor und nur die katholischen Gemeinden ringsherum blieben dort weiß. Am Ende wurde ich in der Bibliothek fündig. Dort an meinem Sandkasten stand sie. Sie brannte in der Reichspogromnacht bis auf die Grundmauern nieder. Heute gibt es in meiner Stadt keine Synagoge mehr, zu Wenige leben wieder dort, die in ein solches Gotteshaus des alten Testaments hinein wollen.

Solange dieser Antisemitismus in Deutschland in den fruchtbaren Boden ihren Hass sähen kann, den die Pest des Protestantismus immer fruchtbar hält, werden sie dort auch nicht mehr hausen. Die Saat könnte wieder massenhaft aufgehen. Sie haben auch nie dort gehaust, sie haben dort gelebt.

Das Grauen von Auschwitz darf nie mit irgend etwas verglichen werden. Wir können Auschwitz deshalb nur still gedenken und sollten immer wieder unsere persönliche Stimme erheben und den Nachkommen berichten, so dass die Erinnerung nie verlöscht.

Der Zukunft angesichts des dramatischen Anstiegs des Kohlenstoffdioxids dürfen wir in dieser Sache nicht still gedenken; im Gegenteil: Wir müssen aufstehen und handeln wo wir können. Nicht Aufstehen, wie das die politische Linke versucht und nicht wirklich aufstehen wird. Sie sitzt und hofft auf Regierungsverantwortung, um ihr Programm der sozialen Gerechtigkeit politisch umsetzen zu können; als Kompromiss. Wie alles im Kompromiss politisch verhandelt wird. Das sagte Frau Merkel vollkommen richtig, dass Politik das ist, was durchsetzbar ist. So werden sie immer handeln und erst aufstehen, wenn es zu spät ist: Sie werden sagen, dass es nicht durchsetzbar war, den Anstieg des Kohlenstoffdioxids zu stoppen und jetzt sei es zu spät: Nehmt Abschied Brüder und Schwestern. Das Drama der Postmoderne endet; der Faschismus endet.

Den aber wollten nicht nur die Überlebenden bereits nach ihrer Befreiung im Jahr 1945 beenden. Das wünschten sich auch viele damals im zerstörten Deutschland. Über diesen Wunsch muss nicht berichtet werden. Hier standen wir schon immer in der Verantwortung.

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Posted by Michael Schwegler at 18:33
Edited on: Donnerstag, 13 Februar, 2020 17:01
Categories: Aktuelles

Freitag, 24 Januar, 2020

Wahlen - eine Willenserklärung

besser: ein Blankoscheck, den man besser nicht ausfüllen sollte.

Massenhaft stellen die Wähler ihn aus, wenn sie zur Wahl gehen. Wenn dann skrupellose Politiker in den Krieg ziehen, ob alleine oder mit Anderen im Bündnisfall, hat der Wähler das akzeptiert; er hat eine freie Willenserklärung unterschrieben, die er mit seiner Zweitstimme beurkundet hat. Sein kleines Kreuz gilt und dass er es war, der da ein Kreuz gesetzt hat, wurde amtlich durch die Vorlage des Wahlzettels samt Personalausweis registriert. Da ist der demokratische Staat genau, das ist Gesetz. Der Wähler hat jetzt seinen Willen bekundet, der jetzt vollzogen wird! Er, der Staat, wird jetzt in seinem Namen, im Namen des Volkes, die Willenserklärungen politisch erledigen. Dem Wähler bleibt der geknechtete Wille, von dem bereits martin Luther schrieb: De servo arbitrio.

So habe er das nicht gemeint; doch schon früher galt: Mitgefangen, mitgehangen, das gilt bei allen Entscheidungen, die auf einem Vertrag gegründet sind. Das war doch der Entwurf von John Locke, der damit schon die indigenen Völker in Amerika reingelegt hat. Die unterschrieben auch, allerding waren die Gewehre auf sie gerichtet. An diesem Prinzip hat sich aber im Grunde nichts geändert. Es gibt mit einem Vertrag keine Gerechtigkeit. Aber wir dürfen trotzdem hoffen.

Jeder der menschlich denkt sollte eine Zweitstimme nicht geben. Dieses "nicht geben" sollte in politischen Dingen immer gelten und würde uns vor dem Schlimmsten bewahren; zumindest könnten wir hoffen; wir, die im Abseits stehen. Wir können die Ungerechtigkeit nicht akzeptieren und unterschreiben deshalb nicht. Auf dem Wahlzettel machen wir bei der Zweitstimme ein großes Kreuz, durchkreuzen den politischen Plan und wählen ungültig. Aber nicht ganz; da ist noch die Erststimme. Hier gilt natürlich was längst schon geschrieben und oft gesagt wurde:

Vergesst nicht,

dass diejenigen Menschen euch am besten dienen werden, die ihr aus eurer eigenen Mitte wählen werdet, die das gleiche Leben wie ihr führen und die gleichen Leiden ertragen wie ihr.

Hütet euch vor Leuten, die viel reden. Vermeidet vom Schicksal Begünstigte, denn selten nur wollen diejenigen, die ein Vermögen besitzen, in den Arbeitenden ihre Nächsten sehen.

Wählt eher diejenigen, die sich um eure Stimme nicht bewerben. Der wahre Verdienst ist bescheiden, und es ist die Sache der WählerInnen, ihre KandidatInnen zu benennen und nicht der KandidatInnen, sich erst vorzustellen.

Viele vergessen es aus Bequemlichkeit, vielleicht auf Druck der Anderen, die auch der Werbung folgen und nicht Sand im Getriebe der Welt sein wollen. Aber diese Anderen liefern den Schmierstoff, der wiklich die Hände schmiert, damit das Quid pro quo leichter fällt und schnell erledigt ist. Studiert die Kandidaten; vielleicht bewerben sich einige, bei denen man zumindest den Eindruck haben kann, dass sie jetzt verstanden haben was die Uhr zeigt: Es ist vielleicht schon zu spät, mit Maßnahmen zu versuchen den Anstieg des Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre aufzuhalten; wir wissen es nicht. Die Natur ist mächtig und gehorcht einem absoluten Willen - et voluntas Domini - ; kümmert sich nicht um den volonté général, dem die Menschen gehorchen und der sie ins Verderben führen wird. Das wissen wir und das können wir wissen. Zumindest bei Wahlen sollten wir das immer klar äußern und die Stimme für einen volonté général konsequent verweigern. So wie wir immer einen Vertrag nur unterschreiben sollten, wenn dieser unseren freien Willen ausdrückt und diese freie Willensäußerung erst mit der Unterschrift wirksam werden sollte, wenn das Kleingedruckte und alle Interpretationsmöglichkeiten des Vertrags penibel studiert wurden. Oftmals aber, und das ist häufig der Fall, werden wir wohl unterschreiben müssen, weil "die Gewehre" auf uns gerichtet sind. Das sind sie bei Wahlen allerdings noch nicht, das kann aber noch kommen; verweigern wir deshalb immer diese Unterschrift unter die Zweitstimme; dann müssen sie irgendwann Farbe bekennen. Bis dahin werden die Überhangsmandate zumindest den Bequemen zu schaffen machen, denn nur diese Überhangs-Mandatsträger können behaupten, dass sie vom Souverän, der eigentlich keinesfalls der Souverän sein sollte, ins Parlament gewählt wurde.

Posted by Michael Schwegler at 7:36
Edited on: Mittwoch, 12 Februar, 2020 10:14
Categories: Aktuelles

Freitag, 03 Januar, 2020

Knappheit

Am 21.01.2020 wurden Texte grammatikalisch verbessert und am 18.01.2020 wurde eine neue Webseite eröffnet, auf der Sofortmaßnahmen vorgeschlagen sind, die auch ständig jetzt aktualisiert werden, und die geeignet erscheinen die Richtung, die von den politischen Parteien aktuell gegangen wird, zu ändern. Wissenschaftlich kann begründet werden, dass mit der Richtung, die politisch derzeit festgelegt ist, der Kohlenstoffdioxidanteil der Atmosphäre nicht gesenkt oder dieser auch nur konserviert werden kann, sondern dieser weiter ansteigen wird.

Mit dem Text über das Drama der Knappheit wurde bereits eine zentrale KATEGORIE mit Texten eröffnet: Der Weg in eine Postwachstumsgesellschaft. Dieser Begriff passe besser sagen diejenigen, die immer noch politisch denken. Es muss aber ein Weg in ein deutliches Schrumpfen der Güterproduktion, in die massenhafte Freisetzung nicht notwendiger Arbeit gegangen werden. Der Verbrennungskapitalismus muss enden. Die Politik kann hier auch nicht wirklich die Richtung ändern; das verbietet das Recht! Die Schülerin Greta Thunberg hat das treffend festgestellt: "We have not come here to beg world leaders to care. You have ignored us in the past and you will ignore us again". Die Wahrnehmung dieses damals erst 15-jährigen Mädchens deckt sich mit der Erkenntnis eines 68 Jahre alten Mannes auf dragische Weise. Die Richtung muss dringend geändert werden. Hierzu sind die Leser aufgefordert eigene Entwürfe vorzustellen; nur gemeinsam kann der Klimawandel gestoppt werden.

Der Text "Über den Weg" wurde überarbeitet mit dem Freund Luthers Buntz ergänzt. Auch der Text "25.11" wurde um die fff-Demonstration von heute ergänzt und gerade, nach der Anordnung des Präsidenten, Menschen im Irak zu töten, wurde der Text "Über den Faschismus" bereits zum zweiten Mal ergänzt. Auch der letzte Text musste wegen der Gefahr, die Assange droht, aktualisiert werden. Mit dem Text "Nicht jeder ist ein Schuft" werden die Ereignisse vertieft. Dem Text Was tun? wurde ein Aufruf hinzugefügt. Der Text über "Recht muss sein" wurde fortgeschrieben und anders geschrieben; er war missverständlich, hier entschuldige ich mich. Am 11.01. wurde die erste Fassung des Textes über die Früchte der Erde  geschrieben, die noch einmal an Rousseau erinnert, dass die Früchte der Erde allen gehört und damit allerdings nicht die Ausbeutung der Erde meinte. Aber seinem Contrat Social muss entschieden widersprochen werden. Die Knappheit, die in Kuba allein wegen der Monroe-Doktrin ein zentrales Thema ist, animierte zu einer Antwort auf einen Text im offiziellen Kuba-Forum, der auch für die Leser von endederrevolutionen.de interessant sein könnte. Auch über zum Contrat Social wurde ein neuer Text geschrieben und zuletzt zwei Artikel präzisiert: Über den Rechtsstaat und über Was tun?

Posted by Michael Schwegler at 10:03
Edited on: Donnerstag, 23 Januar, 2020 16:25
Categories: Aktuelles

Sonntag, 29 Dezember, 2019

Das Fünfte Haus

Es ist ein neues Haus, das bisher noch nirgends errichtet wurde. Es kann neben den bestehenden Häusern gebaut werden, weist aber durch seine Architektur weit über die bestehenden Häuser hinaus. Der Übergang in eine herrenlose Landschaft würde keinesfalls das bestehende und durchaus bewährte politische System der Bundesrepublik Deutschland ändern. Die Überlegungen zu einem neuen System wurden verändert; es soll eine Republik bleiben. Denkbar allerding wäre der Ausnahmezustand, wenn diesen das Volk ausgerufen hat. Ein neuer Text wurde auch geschrieben. Mit welchem Recht werben die Menschen? Nicht umeinander, gegeneinander?

Posted by Michael Schwegler at 7:14
Edited on: Montag, 30 Dezember, 2019 8:49
Categories: Aktuelles

Dienstag, 24 Dezember, 2019

Absturz des Systems

nicht das politische System ist abgestürzt, sonder die Software "Thingamablog". Ich bitte um Nachsicht, wenn die Texte unter "Kategorien" seit dem 23.12.2019 nicht mehr dort aufzufinden sind, wo sie einmal plaziert waren. Das System "Thingamablog" ist vielleicht zu reparieren, das System "Politik" noch lange nicht.

Nur die Texte unter "BEFREITE GESELLSCHAFT" waren von diesem Systemabsturz nicht betroffen. Diese wurde auch nicht vom System verwaltet sondern vom Autor, händisch und autonom. Die Texte unter den "KATEGORIEN" sind durcheinander geraten.

Der Text 02.12, "Pest des Protestantismus", erscheint jetzt unter dem Eintrag "Vorwort (Buch)" und wie zuvor schon unter "TEXTE" 02.12. Es handelt sich um einen zentralen Text. Für die Leser*innen wird er ungewohnt, für Protestanten vielleicht auch abstoßend sein. Ich meine aber nicht den Protestanten - wie Erasmus von Rotterdam auch nicht den Juden meinte, als er von der Pest des Judentums schrieb. Es geht allein um die Ideologie dieser beiden Religionen. Luther, und 300 Jahre später Thomas Jefferson, hat mit der Glaubenslehre, dass Gott alles bestimmt habe, eine andere Ideologie vertreten als die bis dato unangefochtene Ideologie der katholischen Kirche. Jefferson hat diese protestantische Lehre noch einmal mit der Rasierklinge verschäft. Wie soll da eine Umkehr angesichts des dramatischen Klimawandels, der weiteren ungebrochenen Ausbeutung der Rohstoffe der Erde und die Verseuchung der Erde und der Meere mit Plastik gelingen?

23.12. : Der Text zu "Res publica oder Barbarei" wurde fortgeschrieben. Selbst am 1. Weihnachtsfeiertag sind Ergänzungen geschrieben worden. Sie sollen auch zur Frohbotschaft passen.

24.12. : Im Text "Über den Weg" wird im Link zu den Stühlen der Text aktuell erweitert: Die informellen Prozesse zwischen der US-Administration und der US-Richter müssen an das Tageslicht befördert werden. Edward Snodens Einkommensgrundlage, der Erlös aus dem Verkauf seine Autobiografie "Permanent Records" wurde gesperrt, er ist noch lange nicht in Sicherheit. Hier reift die Idee, einen Fond einzurichten, aus dem die Lebensmittel für die Aufklärer der Moderne finanziert werden. Aber bis es soweit ist muss geklärt werden, ob andere hier schon aktiv sind. Redundanzen sollten vermieden werden weil die Sicherung des Lebensunterhalts der Aufklärer sonst verwässert wird: Jeder soll wissen wo gelesen werden kann. Sehr wichtig bei derartigen Einrichtungen ist, dass die Bilanzen tagaktuell veröffentlicht werden, so dass der eigene finanzielle Beitrag gesehen und auch deutlich wird wo das Brot gekauft wird.

25.12.: Der Link zu Janusz Korczak wurde geändert. Der kurze Film "Die Steine weinten" ist Stoff der Hoffnung, von dem auch die Vision vom Ende der Revolutionen lebt. Dafür wurde auch am 26.12. der Text http://endederrevolutionen.de/docs/legende ergänzt. Zwei Vorträge bringen Janusz Korczak den Lesern näher; ein Vortrag über das Leben und ein Vortrag von Dr. Michael Kirchner über die Pädagogik von Janusz Korczak.

27.12.: Auf entsprechende Nachfragen wurde heute der Text zur Bodennutzung und Fragmente geschrieben.

29.12.: Biografisches

Posted by Michael Schwegler at 7:20
Edited on: Sonntag, 29 Dezember, 2019 9:16
Categories: Aktuelles

Extinction Rebell*innen

ihr seid aufgebrochen und mehr und mehr sind zu euch gestoßen, gemeinsam habt ihr Ortsgruppen gebildet; weltweit. Nicht aus freien Stücken, die Sorge treibt viele und viele haben einen triftigen, den selben Grund.

Nur noch Menschen, die empirisch erfasste Befunde über den Klimawandel so gar nicht deuten können, wollen ein "alles weiter so" und das auch nur wenn der Grund für sie günstig ausfällt. Die meisten Menschen machen sich darüber keine Gedanken; zwischen der Flut von Informationen tritt nur die Werbung ordentlich optimiert hervor, das Menschliche muss zurücktreten. Diejenigen, denen wir die Lebensmittel besorgen müssen kennen ohnehin nur ihren Weg und diese haben ihren Katechismus schon vor langer Zeit gegen das Bürgerliche Gesetzbuch eingetauscht. Sie fühlen sich wohl in einem Leben, das sie gerne als eine Form des "american way of life" betiteln obwohl sie in aller Regel dieses Leben gar nicht kennen. Sie genießen es im Kino und anderswo, keinesfalls aber zu Hause, denn das haben sie schon lange nicht mehr. Ihr Leben nützt, taugt aber nicht; vor allem nicht für ein harmonisches Leben mit Anderen gemeinsam auf diesem Planeten.

Die aber, die empirische Befunde zu Deuten verstehen, wissen, dass es eigentlich zu spät ist. Aber sie wollen nicht mehr länger nur diskutieren und zuschauen. Ihr bequemes Leben ist unbequem geworden und viele wissen gar nicht was sich eigentlich genau verändert hat. Vieles hat sich verändert. Aber wer ist schon dermaßen privilegiert Veränderungen wahrzunehmen und kann sie sogar studieren?

Aber auch ohne dieses Privileg nehmen sie inzwischen Veränderungen war. Sie verstehen weshalb Menschen alles riskieren um weg zu kommen aus Landschaften, die zunehmend verarmen, die kaum mehr bewohnbar sind. Verarmen an Allem: angefangen von sauberem Wasser, Bodenflächen, für die man noch nicht bezahlen muss, an Rechten, die nur andere haben. Irgendwann ist das Maß voll, da packte man das Wenige was noch blieb, besorgt sich das letzte Geld und bezahlt alles, notdürftig. Sie suchen und wollen doch nur das Letzte zurück, das nicht bezahlbar ist aber längst bezahlt werden muss: Würde. Doch dafür fehlt ihnen das Geld.

Auf der anderen Seite des Himmels wollt ihr handeln. Nicht Selbstsucht treibt euch. Aber es ist auch nicht klar was neben der fundamentalen Sorge um den Klimawandel euch treibt weil das Ziel nicht klar ist. Ihr sagt, dass das "selber essen macht satt" keinen Grund darstellt und ihr aus der Komfortzone heraustreten wollt, das toxische System gar in Frage stellt. Ihr beziffert jede eurer Visionen ausgerechnet von 1 bis 10, die aber deshalb doch noch keine Visionen sind und auch keinesfalls Gebote. Es sind Vorsätze, die kaum taugen, dass das Selbstverständliche, das jedem einfachen Menschen seit Urzeiten eigen ist, wieder hergestellt wird: Visionen auf Veränderungen, einer Kultur der Regeneration, der Reflexionen und des Lernens. Vor allem Letzteres wird längst staatlich verordnet, das sind Illusionen. Und das Gastrecht, das auch schon früher alle willkommen hieß und selbst dann galt, wenn die Krüge und der Brotkorb nur wenig gefüllt waren; es ist nichts Neues. Das haben die Katholiken, die dem Evangelisten Matthäus folgten auf dem Land schon immer gelebt. Das wurde nur vergessen, musste vergessen werden, damit der Markt der Konkurrenz, der sich inzwischen entwickelt hatte für die Bürger allerorts besorgt werden konnte. Dieser Markt entstand früh und kann genau datiert werden mit den Tagen, in denen die Allmenden den Bauern genommen wurden und sie gegen die Herren zum ersten Mal deshalb in einen hoffnungslosen Krieg zogen. Dort mussten sie sogar noch den Fluch des Augustinermönchs Martin Luther ertragen, wenn sie ihn noch hören mussten bevor sie die Lanze traf.

Ihr seid dabei die Fesseln der bürgerlichen protestantischen Tugenden abzulegen. Das Gehen ohne Fesseln aber muss erst wieder gelernt werden nachdem ihr die religiösen Fesseln auch abgeworfen habt. Das habt ihr auch bedacht: Es ist eure wirkliche Vision und derzeit die Einzige, die in die Zukunft zeigt. Ihretwegen bin ich bei euch: Ziffer 9, die Idee eines gewaltfreien Netzwerkes. Gerade der weitere Ausbau eures Netzwerkes wäre etwas wirklich tragfähiges, das den Gesellschaften, die sich über den Staat organisieren, als Vorbild entgegengestellt werden kann; das uns organisiert und geeignet sein könnte, den bürgerlichen Staat wieder aus den Köpfen zu treiben. (-> 2. Nachtrag). Ein wahrhaft menschliches Netzwerk, in dem weltweit sich die Menschen gegenseitig zuhören und ihre materiellen Grundlagen miteinander teilen. Es ist aber falsch wie ihr diese Vision kommuniziert. Wer weiß wie die Polizei seit vielen Jahrzehnten kaserniert ausgebildet wird kann euer anbiederndes Geschwätz kaum ertragen. Natürlich sind Polizist*innen Menschen wie du und ich, aber sie stehen unter einem Befehl. Wie immer werden sie knüppeln, gar totschlagen, wenn der Befehl gegeben wird. Karl-Heinz Kurras muss euch im Gedächnis bleiben auch wenn ihr damals noch gar nicht geboren ward. Er steht stellvertretend für jeden bestellten Mörder aus dem Umfeld der Polizei. Oury Jalloh lebte bereits unter euch; wie Benno Ohnesorg war er Mensch. Genauso wenig wie all jene vergessen werden dürfen die ihren Dienst bei der Polizei quittieren weil sie nachgedacht haben. Es geht im Kern doch auch nicht wirklich darum: Weshalb kommuniziert ihr diese Heucheleien? Wieder komme ich zurück auf den Evangelisten Matthäus. Es geht um die Wange, die auch mit der Linken geboten wird wenn der Andere zuschlagen muss. Das heißt aber nicht, dass der Andere frei gesprochen werden darf, ihm zuvor gar Blumen überreicht werden müssen. Er gehört nicht zu euch! Das Leben auf diesem Planeten ist nicht das Paradies.

Der krasse Gegensatz muss stets bewusst, muss kalkuliert werden; gewaltlos. Und so komme ich zur eigentlichen Sache: Die Wolken, die aufgezogen sind und eure Schatten aufgelöst haben.

Es muss klar sein, dass dieser Roger Hallam zunächst die Schatten und jetzt die Medien bedient hat. Die Medien wussten natürlich, dass viele Menschen mit diesem Virus des Selbstischen, der persönlichen Eitelkeit infiziert sind. Dieser Virus ist der Träger des bürgerlichen Lebensgefühls. Hier aber sind die Medien das Problem. Obwohl alle wussten, dass eines Tagen zumindest einer der Protagonisten von XR diesem Virus erliegen wird, schlugen sie zu ohne seine Krankheit zur Kenntnis zu nehmen. Sie beschützen ihn nicht wie sie euch nicht beschützen werden wenn die Sache ernst wird. Sie instrumentalisierten ihn, stellten ihn aus. Gut, dieser Herr Hallam ist ein menschenverachtender Mensch, einer der noch geistig bei den Gestrigen verblieben ist, von denen Hannah Arendt schon berichtet hat, als sie von der Banalität des Bösen sprach: Ein Mensch, der einen Satz vom "Rohr, durch das Gas in die Gaskammer fließt" in Kenntnis der Grauen von Auschwitz formuliert ist schwer krank und hätte beschützt werden müssen; ihn darf man keinesfalls auf eine öffentliche Bühne zerren, sonst macht man sich selber schuldig. Viel mehr schuldig als dieser armselige verlassene Mensch sich schuldig gemacht hat. Mit seinem menschenverachtenden Hilferuf, mit dem er die Mörder und Stiefellecker der früheren faschistischen Herren noch einmal anruft, obwohl diese längst tot sind, stimuliert er die Phantasien der Medien auf ein außerordentliches Geschäft. XR-Rebell*innen schweigt dazu, da ist nichts zu sagen.

Nutzt stattdessen diese aufziehenden Wolken, die alle Schatten vertreiben und der Verlust eurer Schatten diesmal nicht euch sondern diesen finsteren Wolken geschuldet ist zur Formulierung eines klaren Ziels wohin ihr wollt. Aber es genügt nicht nur etwas zu wollen: Vom bloßen Wollen ist noch keiner satt geworden sagte Ernst Bloch an solchen Stellen. Sein Prinzip Hoffnung ist doch das Einzige was uns noch trägt und deshalb sollten wir auf ihn hören. Es müssen jetzt die Wege gegangen und das Ziel benannt werden. Sonst kommt das Netzwerk XR ans Ende noch bevor die Richtung bestimmt worden ist.

Ihr sagt ihr verlasst die Komfortzone, wollt handeln nicht zuerst für euer Wohl sondern für das Wohl aller. Zum Schwur ist es noch nicht gekommen: Noch haltet ihr fest was ihr habt. Das ist verständlich, denn es ist schwer zu verzichten Erst recht wenn man nicht genau weiß wozu. Ihr seid auch nicht Glaubensschwestern und Glaubensbrüder; die Natur liegt euch am Herzen, ihre Bedrohung durch den ungebrochenen Anstieg des Kohlendioxids in der Atmosphäre. Ihr wollt nicht warten und falsifizieren kann eh keiner die empirischen Befunde, die euch treiben. Bedenkt aber: manch einer verzichtet nur weil er nichts hat. Das ehrt ihn nützt aber nichts: Es geht nicht um Neutralität. Wir müssen abgeben von dem was wir haben. Und jetzt wo die Schatten weg sind müsst ihr sagen wohin ihr wollt; besser was ihr wollt. Abgeben allein nützt ja nichts wenn die Anderen den Verbrennungskapitalismus weiter nicht nur betreiben sondern weiter ordentlich anheizen! Sie werden euch belächeln weil ihr als nützliche Idioten euch zu Helfern der Sozialsysteme dekratiert und helft dieses System der täglicher Ausbeutung und Niedertracht zu stabilisieren. Die Vermögenden werde euch danken und vielleicht sogar noch etwas zu euren Abgaben beisteuern; die lassen sich nicht lumpen.

Das alles ist aber kein Systemwandel, von dem die 15-jährige Greta Thunberg so klar gesprochen hat. "Ihr habt uns bisher nicht geholfen, ihr werdet uns auch künftig nicht helfen", und weil das so ist und ihr innerhalb des Systems nicht ändern könnt dann müsse eben das System geändert werden. Trotzdem betrat sie die politische Bühne. Sie ist jung. Ihr dürfen wir das nachsehen.

Euch ging eine Bewegung voraus, die sogenannte 68iger. Die Erkenntnis, dass damals ein Einzelner den Marsch durch die politischen Institutionen empfohlen hat und damit eine kleine aber immerhin überhaupt eine erste Chance nach dem verheerenden Krieg trotz vieler Warnungen so leichtfertig verspielt hat sollte eigentlich Warnung für euch genug sein: Macht nicht denselben Fehler. Meidet die politische Bühne. Diskutiert die Ursachen des Klimawandels und handelt.

Nachtrag: Zumindest für die XR-Ortsgruppe Hamburg-Harburg darf ich Auskunft geben: Sie handelt. Glaubte ich. Sie unterstützt nicht mehr ohne Wenn und Aber die Erklärung aus Freiburg. Denn es wurde doch noch eine Stimme laut, die verlangt, dass diese Erklärung nicht unterstützt wird. Das Ziel, die Rettung des Planeten, muss auf die Befindlichkeiten einzelner Rebell*innen natürlich achten und erst einmal hinten anstehen. Immerhin kommt dann die Revolution, von der Roger Hallan träumt, auch nicht voran. Der Klimawandel auf unserem Planeten kümmert sich aber nicht um derartige Kinderreien, er wird von Hardlinern erzeugt, mit denen ist in Sachen Klimawandel nicht zu spaßen.

2. Nachtrag: Die Zeit ist fortgeschritten, viel zu schnell und es muss gehofft werden, dass der Klimawandel nicht ebenso schnell nachzieht. Diesen Punkt 3 der ExtinctionRebellen, ich gestehe, ich habe ihn übersehen. Ich habe in den Prinzipien gelesen; die Forderungen habe ich außer Acht gelassen. Die erste Forderung: Sag die Wahrheit, hatte ich noch gelesen, daran erinnere ich mich. Sie reichte mir um ein Vorurteil zu bilden: Kinder sind´s. Aber ich lerne gerne von und mit Kindern, freue mich, wenn die Freude der Kinder bis ins Alter lebendig bleibt. Deshalb war das nicht wichtig und schon gar nicht verdächtig. Jetzt aber, ins Gerede gekommen und öffentlich verhandelt, las ich weiter und muss mich korrigieren, gar entschuldigen. "Den bürgerlichen Staat aus den Köpfen zu treiben", gleichzeitig aber jenseits von Wahlen und aktiver Bürgerbeteiligungen Experten exekutive Macht zu verleihen das hatten wir schon: In autoritären korporativen Systemen. Aus Alfredo Roccos "Camera dei Fasci e delle Corporazioni" wird eine "Camera dei Fasci delle esperti". Es ist vielleicht lange her, aber ich behandle es dogmatisch: Nie wieder Faschismus, dann lieber den natürlichen Tod durch Klimaveränderung.

3. Nachtrag: Euer Sprecher vertrat euch in einer Talkshow. Diese unterhalten heute die Anderen, die nicht wie ihr seid. Sie müssen deshalb ernst genommen werden, er hätte sich vorbereiten sollen. Er wusste was sein Gegenüber sagen wird, der hat nie etwas anderes gesagt. Euer Sprecher hat die Chance verpasst, ihr habt die Chance verpasst. Er hätte die Anderen ins Boot holen können, zumindest sein Gegenüber. Euer Sprecher war freundlich, er vertrat die harte Linie; bestimmt, aber mit einem falschen Gedanken. Denn sein Gegenüber hat recht: die Verursacher des Klimawandels agieren weltweit! Die Menschen dort sind oft noch unterentwickelt und wollen ein Leben führen wie wir. Es ist unfair ihnen das zu verdenken! Sein Gegenüber hat recht wenn er mahnt, dass der dort laufende Verbrennungskapitalismus ins Visier genommen werden muss. Natürlich dar dies nicht vom eigenen Verbrennen ablenken. Aber bedenkt, die Anderen wollen und wir besorgen das Geschäft. Das wird die Erde aufheizen. Er hätte ihn umarmen und ihm dankbar sein sollen für seinen wissenschaftlich fundierten und gesicherten Hinweise. Dass sein Gegenüber deshalb vor der eigenen Haustüre nicht kehren will darauf kommt es doch jetzt nicht an. Er kann ihm das auch nur unterstellen, aber sein Gegenüber folgte eurem Gebot: Sag die Wahrheit. Er hätte also diese entscheidende Phase der Diskussion nutzen können um deutlich zu machen, dass die erste Aufgabe von Extinction Rebellen der Aufbau eines weltumspannenden Netzwerkes ist, in dem sie den Staatenlenkern die Stirn und die Völker aufklären wollen. Das Material der Aufklärung liefern sie zusammen mit den reichen Menschen in ihrem Land; das verstehen sie unter sofortiger Entwicklungshilfe. Sie kämpfen aber auch dafür, dass sein Gegenüber unterstützt wird und die Technologien entwickelt werden, die eine radikale Abkehr von diesem gottlosen Verbrennungskapitalismus möglich machen. Klar, Gott könnte er weglassen, das klingt dann doch verdächtig, das versteht heute auch eh keiner mehr. Die Chance ist vertan.

Posted by Michael Schwegler at 7:15
Categories: Aktuelles

Samstag, 30 November, 2019

Es wird nicht gelingen

mein Urteil ist bitter.

Natürlich sie sind jung, sie toben noch. Wie sie auf den Schulhöfen toben wo sie toben müssen weil sie so jung bereits eingesperrt sind; das Schulgesetz verlangt es. Sie suchen ihre Freund*innen, auch das versteht man. Hinzugekommen aber ist, dass viele ihre Smartphones vor sich hertragen, wie wenn diese die Richtung anzeigen könnten, in die gegangen werden muss. Aber da wollen sie nicht hin, die Entbehrungen scheinen dann doch zu gewaltig. Da versöhnt man sich dann doch lieber mit der Politik. So sprachen die runden roten Schilder mit der einzigen Forderung "Raus aus der Groko" das aus was auf solchen Demos in den Parlamenten noch gehört wird obwohl solche Schilder gar nicht sprechen können. Aber haben sie nicht zugehört? Hören sie zu, wie sie ihren Lehrer*innen heute zuhören? Es war in Krakowice, als ihr Idol Greta Thunberg den richtungsweisenden Satz aussprach: "Ihr habt uns bisher nicht geholfen, ihr werdet uns auch in Zukunft nicht helfen".

Dass sich die noch junge Greta Thunberg mit all ihren Unterstützern Partner in den verschiedenen Nationalstaaten sucht ist richtig und verständlich; die Klimaveränderung macht an Grenzen nicht halt. Dass sie sich ausgerechnet an eine Politikerin wendet, wird ihren hoffnungsvollen Aufbruch zu Ende führen; geschützt und behütet, aber das ist wichtig bei all den häßlichen Anfeindungen, denen sie ausgesetzt ist.

Aber die Politik kann auf dem privaten Grund und Boden hier nichts richten. Das hat der Wirtschaftsminister jetzt schon mehrfach in den Talkshows verkündet, aber auch ihm hört keiner zu. Vielleicht auch deshalb, weil er nicht klar das Problem benennt und nur die Erscheinungsebene bedient, auf der alles so hoffnungslos bleibt. Dieser common sense Möchtegern und Mitbegründer von "Extension Rebellion" Roger Hattam denkt auch nicht anders, nur gefährlicher: Er träumt von Bürgerversammlungen, wie wenn der kantische Pöbel nur anders aufgestellt werden müsste und eine Politik der radikalen Veränderungen, eine Politik der Aufhebung der Produktionsweise auf privatem Boden, durchsetzen könnte. Aber das will er auch gar nicht: Er ruft wieder nach der Fasces, die es richten soll. Gefährliche Träume, die Erinnerungen an die von den Sozialdemokraten aufgestellten Freicorps wachrufen wenn man die Geschichte um die Entstehung des Faschismus nicht weiß, deren sich dann ihre politischen Gegner bedienten: Dialektik findet auf der Formseite statt.

Nein, meine Brüder und Schwestern, ohne die Befreiung des Bodens aus dem Sachenrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches geht es nicht. Es ist so merkwürdig: Dieser Weg wäre so einfach und klar, ohne Haken und Ösen; ohne Pathos und revolutionärem Geschrei. Nur das egoistische Haben-wollen müsste in Teilen abgegeben werden an die Anderen da draußen, an die Brüder und Schwestern, die zunehmend zu uns kommen damit sie bleiben können; an die Völker. Aber das erinnert dann doch zu sehr an Nietzsche, an den Matthäus und Lukas, und deshalb ende ich hier; ich will nicht ablenken.

Am 03.01.2020 trafen sie sich wieder. Auf dem Campus der TU-Harburg wollten sie sich treffen. Pünktlich betrat ich den Campus. Da war aber keiner, deshalb lief ich über den Campus. Auf dem Campus an der Hamburger Sparkasse vorbei, die früher dort nicht war. Auch der Campus hatte sich insgesamt verändert; dort wird jetzt für allerlei unützes Zeug geworben wie überall. Gähnende Leere um diese Zeit, ich muss mich geirrt haben. Bevor ich umdrehte hörte ich doch noch Stimmen. Sie kamen von außerhalb des Campus von der Schwarzenbergstraße her. Dort hatten sie sich versammelt, Schülerinnen und Schüler, und vielleicht fünf, sechs Erwachsene. Auch ich suchte, als ich auf der Straße ankam, wie die Schüler*innen die Meinen, die aber nicht gesagt haben, dass sie kommen werden. Eine Schülerin drückte mir ein buntes Schild in die Hand: "Hambi bleibt". Dort war ich vor einem halben Jahr, also trug ich das Schild. Hambi soll bleiben. Ich solle es am Schluss der Demo wieder abgeben. Wo? sagte sie nicht. Es waren wenige, sehr wenige, deshalb wollte ich nicht zählen. Die Stimmung war gedrübt wie das Wetter. Eine große grüne Fahne mit der Aufschrift "Friday for Future Magdeburg" verkündete, dass auch Schüler*innen aus Magdeburg dem kleinen Kreis angehörten. Rhythmisch vorgetragen Spruchsalden einiger Schüler über Deutschland, die so gar nichts mit der FFF-Bewegung zu tun hatten, setze die kleine Gruppe in Bewegung. Auf dem Weg rief ein Vorbeter eine Strophe vor und ebenfalls im strengen Rhythmus sprachen ein paar der Mitlaufenden alles nach. Natürlich erinnerte mich das an das "ho-ho-Ho-Chi-Minh" früherer Zeiten, die Stophen hatten jetzt aber parteipolitische Inhalte, da hat sich was geändert. Der Weg war kurz. Grob wurde ich aus dem Nachdenken gerissen als dieser Lautsprecherwagen plötzlich von der Seite kommend sich an die Spitze des kleinen Zuges setzte. Laute Musik und drei Schülerinnen tanzten auf einer kleinen Plattform, die sie wie einen Wehrturm auf dem Wagen errichtet haben. Hätten sie Bombons geworfen, es wäre wie auf einer Love-Parade gewesen obwohl ich das nicht wissen kann; ich war noch nie auf einer Love-Parade. Jetzt wusste ich wenigstens wohin ich mein buntes Schild abgeben konnte. Hambi bleibt. Ich hielt es noch einigen Schülern vor ihr Smartphone, damit sie eine Erinnerung an ihren kleinen Demonstrationszug haben, und dann gab ich das buntbemahlte Schild, das Extinction Rebellen gemalt haben, ab. Der Zug war stehen geblieben und nach einem kurzen abschließenden Vortrag eines Spreches aus Chemnitz erschallte wieder viel zu laut diese Musik. Und trotz der lauten modernen Musik tanzten jetzt kein Scüuler*innen mehr.

Zum Gelingen beitragen; (Fortsetzung zum Text: "Es wird nicht gelingen" vom 30.11.)

denn das destruktive Denken ist einfach, die Sache liegt vor und ist längst geronnen. Das konstruktive Denken indes ist schwer: die Sache verbirgt sich und überall lauern Gefahren; da gerinnt nichts und das Denken darüber verbietet jeden Zusatz, der das Gerinnen auch hier beschleunigen könnte.

Ihr wollt das System ändern. Das System, das euch inzwischen nicht mehr gefällt, seit sie gesagt hat, dass das System der Grund ist, weshalb das Klima sich ändert. Das hat sie als 15jährige im polnischen Katovice gesagt. Das haben aber vor ihr schon Viele gesagt. Ihnen habt ihr nicht zugehört. Warum?

Jetzt endlich scheinen alle das System ändern zu wollen, Andere aber nicht. Das ist das aktuelle Problem.

Wer sind wir? Wer sind die Anderen? Warum sind wir nicht Alle? Der Klimawandel geht doch alle an? Solange das nicht klar ist werden die Anderen ihre Politik weiter diskutieren und die Gesetze erlassen.

Wie aber können wir mit den Anderen zusammenkommen wenn die Zeit angesichts des Klimawandels drängt? Wir müssen mit den Anderen zusammenkommen, denn diese gestalten die Politik und sorgen für die Gesetze. Wir leben nun mal in diesem repräsentativen politischem System und das war und ist auch gut so.

Jetzt aber, nachdem der Klimawandel auch bei den ihrigen, den Politiker*innen zur Kenntnis genommen wird und sie sogar einen Klimanotstand ausgerufen haben, müssen wir unsere Gegensätze überwinden. Wir vernehmen doch, dass alles über eine Symbolpolitik nicht hinausgeht und auch nicht hinausgehen kann. Dafür sorgt das Recht, ihr Recht, das wir deshalb gemeinsam mit ihnen, den Anderen, ändern müssen.

Wir alle wissen, dass wir eine Minderheit sind und immer waren. Über die Gründe wurde bisher viel geschrieben und eine Diskussion darüber steht jetzt nicht an. Bei Wahlen der Repräsentanten des Systems steht keiner von uns zur Wahl; keiner, der das System ändern will. Deshalb können wir noch so oft eine Systemänderung fordern, da ändert sich deshalb nichts. Die Anderen haben eh gesagt, dass sie das System nicht ändern wollen und das sagen auch alle Repräsentanten. Das müssen sie auch, das steht im Grundgesetz. Also hören wir auf daran rumzumäkeln. So retten wir das Klima nicht.

Aber das Klima ändert sich, das ist sicher. Es ist schrecklich wenn ausgerechnet nur dieses sicher ist: Einerseits - Andererseits. Die bleiben deshalb immer in der Mitte stehen. Die Mitte haben sie ausgemacht und die verteidigen sie. Wegen den Anderen sind keine Änderungen zu erwarten; es wird nicht gelingen.

Die Anderen haben recht; sie verlassen sich auf das Recht, das ihnen zu Diensten ist, das sogar geeignet ist, die Polizei zu rufen, wenn wir das anders wollen; am Ende auch die Panzer. Das geht also nicht. Hört auf, die Andern haben das Recht, das hätte jeder von uns wissen können und jeder vernünftige Mensch weiß das. Auch ihr wisst das. Trotz dieses Wissens amüsiert ihr die Anderen mit euren Kämpfen mit den ewig Gestrigen, den Enttäuschten, den Vielen, die überzeugt sind, dass sie allein wissen wo´s lang geht; wenn sie nur ihre Leute an den Schalthebeln der Macht hätten. Macht es wie ein Torero wenn ihr einem von ihnen begegnet: Nehmt ein rotes Tuch, fürchtet euch nicht und… den Rest kennt ihr: Lasst ihn Leerlaufen bis er erschöpft ist.

Da stehen wir nun, manche tragen noch Plaketten an ihren Hemden und Pullovern, die sie sogar wieder an die Kleidung ihrer Kinder heften, die doch noch gar nichts darüber wissen, gar nicht wissen können. Formt nicht ihre Münder. Andere halten sich immer noch an ihren Fahnen fest, die irgendwelchen Vereinen gehören, denn diese Organisationsform haben die Anderen uns zugewiesen als sie das Recht formulierten. Da wird nichts, die haben eine Satzung. Wir könnten uns anders organisieren! Aber daran haben die Anderen gedacht und alle Schlupflöcher längst ausgemacht und verschlossen; so etwas ginge nur außerhalb ihres Rechtesystems und das sei verboten.

Damit sind wir aber wenigstens beim Kern der Sache. Die einzige Lösung im Rahmen und vor allem in der Achtung des Gesetzes bietet sich an: Wir müssen dafür sorgen, dass das Gesetz geändert wird. Eigentlich ist so etwas recht einfach wenn wir uns darüber alle einmal einig wären, dass wir es wollen, dass es notwendig ist. Noch nie in der Geschichte der Menschheit hat so etwas gegolten. Immer wussten nur die Anderen wo es lang geht. Und sollten wir einmal anders als die Herrschenden weiter geblickt haben wurden wir ausgeschaltet. Aber diese Zeiten liegen hinter uns. Könnte man meinen; schaut genau hin und schaut auch auf die Einzelnen, die weiter geblickt haben.

Ab jetzt wäre es nicht mehr so wichtig ob die Anderen davon nichts halten, denn wenn wir auf einem gemeinsamen Weg fortschreiten werden wir irgendwann erfahren wer wir und wer die Anderen sind: Prozentual und in Zahlen absolut. Dann erst wäre die Voraussetzung, aktiv und konzentriert gegen die Ursachen des Klimawandels vorzugehen, geschafft und nicht nur politisch für Lösungen zu werben.

Bliebe nur: Welches Gesetz?

Eine vernünftige Antwort außerhalb von denen, die bis heute vorliegen oder über die, welche aktuell weltweit diskutiert werden machen Sinn, sind aber nicht in erster Linie der menschlichen Vernunft sondern wie bisher den Interessen einzelner geschuldet. Darüber hinaus vergessen diese sinnvollen Lösungen immer wieder dasselbe: Die Anderen haben ihren Rechtsstaat perfekt inzwischen verwirklicht, da kann nichts Sinnvolles geänderd werden, wenn die Frage nach dem Recht auf Eigentum an Boden im Raum steht. Das wissen sie sogar selber.

Die Vernunft könnte es. Nicht die bürgerliche und diesmal kann sogar Immanuel Kant, eine Autorität in Sachen bürgerlicher Vernunft, zu uns gezählt werden, worauf wir etwas stolz sein dürfen. Die Anderen wissen das noch nicht. Zu lange haben sie sich mit ihm nicht mehr beschäftigt und haben darauf vertraut, dass die Schergen des Naziregimes sich doch auf ihn berufen konnten und ihn damit als okkupiert für ihre Sache betrachten. Das dieses eine banale Nummer war hätten sie bei Hannah Arendt nachlesen können; aber bei Jüdinnen lesen fällt Manchem unter den Anderen immer noch schwer.

Mit zwei einfachen vernünftigen Fragen ergibt sich die fast zwangsläufig die Antwort auf die Frage welches Gesetz geändert werden muss.

1. Wem gehört die Erde? Wem gehört dieser Planet und alle anderen Planeten, die wir kennen? So vernünftig die Frage ist so einfach ist die Antwort. Niemand braucht sie auszusprechen, nur Idioten wissen es nicht und die brauchen es auch nicht zu wissen; deshalb sind es doch Idioten.

2. Weshalb gibt es dann das Recht einzelner auf Privateigentum an Grund und Boden dieser Erde? Ab jetzt sprechen alle wieder in verschiedenen Sprachen. Hier ist kein Fortkommen mehr, hier nützt kein Appell: Die egoistischen Interessen werden sich in ihren Antworten nicht versöhnen. Der Krieg um den Boden durchzieht die Geschichte der Menschheit. Deshalb sagen die Anderen völlig zurecht: „Was soll diese zweite Frage. Es ist gut so. Die Menschen haben diese Frage bisher nicht beantworten können, weshalb sollten wir diese Fragen jetzt im Konsens miteinander beantworten können?“

Immerhin zeugt diese verständliche Frage der Anderen davon, dass auch sie, genau wie wir, vernünftig denken, dass sie menschlich denken, dass wir es deshalb gemeinsam schaffen könnten. Wir sind beim Schlüssel des Problems:

„Anderer, du hast gesagt, es sei alles gut so.“ Das erinnert an die Schöpfungsgeschichte der Christen und der Juden. Da ist geschrieben, dass er euch alle Pflanzen, Bäume, Tiere auf Erden und alle Vögel unter dem Himmel und alles Gewürm, das auf Erden lebt, gegeben hat. Und es geschah so und es war gut. Jetzt, wo wir alle bedroht sind, sollten wir miteinander sprechen und uns zuhören. Wir alle sind uns wohl mit euch anderen einig, dass er recht hatte und es so gut war; wir leben gemeinsam auf dieser Erde. Können wir uns gemeinsam wenigstens in diesem Punkt einig werden?

Falls hier Einigkeit herrscht und die kleinen Besonderheiten individueller Befindlichkeiten wenigsten jetzt einmal außer Acht gelassen werden, klärt alles weitere die gemeinsame Vernunft, die wir zum ersten Mal jetzt als menschliche Vernunft behaupten dürfen: Wir müssen gemeinsam die Schöpfung bewahren; und das hat mit ihm, mit Gott, gar nichts zu tun. Es ist eine Sache der Menschen.

Gemeinsam beenden wir den seit Jahrtausenden währenden Streit um den Boden, denn der ist zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte wegen des Klimawandels in Gefahr. Es besteht die Gefahr, dass der Boden nicht mehr für uns und für die Geschöpfe der Natur wie bisher nutzbar ist. Die Ernten werden ausbleiben und die wenigen Flecken, in denen noch geerntet wird, werden privat sein und die Produkte werden teuer und nur die Wenigen nähren, bei denen all das wertlose Geld gebucht ist. Das haben sogar die Politiker inzwischen erkannt, die den Klimanotstand ausriefen. Gut, sie haben nicht alles erkannt aber sie wollen erkennen. Trotz der Wenigen, die noch immer über einen Machtapparat verfügen und massenhaft jetzt mit Nebelkerzen werfen; diesmal haben sie sich abgrenzen können und ihn ausgerufen. Zwar brüllen die Wenigen jetzt erst recht und das Recht wird sie auch weiter bedienen; sie dürfen das und das ist auch gut so. Wir dürfen uns nie wieder fürchten. Die größte Gefahr besteht kurzfristig dadurch, dass sie trotz des Klimawandels jetzt einen noch größeren Krieg vorbereiten, dass wir wieder lernen sollen und zu fürchten. Dass uns nichts bleibt außer unseren Tränen.

Vieles was jetzt getan werden müsste, was auch Politiker oft am Liebsten täten, scheitert schlicht am Recht auf Privateigentum an Boden. Auf diesem privaten Boden muss der Staat draußen bleiben, selbst dann, wenn er selbst der Eigentümer des Boden ist und warten, bis es ein Gesetz gibt, das ihm das Recht gibt in das private Haus und in den privaten Grund einzutreten. Das ist gut so und darf auf keinen Fall geändert werden! Dies müssen wir als einen großen Meilenstein in der Geschichte der Emanzipation der einzelnen Menschen verteidigen. Wir müssen immer alle daran erinnern, dass es Zeiten gab, in denen ein Klopfen an der Tür für manche Menschen den Tod bedeutete, wenn die Schergen eintraten ohne auf eine Antwort zu warten wenn sie in das Haus der Juden, Kommunisten, der Sozialdemokraten und anderer missliebigen Menschen betraten. Sie kümmerten sich nicht um Gesetze als sie die menschen abholten. Unsere Rechte gegenüber dem Staat müssen wir verteidigen. Darin sind wir uns mit den Anderen einig und nur die Wenigen haben was dagegen. Gemeinsam mit den Anderen werden wir sie ausgrenzen: Gemeinsam, wir und die Anderen, wollen diese Menschen nicht mehr unter uns wissen. Gemeinsam verteidigen wir diese Demokratie. Auch wir, obwohl wir nicht vergessen, dass es eine bürgerliche Demokratie ist: die Andere und ich.

Derart näher gekommen können wir gemeinsam besprechen, was eigentlich zu tun wäre. Jetzt werden uns sogar die Anderen sagen, dass Vieles nicht getan werden kann; der Schutz des Privateigentums an Boden verhindere Vernünftiges. Es würde ewig dauern auf dem Rechtsweg. Der private wie der öffentliche Eigentümer verfüge über eine mächtige Jurisprudenz, über Kanzleien, die millionenschwer zu Buche stehen. Da sei kein Durchkommen.

Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, an dem ein Vorschlag zu einer Gesetzesänderung auch zu den Anderen durchdringen könnte. Der Weg, wirksam dem drohenden Klimawandel zu begegnen könnte vertrauensvoll miteinander diskutiert werden. Mit der Herausnahme des Grund und Bodens aus dem Sachenrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches, mit dem der Boden erst vor gut 200 Jahren privatisiert wurde, könnte diesmal aller Boden wie zu Urzeiten, im Naturzustand, als herrenlos proklamiert werden. Das Recht versagt dem angeeigneten Boden künftig den Schutz des Staates. Aber diesmal würde es keine Revolution sein, die diese Gesetzesänderung schafft. Es wäre der Stimmzettel ausgefüllt von den Anderen und uns. Kein Mensch, der danach nicht das Nutzungsrecht über den herrenlosen Boden hat, könnte privat eine Änderung der Nutzung des Bodens durchführen, wenn er dafür nicht die Zustimmung der Anderen hat. Der Boden iwäre wieder herrenlos, Sache der Natur und ein seit Jahrtausenden geführter Krieg endet.

Bevor die Anderen wieder aufgeschreckt sich von uns trennen müssen wir sie bitten, doch noch etwas zuzuhören: es sei alles anders als sie befürchten! Wir dürfen das gewonnene Vertrauen nicht mehr verlieren, wir müssen es ständig beweisen. Wir können über uns erzählen, das schafft Vertrauen.

Der Maulwurf lebt. Er musste sich verstecken und hat überlebt. Damals, mit der Bewegung der Katharer im 13. Jahrhundert konnte er noch mit all den anderen Geschöpfen der Natur mit den Menschen wandeln; aber jetzt ist er alt geworden. Zu oft musste er unter den Boden, auf dem sie ihr Reich errichteten. So hat er die Inquisition, Luthers Reformation, die Französische Revolution, die Erschießungen der Kommunarden von Paris und sogar das Grauen von Auschwitz überlebt. Aber bedenkt, auch er ist sterblich, wie alles Menschliche sterblich ist.

Drei Punkte sind wichtig:

1. Nichts ändert sich im ersten Moment für den Menschen. Jeder nutzt den Boden wir bisher. Versprochen und es werde Gesetz. Wie ein Pendel, das zur Ruhe gekommen ist, ist erst einmal alles in Ruhe; zumindest hierzulande. Das Pendel wird wieder angestoßen werden, aber wie wird sich zeigen. Die Verkehrsformen unter den Menschen werden sich ändern.

2. Am politischen System ändert sich nichts obwohl sich das System grundlegend geändert hat. Das muss nicht versprochen werden. Das ist so, das kann jeder sehen; nur das Gesetz hat sich geändert und nur ein Gesetz. Es ist einmalig in der Geschichte.

3. Jeder Mensch hat das Recht, das er nie zuvor in der Menschheitsgeschichte hatte: eine definierte Fläche des Bodens der Erde nutzt er fortan autonom.Weder der Staat noch ein Nachbar hat dort unerlaubten Zutritt. Dort lebt er selbstbestimmt mit nur einer Verpflichtung: Er muss die Schöpfung auf diesem ihm überlassenen Boden der Erde bewahren. Die Exekutive des Staates ist gesetzlich angewiesen, die Autonomie des Einzelnen dort zu schützen. Einmalig in der Geschichte der Menschheit, dass die Waffe des Staates durch das Menschenrecht des Einzelnen direkt gelenkt wird.

Erhalten wir die Schöpfung.

Nachtrag: Natürlich sind da diese anderen Staaten, das weiß ich. Aber ich sagte auch, dass wir uns nie wieder fürchten dürfen. Wir müssen die Ersten sein, die dem Balance of Power unsere Tränen entgegenhalten und die Balance aufkündigen, diesem Dogma abschwören und künftig wieder beim Matthäus und Lukas lesen.

Posted by Michael Schwegler at 8:19
Edited on: Samstag, 15 Februar, 2020 10:43
Categories: Aktuelles

Montag, 11 November, 2019

Extinction Rebellion und das Zentrum für Politische Schönheit

Nachdem ich mich inzwischen mehr um das Zentrum für Politische Schönheit gekümmert habe korrigiere ich mein spontanes Vorurteil. Das "und" im Beitragstitel verbietet sich weiterhin: Gegensätzlicher können die Positionen nicht sein. Extinction Rebellion sollte sich von diesen faschistoiden Tendenzen in der Gesellschaft nicht irritieren zu lassen. Das Geschäftsmodell des "Zentrums der Politischen Schönheit" ist das Politische, d.h., die Wahrnehmung des Menschen wird in eine dafür extra inzenierte entfremdete Umgebung transformiert. Der wirkliche Mensch interessiert nicht. Anders die Angst von Extinction Rebellion, die forcierte Zerstörung unseres Planeten Erde, sie taugt nicht als Geschäftsmodell. Und solange die XR-Rebell*innen sich nicht auf der politischen Bühne vernebeln lassen sondern stets und unbeirrt im Zentrum ihres Handelns die Warnung vor der drohenden Klimakathastrophe stellen, werden sie als Leuchtfeuer den Menschen Orientierungen geben können; nicht dogmatisch, nicht anleitend, sondern selbstbestimmt: Jeder wird seine eigenen Handlungen überdenken, sich in der Widersprüchlichkeit seiner Handlungen erkennen und seine durch Recht verordnete entfremdete Lebensweise oft erst entdecken können. Ihre Sprache mit- und untereinander ist solidarisch und rücksichtsvoll, sanft und ungehorsam. Man wird sie als Sekte verteufeln und diese Verteufelung erinnert an die Katharer. Aber das darf sie, das soll sie.

Die Sprache der Politiker des "Zentrums für Politische Schönheit" ist selbstredend: "Sturmgeschütze des Humanismus", "Sturz des Regimes", "tödliche Falle", "Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit", "politische Poesie", menschliche Großgesinntheit", "Feigheit", "Flüchtlingsabwehr", "wir bewaffnen die Wirklichkeit", "Widerstand (...) muss verstören", "Gesetze der Wirklichkeit", "moralisches Gewissen besetzt von öffentlichen Intellektuellen".... weiter wollte ich nicht lesen, musste ich nicht lesen. Sie ist wieder da, die Sprache der Faschisten; gespiegelt und unbemerkt. Danke, Rebell*innen von XR.

XR, wo aber ist das Problem ?  Bleiben wir dem Humanismus eines gewaltlosen Widerstands und dem Ungehorsam gegenüber Staatsaktivisten treu. Schweigen wir zu diesen gefährlichen Phrasen, die wieder öffentlich verkündet werden und offensichtlich wieder dem Stimmenfang dienen. Schweigen! Das ist doch einfach, schweigen; jedes Wort, jede Kommunikation mit diesen postmodernen faschistoiden Menschen würde Extinction Rebelloin in Verdacht bringen.

Sprechen wir unbeirrt eine Sprache der Gewaltlosigleit und kommunizieren wir unsere gemeinsamen Sorgen, unsere Erkenntnisse über die fortschreitende Zerstörung der Natur mit den Menschen. Werben wir für eine echte Postwachstumsgesellschaft und kümmern wir uns nicht darum, dass die "Politische Schönheit" mit Sex and Crime und der Verwendung des selben Postulats, dass wir abgeben und eine Postwachstumsgesellschaft aktiv fördern müssen und nicht die Menschen blenden wollen. Ein sich anbietendes Bild vom "Rattenfänger von Hameln" für die "Politische Schönheit" hätte ich gerne verwendet; es verbietet sich aber weil die Menschen einfach keine Ratten sind; Menschen lieben die Töne einer Flöte. Sie verstehen wenn wahrhaft gesprochen wird und wenn gemeinsam musiziert wird. Sie werden mit uns gemeinsame Wege gehen wenn wir sie mit unseren Überzeugungen einladen. Sie dürfen nie als Ratten bezeichnet werden, auch nicht in einem Kunstprojekt. Ratten sind Geschöpfe der Natur.

Ein Nachtrag Stunden später, nachdem der Ritterschlag durch die Redakteure der Zeitung DIE WELT zur Kenntnis genommen wurde, sollte durchaus auch hier veröffentlicht werden: "Die Aktionen des Zentrums für Politische Schönheit schlagen ein wie Bomben. Man kann zumindest für Deutschland sagen, dass es lange keine politische Kunst mehr gegeben hat, der es gelungen ist einen solchen maximalen Effekt zu generieren."

Damit kein Missverständnis entsteht: Die Themen, die diese Akteure mit künstlerischem Anspruch behandeln und ausgewählt haben, unterscheiden uns nicht. Im Gegenteil. Was uns unterscheidet ist die Sprache, ist die Dramaturgie ihrer Themen und manche Lösungshinweise. Ihr Web-Auftritt gleicht dem Auftritt eines Warenhauses im Internet; perfekt, bildgewaltig und modern. Sie wissen wo´s lang geht, was wir wahrnehmen sollten. Ich weiß es nicht. Mit der Bezeichnung "faschistoid" will ich aufklären. Mein Faschismusbegriff unterscheidet sich völlig von ihrem oder von einem, wie ihn beispielsweise der wissenschaftlich gebildete Faschismusexperte Ernst Nolte verwendet hat; weniger an seiner These eines "kausalen Nexus", vielmehr von seinem Motiv, den Faschismus als epochiales Geschehen wieder aus der Welt schaffen zu wollen. Aber die Faschisten sind im Jahr 1945 nicht erschrocken und haben sich aus der Welt gestohlen. Nein, die Faschisten haben nur ihre Hemden gewechselt, die sie sich noch in den letzten Jahren vor 1945 in Frankreich, Österreich, in Spanien und vielen anderen Orten stolz angezogen haben. Ihr gemeinsamer Gruß, mit dem sie Weltgeschichte schrieben, wird hierzulande staatlich geregelt, in Italien längst wieder gezeigt. Italien, das Mutterland des Faschismus, das dieser Bewegung auch den Namen gab macht hier eine Ausnahme. Nachdem die alten und neuen Faschisten dort nicht mehr Gefahr laufen wie ihr "Duce del Fascismo" von Killern hinterrücks niedergeschossen zu werden pflegten sie sofort wieder ihre Uniformen und huldigtem öffentlich ihrem Duce und das überhaupt nicht postmodern wie hierzulande. (siehe auch: Neuer Faschismus, Neue Demokratie) . Hier haben sie in den ersten Jahrzehnten nach dem sogenannten Zusammenbruch wieder gut bürgerlich ihre Hemden samt Kravatte aus dem Schrank geholt, waren zurückgelaufen dorthin wo sie herkamen: in die bürgerliche Gesellschaft. Sie wirkten mit an der Restaurierung ihres ramponierten Staates. Dem gehörten sie bereits früher in unterschiedlichen politischen Lagern an, die sich in den Parlamenten ordentlich getrennt nach Links, Mitte und Rechts gruppierten, nahmen ihre alten Plätze wieder ein und stritten auch sofort wieder wie früher als sie die Parlamente mit Bezeichnungen wie Quasselbuden verhöhnten und einfach nur schneller zur Sache kommen wollten. Der Faschist muss auch nicht grundsätzlich menschenverachtend auftreten. Das Problem ist, das weiß in der Regel selbst der postmoderne Faschist nicht. Er glaubt wenn er mit anderen öffentlich auftritt, dass er als Bürger ihres Staates Einfluss auf die Behandlung politischer Themen als Mittler zwischen den Menschen draußen und den Politikern drinnen wirken kann. Das Parlament der bürgerlichen Gesellschaft aber ist keine res publica. Es ist ein staatlich eingerichter Ort, in dem sich die politischen Parteien abstimmen müssen. Keinesfalls aber eine öffentliche Sache wie es sein müsste und ordentlich getrennt vom Haus der Exekutive.

Das Bild, das die Aktivisen des Zentrums für Politische Schönheit veröffentlichen, ist grausam. Aber der Mensch, der da liegt, hat uns mit seinem Tod eine Botschaft hinterlassen: Ihr lasst es zu, dass wir sterben. Ihr tötet schrecklich. Nicht durch die Kugel oder das Schwert sondern durch eure Gesetze. Ich starb hier und noch im Sterben klagte ich euch an: politische Mörder. Der Mann aber neben mir wie der, der fotografierte, das ist er unter dem ich genauso gelitten habe bevor ich starb: der postmoderne Faschist. Ausgestattet mit Kamera, wohl gut genährt und völlig integriert in eure Gesellschaft des bürgerlichen Rechts sorgt er, dass seine Politiker versorgt werden auch mit dem letzten Bild von mir. Nicht einmal jetzt ihr Aktivisten wenn ich tot vor euch liege beschützt ihr meine Würde.

Posted by Michael Schwegler at 22:28
Edited on: Mittwoch, 11 Dezember, 2019 20:20
Categories: Aktuelles

Freitag, 08 November, 2019

21. Oktober 2019

„Jedes Mal, wenn wir Zeuge einer Ungerechtigkeit werden und nicht handeln, üben wir unseren Charakter in Passivität gegenüber diesem Geschehen und verlieren dadurch schließlich alle Fähigkeit, uns und diejenigen, die wir lieben, zu verteidigen.“ Julian Assange

In England fing es an. Der Rechtsstaat - was wurde daraus?

Sie haben das Recht. So haben sie es eingerichtet. Schritt für Schritt. Den Anfang machte der Imperator Napoleon Bonapaarte, den sie heute noch feiern; er habe die Trikolore über ganz Europa ausgebreitet. Nicht ganz, zumindest England bot ihm die Stirn. Aber heute wurden die Völker versöhnt, die auch gar nicht gefragt wurden. Natürlich hätten die Völker sich auch anders versöhnt, was einer wirklichen Versöhnung viel näher gekommen wäre. Das belegt doch ihr Brexit, den sie wollen. Sie wollen endlich gefragt werden.

Die USA erledigten das. Nach dem Jahr 1945 war die Zeit günstig: Das Londoner Schuldeabkommen ließ sie ins Geschäft kommen, das sie schon früher betrieben. Schon früher kümmerten sie sich nicht um die Toten. Jetzt hatten sich die Zeiten geändert. Sie besorgten das Geschäft und gaben es nie wieder ab. Julian Assange hat ihre Machenschaften aufgedeckt deshalb holen sie ihn. Sie werden sich durchsetzen. Das Recht erlaubt es. Wir sind eine Minderheit, uns sieht man nicht; uns kann man nicht sehen, weil wir nicht begreifen, dass sie im Recht sind. Natürlich heißt das nicht, dass sie recht haben; es müssen die Gesetze geändert werden. Aber das wollt ihr nicht, ihr macht Politik. Doch das wird Julian Assange nicht helfen. Wieder bin ich bei diesem wunderschönen Mädchen, das sie inzwischen auf die Bühne zerren und abfotografieren, wenn sie zornig ist; sie schämen sich nicht. "Ihr habt und früher nicht geholfen, ihr werdet uns in Zukunft auch nicht helfen".

Das wollen sie nicht hören, das soll keiner hören. Sie hat keine Chance Sie wird auf der politischen Bühne erledigt. Wir schauen zu, ich nicht und kann nicht helfen. Ich werde nur noch lauter rufen: Wenn Julian Assange an sie ausgeliefert wird haben wir verloren, wir, nicht die Anderen. Dann wird der Weg viel schwieriger; wir hätten ihn leicht gehen können, wenn wir ihre politische Bühne nicht betreten hätten.

Was tun? Link zu Neuer Faschismus, Neue Demokratie 

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Posted by Michael Schwegler at 19:52
Edited on: Montag, 09 Dezember, 2019 10:02
Categories: Aktuelles

Dienstag, 05 November, 2019

Karl I. (England) und Ludwig XVI. (Frankreich),

diese beiden Namen stehen stellvertretend für geschichtliche Ereignisse, die eine andere Kritik der praktischen Vernunft begründen als die, wie sie Immanuel Kant vorgetragen hat.

In diesem Weblog standen beide Namen erst einmal als Platzhalter. Beiden gemeinsam war, dass sowohl Karl als auch Ludwig ihren Kopf verloren und dass beide zuvor die Vertreter der Bürger und des Adels geladen hatten; der eine das Parlament, der andere die Ständevertretung. Jahre später wurden ihnen die Köpfe abgeschlagen. Die Täter handelten aus scheinbar unterschiedlichen Motiven. Darüber wird noch zu berichten sein, weil die Tage des Beginns der industriellen Revolution, die als Auslöser der Zunahme des Anteils an Kohlendioxid in unserer Atmosphäre angesehen wird, nicht in Frankreich, sondern in England zuerst erlebt wurden und deshalb Karl dem Ludwig vorausgehen musste. Weitere Überlegungen und Anmerkungen hierzu sollten in diesem Weblog formuliert werden.

Diese Idee hat der Autor inzwischen verworfen und statt dessen eine grobe Zusammenfassung seines Gedankens unter "BEFREITE GESELLSCHAFT" / "Über den Weg" geschrieben.

P.S. Liebe LeserInnen, Kommentare weisen darauf hin, dass der sogenannte Cache des Browsers der LeserInnen nicht immer erneuert wurde, so dass Seiten dargestellt wurden, die schon wieder überarbeitet waren. Wie das Buch sind auch diese Weblogs "im Fluss". Mit der Funktion "Neu laden" des verwendeten Browsers werden stets die aktuellen Seiten dargestellt.

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Posted by Michael Schwegler at 9:37
Edited on: Freitag, 08 November, 2019 17:18
Categories: Aktuelles

Mittwoch, 23 Oktober, 2019

Blogs wurden überarbeitet

Inzwischen wird die Software "Thingamablog" weitgehend beherrscht. Der Eigentümer der Software "Thingamablog" wurde erreicht. Die Weblogs können jetzt für eigene Bedürfnisse angepasst werden und es besteht die Hoffnung, dass diese Software noch unter die GPL (general public license) gestellt wird.

Die GPL, ein richtungsweisendes Werk von Richard Stallmann aus dem Jahr 1989, ist ein wesentlicher Mosaikstein, der irgendwann das Bild einer befreiten Gesellschaft (-> Zivilgesellschaft) signifikant prägen wird. Diese weltweite Opensource -Bewegung stellt sich bewusst und gegen proprietäre Software, die in vielen Bereichen als menschenfeindlich bezeichnet werden muss.

Ohne Überwindung des egoistischen Rechts der Bürger, das in ihrem Gesetzbuch, dem Bürgerlichen Gesetzbuch, die täglichen Zwangsformen ausdrückt, dem alle Menschen in der bürgerlichen Gesellschaft unterworfen sind, werden die Zerstörungen der Umwelt weiter getrieben. Die Politik ist wegen des BGB gar nicht in der Lage, hier etwas Grundsätzliches zu ändern. Hierzu schrieb der Autor von "Ende der Revolutionen" vor einigen Tagen eine Anmerkung zum bestehenden Recht, Abmahnungen an Nichtjuristen zuzustellen, ohne die Nichtjuristen zuvor auf die Rechtslage erst einmal aufmerksam machen zu müssen. Eine aktuell (Oktober 2019) laufende Initiative von Change.org, dieses Abmahnsystem gesetzlich neu zu regulieren, veranlasst zu folgenden Anmerkungen:

Zwar werden Gesetze des Staates immer wieder durch das Engagement von Volksinitiativen und durch Klagen einzelner Bürger erfolgreich angegriffen und müssen vom Gesetzgeber korrigiert werden, so dass auch manches Geschäftsmodell mancher Juristen vielleicht einmal aufgegeben werden muss. Der Grundcharakter aber, der sich nur beiläufig auch in diesem Geschäftsmodell ausgedrückt, dass Juristen, ob als Richter oder Anwalt tätig gemeinsam mit den vermögenden Bürgern unter dem gemeinsamen Dach ihres Staates den einfachen Menschen stets gegenüberstehen, ändert sich dadurch nicht.

Posted by Michael Schwegler at 6:38
Edited on: Freitag, 14 Februar, 2020 14:48
Categories: Aktuelles

Freitag, 11 Oktober, 2019

Buchausgabe

Der Autor plant ein Buch mit dem Titel "Ende der Revolutionen" zu veröffentlichen. Bis es soweit ist werden in den kommenden Wochen zur Vorbereitung der Endfassung des Textes zentrale Anliegen des Autors auf diesem Webauftritt regelmäßig vorgestellt und erweitert. Durch Kommentare kann auf den Inhalt des Buches noch Einfluss genommen werden. Die Texte sind, obwohl inzwischen vollständig geschrieben, im Fluss. Selten kann der Autor seinen eigenen Text in diesem Internetauftritt ein zweites Mal lesen, ohne ihn gleichzeitig zu verändern. Der Autor wäre den Lesern dieses Blogs dankbar wenn möglichst viele Leser sich durch Kommentare am Buchprojekt beteiligen. Bis heute 13.11.2019 haben die Blogs zu einem weiteren Kapitel im Buch geführt. Überlegungen zum bürgerlichen Staat und Ausführungen zum Übergang der faschistischen Ideologie in die postmoderne Gesellschaft werden aktuell dem Inhalt des Buches hinzugefügt.

Weltweit bilden sich derzeit außerparlamentarische Protestbewegungen, die gegen die ungebrochene Naturzerstörung und den Klimawandel infolge eines "finanzgetriebenen Kapitalismus" (Elmar Altvater ) regelmäßig auf die Straße gehen und sich in zahlreichen Organisationen inzwischen zusammenschließen. Diese Menschen sprechen verschiedene Sprachen und vertreten oft auch unterschiedliche Interessen. Gemeinsam aber kämpfen sie für den Stopp der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Mit dem Buchprojekt werden den Protestierenden und besorgten Mitmenschen Überlegungen vorgestellt, die das im Übergang zum 19. Jahrhundert erst geschaffene Recht auf Privatbesitz an Grund und Boden und dem zur gleichen Zeit beginnenden Anstiegs des Kohlenstoffdioxidgehalt der Atmospäre bezüglich der Frage einer Verkettung dieser beiden scheinbar unabhängigen Ereignisse einem Diskurs anheimstellt. Es wird höchste Zeit, über die Naturzerstörung, über die fortschreitende Entfremdung der Menschen im Kontext des Übels der fremdbestimmten Arbeit, die alle das moderne Herrschaftsrecht über den Boden voraussetzen, zu streiten. Beiträge in verschiedenen Sprachen sind deshalb willkommen.

(08.10.2019) Texte, die geeignet sind das zentrale Anliegen des Autors verständlich zu machen, werden nach und nach in einer eigenen Rubrik abgelegt und dienen als Beispiel für die Notwendigkeit, allen Demokratien das Recht auf ein Eigentum an Grund und Boden auf ihrem Territorum zu entziehen. Eine Regierung soll den herrenlosen Boden beschützen. Das Recht, den Grund und Boden zu okkupieren, muss ihr entzogen werden. Zunächst erscheint angesichts des wirklichen Lebens diese Idee phantastisch. Der Autor entwirft aber ein Fundament, mit dem ein System der Nutzungs- und Stimmrechte konkrete Form annehmen könnte.

Die bevorstehende Zerstörung der Kulturlandschaft Hasankeyf in der Türkei ist ein Beispiel dafür, wie das Recht auf Eigentum an Boden in Demokratien der Hebel ist, mit dem die Menschen, die auf dem Grund und Boden leben, nahezu überall in der Welt entmündigt und bevormundet werden. Das Recht auf Eigentum an Boden bildet die Grundlage für Despoten, die, wie das Beispiel der Zerstörung Hasankeyf zeigt, sich sogar die Verfügung über Kulturgüter mit Hilfe dieses Rechts besorgen. Ähnliches könnte auch über die Verbrennung fossiler Stoffe geschrieben werden.

In diesem Zusammenhang sollte eine Aussage von Immanuel Kant diskutiert werden. Er sieht in der Demokratie einen Despotismus, d.h. eine willkürliche Gewaltherrschaft. Er begründet seine Annahme damit, dass „sie eine exekutive Gewalt gründet, da alle über und allenfalls auch wider einen (der also nicht mit einstimmt), mithin alle, die doch nicht alle sind, beschließen; welches ein Widerspruch des allgemeinen Willens mit sich selbst und mit der Freiheit ist." Die Schrift „Zum ewigen Frieden“ von Immanuel Kant erschien im Jahr 1795.

Die Idee, die Legitimation der Demokratie mittels demokratischer Wahlen zu begründen, kann im Kontext der geschichtlichen Erfahrungen als die den Despoten eigen betrachtet werden. In der römischen Formel "panem et cirsenses" (Brot und Spiele) wird sie trefflich ausgeführt und mit der massenhaften Zustimmung zu faschistischen Regime zeigte sie sich bereits in ihrer vollkommenen Form.

Schaut man nur auf den materiellen Reichtum im eigenen Haus und um das Haus herum -sofern man sogar über den Reichtum eines eigenen Garten verfügt- so können die westlichen Demokratien durchaus auf eine Erfolgsgeschichte verweisen. Aktuell jedoch wird diese Erfolgsgeschichte in Frage gestellt. Mehr noch, der Verdacht ist nicht mehr von der Hand zu weisen, dass dieser Erfolg nicht nur auf den Schultern der Dritten Welt gegründet ist, sondern dass sie heute uns alle gefährdet: Der inzwischen wissenschaftlich belegte fortschreitende Klimawandel wird nicht vor dem eigenen Haus Halt machen. Egal wie die Menschen in den westlichen Industrieländern bisher gesellschaftlich gedacht haben, die Folgen des inzwischen wahrnehmbaren Klimawandels werden ihre Gedanken finalisieren. Der Club of Rom hat im Jahr 1972 auf die Grenzen des Wachstums hingewiesen. Den Zusammenhang mit der Zunahme des Kohlendioxidanteils der Erdatmospäre hat er nicht hergestellt. Heute müssen wir befürchten, dass ein "Point of no return" überschritten werden kann.

Posted by Michael Schwegler at 23:06
Edited on: Mittwoch, 13 November, 2019 15:06
Categories: Aktuelles