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Sonntag, 16 Februar, 2020

Unterschreibe, und Du bist frei:

"Ich bin frei", antwortete Franz Jägerstetter. Er unterschrieb nicht.

Am 9. August 1943 wurde Franz Jägerstätter in Brandenburg-Görden unter das Fallbeil gelegt. 343 Jahre nach Giordano Bruno hat sich nichts geändert. Der Protestantismus lebt.

Der amerikanische Regisseur Terrence Malick erzählt seine Geschichte in "A hidden life". Er erzählt sie romantisch, die im Jahr 1971 in einem halbdokumentarischen Film noch anders erzählt wird. Die Zeiten haben sich geändert.

Das Team um Terrence Malick weicht vielleicht nur einmal von den ihnen vorliegenden Dokumenten ab, die allein besser das Wesentliche verständlich gemacht hätten. Aber das ist fast immer so wenn Geschichten uns romantisch und in erster Linie unterhalten sollen. Zu Beginn seines Films erklärt er den Zuschauern, dass Franz Jägerstetter dem 1. Gebot, "Du sollst keine Götter neben mir haben", gefolgt sei. Das ist aber nicht wahr, das kann man bei ihm nicht lesen. Wer das erzählt wird Gründe haben, das so zu erzählen. Es kommt aber einer Blasphemie gleich; der Gott des Franz Jägerstetter war anders. Sein Gott hätte sich mit den Göttern der indigenen Völkern Nordamerikas, der "Hopitu shinumu", der "friedlichen Leute", verstanden. Die gab es zwar längst nicht mehr, aber wer den einfachen Bauer und Messdiener Franz verstanden hat weiß das.

Der Gott von Franz Jägerstetter ist der Gott der Katholiken, wie ihn Erasmus von Rottedamm gelehrt hat: De libero arbitrio. Franz Jägerstetter schreibt "... besser die Hände als der Wille gefesselt...". Franz Jägerstätter war ein einfacher Mensch. Er kannte die Menschen in seinem Dorf, hatte die Volksschule besucht und konnte seine eigenen Gedanken niederschreiben. Er kannte auch die Texte, die in der Bibel standen, und diese Texte waren für ihn Richtung, in die gegangen werden sollte. Er verurteilte niemand, der anders gegangen ist: Er konnte für andere nicht entscheiden, er konnte nur für sich entscheiden. Eine andere Richtung schloss er für sich aus. Er kannte die andere Richtung wohl und erzählte deshalb von seinem Traum: Diesem Zug, der auf Schienen raste und um den massenhaft Menschen standen, die unbedingt in den Zug einsteigen wollten. Der Traum war irreal wie das Träume immer sind. Franz Jägerstätter ängstigte sich obwohl diese Menschen, die in diesen Zug einsteigen wollten, gar nicht einsteigen konnten: Der Zug raste doch. Er wusste aber wohin er raste; in die Hölle.

Mit diesem Traum hat sich das Team um Terrence Malick nur symbolisch gekümmert obwohl er inhaltlich dokumentiert ist. Er wurde im Jahr 1971 noch ausführlich erzählt und das unterscheidet die beiden Erzählungen vorneinander. Die Zeiten haben sich geändert.

Das Team um Terrence Malick unterscheidet sich auch von dem halbdokumentarischen Film durch eine herausragende Filmmusik; man ist ergriffen. Nur das "Agnus Dei" zeigt wieder in eine ganz andere Richtung wie der romantische Film insgesamt, in die Franz Jägerstätter aber gerade nicht gegangen ist. „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ (Johannesevangelium). Er wusste, dass der Weg zu Gott über das wirkliche Leben führt. Das ertragen die Anderen heute nicht mehr. Alles darf heute gesagt, gezeigt, gehört werden; alles. Nur nicht das wirkliche Leben. Das ist anders. Das konkrete Leben eines wirklichen Katholiken wäre heute ketzerisch und würde unweigerlich in Konflikt mit geltenden Gesetzen führen.

Posted by Michael Schwegler at 10:01
Edited on: Dienstag, 18 Februar, 2020 8:59
Categories: Der einfache Mensch

Donnerstag, 13 Februar, 2020

Alle Tränen sind salzig…….

In Europa können wir die Straße der Tränen mit einem Datum um den 5. August 1942 benennen. Auch in Amerika hat die Straße der Tränen ein Datum. Am 6. Juni 1838 begann die Deportation.

Die Mächtigen verzichteten auf Rechtsstaatlichkeit und tun das noch heute, wenn ihr System in Frage gestellt wird. Wir müssen das Recht ändern und die Rechtsstaatlichkeit verteidigen. Wir müssen das und nicht der Staat.

Die Verträge, die alle unterzeichnet werden müssen, weil das ihr Vertragsrecht so verlangt und damit anders ist als vormals das göttliche Recht, das nie das Recht eines Gottes war, weil es ihn nicht gibt, aber zu dem wir finden können und Matthäus und Lukas auch nur die Richtung anzeigen, in die gegangen werden muss, wenn wir wenigstens seine Natur schauen wollen: Auch ein Hund hätte mit seiner Pfote die Deportation der Cherokee unterzeichnen können. Allein die Form war zu wahren.

Dieser Satz war lang, ich weiß, aber er muss gelesen werden sonst sind wir verloren.

Posted by Michael Schwegler at 10:07
Edited on: Freitag, 15 Mai, 2020 18:32
Categories: Der einfache Mensch