Wir Armen

„Was ist das für eine Gerechtigkeit, wenn jeder beliebige Wucherer oder sonst einer von denen, die überhaupt nichts tun, oder bei denen das, was sie tun, für das Gemeinwesen nicht dringend nötig ist, ein vornehmes und glänzendes Leben in Muße oder überflüssiger Beschäftigung führt, während sich der normale Arbeiter mit unablässiger Arbeit, die ihm ständig abverlangt wird und die nötig scheint, dass ohne sie kein Staat auch nur ein Jahr lang bestehen könnte, doch nur einen so kümmerlichen Lebensunterhalt verdienen und ein erbärmliches Leben führen? Diese Menschen peinigt die ertraglose und vergebliche Arbeit in der Gegenwart und quält der Gedanke an das mittellose Alter; denn da ihr täglicher Lohn zu gering ist, als dass er auch nur für denselben Tag ausreichen könnte, wie soll da etwas herausspringen und übrigbleiben, das man zurücklegen könnte, um im Alter sein Leben zu fristen?“

Thomas Morus schrieb diese Zeilen vor 500 Jahren. Damals gab es noch kein Grundeigentum an Boden. Der Boden war Lehen, geliehener Grund und Boden. Mit dem historischen Coup des Imperators Napoleon Bonaparte hat sich das vor gut 200 Jahren radikal geändert. Nachdem dieser ehemalige Jakobiner mit einem neuen bürgerlichen Gesetzbuch das vormals bestehende Recht der Fürsten mit Unterstützung der Guillotine ablöste und den Grund und Boden der Erde zur Sache der Bürger erklärte, war auch im katholischen Frankreich der Weg frei, das merkantile, gottgefällige Wirtschaftssystem Colberts zu beenden und den Boden der Erde unter den vermögenden Bürgern zu verhökern und die fossilen Bodenschätze in großem Stil zu heben. Wie gut 50 Jahre zuvor bereits im protestantischen England begonnen, vergriffen sich unter dem Schutz der Gesetze und der Militärs auch französische katholische Bürger an Gottes Erde. Für die Antriebe der bereits in England Jahre zuvor entwickelten und aufgestellten Maschinen benötigten sie die fossilen Bodenschätze, die sie jetzt überall für den Antrieb ihrer Maschinen verbrennen konnten und sie damit in der Konkurrenz mit anderen Warenproduzenten nicht mehr auf die natürlichen Energiequellen angewiesen waren. Vorbei waren die Zeiten, in denen der Mensch sich ausschließlich der Wasserkraft, der Windkraft und anderer natürlichen und regenerativen Kräfte der Natur bediente. Spätestens mit diesem Gesetzbuch, das am Anfang noch den Namen des Imperators trug, begann das Zeitalter des Verbrennungskapitalismus großen Stils, das bis heute anhält und Grund ist, dass das natürliche Gleichgewicht des Kohlenstoffkreislaufs aus dem Gleichgewicht geriet.

Aber lasst euch nicht von den Bürgerlichen belügen, lasst euch nicht täuschen. Den Ponzifex Maximus können sie auch nicht mehr täuschen. Er weiß auch, was Räuberbanden sind. Heute spricht er vor ihnen. Als er noch als Präfekt der Glaubenskongretation im Jahr 1983 sich für die Stationierung der Pershing-Raketen in Deutschland aussprach, war er noch sehr schwach: Er wollte wählbar bleiben.
Da war er einer von ihnen, Politiker, keinesfalls aber ein Pontifex. Nach wie vor aber gilt das Wort: Es werde Licht und es ward Licht. Alles übrige, was ansonsten in der Genesis geschrieben steht, stellt aber in Zweifel. Vor allem hütet euch vor der Schlange: "Macht euch die Erde untertan und herrschet." Nur darum bitte ich euch.

Würde der Pontifex nur von diesem Politiker Paulus abrücken und nur den Evangelisten und nicht der Apostelgeschichte vertrauen, man könnte seine Enzyklika allen Menschen mit auf den Weg geben.

Bedenkt: Bei der Formulierung des Sachenrechts im Bürgerlichen Gesetzbuch, das aus seinem "Code Napoleon" hervorgegangen ist, dachte der Imperator sicher nicht an uns, die einfachen Bürger. Diese konnten als Sansculotten im revolutionären Frankreich noch leicht ausgemacht werden. Sie saßen mit am Tisch, als die entscheidende Phase für unsere heutige postmoderne Geschichte geschrieben wurde. Napoleon dachte nicht an das zu seinen Zeiten noch selbstverständliche Eigenheim auf kostenfreiem Boden, an dieses natürliche Recht, dass natürlich auch der kleine Mann ein Eigenheim besitzen und das er auf einer kleinen Parzelle auf den Lehen mit Nachbarn und Freunden in Eigenleistung errichten konnte.
Klar war in dieser Zeit der Französischen Revolution nur, dass ein Leben in den eigenen vier Wänden für den kleinen Mann in der Regel außerhalb der Stadt geführt werden musste, wenn dieser sich den Gesetzen des Rats der Stadt nicht fügen wollte oder, was viel eher vorkam, das Geld knapp war. Keiner klopfte damals an die Hütte eines Menschen außerhalb der Stadt, wenn dieser diese in Gottes weiter Natur errichtet hat und als Asket fortan allein nur noch die Stimmen der Natur hören wollte; keiner klopfte und verlangte eine Grundrente. Keiner hatte das Recht, die Polizei zu rufen und dich im dritten Monat eines Zahlungsrückstands der Miete mit deren Hilfe, dich, der du dich doch nur der Askese verschreiben wolltest, vom Grund und Boden zu jagen. Die Fürsten und die Kirche hatten vor der Französischen Revolution große Besitztümer, die kleine Frau und der kleine Mann kleine, oft winzig kleine. Eigentum an Grund und Boden aber hatten alle nicht. Die Bürger der Französische Revolution haben diesen asketischen Menschen, und nicht nur diesen, abgeschafft, deshalb gilt bis zum Beginn einer neuen zivilen Gesellschaft: Wo der Bürger aufhört, da beginnt der Mensch.

Das Gesetz trat zwischen den Mensch und dem Bürger und zwang den Mensch unter ihr politisches System, das dieser Paulus in seinem wesentlichen Inhalt gegründet hat.
Diese Revolution vernichtete den freien Willen des Menschen, wie er zuerst von Augustinus und zuletzt von Erasmus von Rotterdam beschrieben wurde und der mit dem Katholiken noch in vielen Ländern lebendig war. An Stelle des freien Willens des Einzelnen setzten sie die vertagliche Willenserklärung des Menschen. Künftig wurde dem freien Willen ein gesetzlicher Rahmen geschaffen, den Advokaten und Richter bis heute förmlich immer enger gestalten und überall kontrollieren. Der freien Willen des Einzelnen wurde per Verordnung abgeschafft und ihr Gesetz machte alle Menschen zu Knechten der jeweiligen Staaten. Aus den Knechten Paulus, Knecht Jesus Christus wurden säkulatisierte Knechte des Staates.
Die Sansculotten wollten den Klerus und den verhassten Adel treffen und mordeten die letzten Katholiken, die nicht zuvor bereits in den Jahren nach Luther den Protestanten zum Opfer fielen: „Wer den Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, und diese stinkt noch tot mehr als lebendig!“. Sein Wort galt in den Zeiten des Dreißigjährigen Kriegs, über die Französische Revolution hinaus bis heute. Noch heute gilt sein Wort und auch seine Weisung an die Politiker: „Der Esel will Schläge haben, und der Pöbel will mit Gewalt regiert sein. Das wusste Gott wohl; drum gab er der Obrigkeit nicht einen Fuchsschwanz, sondern ein Schwert in die Hand.“ Luthers Empfehlung gegenüber den Fürsten, die Bauern zu töten, hat den Protestantismus nicht abgeschafft, er hat ihm zu einem folgenschweren Sieg der Obrigkeit über die Menschlichkeit verholfen, die spätestens im Faschismus sich dem Wohlwollen der Protestanten sicher sein konnte. Die Politik des Paulus wirkt noch heute unbeeindruckt von ihren begannenen Verbrechen, die die Anhänger dieses Paulus als Friedensmission gemeinsam mit politischen Katholiken und Evangelikalen und mit den übrigen Protestanten begehen: "Sie hat getan, was sie tun sollte. Der Welt Frieden bringen". So bringt Paul Tibbets, der die erste Atombombe auf Hiroshima abwarf und deshalb stolz darauf war, nie wegen diesem Abwurf der Atombombe auch nur eine Nacht schlecht geschlafen zu haben die Sache auf den Punkt. Bei allen Vergehen gegen die Menschlichkeit dürfen sie sich des Segens Paulus sicher sein. Luther, der Paulus wie kein anderer verehrte und alles bei ihm gelesen hat, der selber glaubte, die Wiedergeburt Paulus zu sein, machte nie einen Hehl über seine Unmenschlichkeit. Die Frauen verachtete er. „Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“ Heute sagen die Protestanten dies nicht mehr laut, wie Luther dies noch laut von seiner Kanzel verkündete. Sie müssen es nicht mehr, sie sind sich Dank der schweigenden Mehrheit im protestantisch bürgerlichen Staat sicher. Luther hat den Fürsten zu einem leichten Sieg über die Bauern verholfen. Der Klerus überlebte diese Zeit ordentlich ramponiert, und ließ sich danach einbinden in die Strategie der Massenmorde und die noch weiter folgten werden. Der Katholik aber, der Mensch guten Willens, der nie einem Menschen wie Paulus lesen könnte, muss seither im Privaten leben, im Abseits. Nur noch einmal stemmte er sich gegen den Lauf der Geschichte und die Kommunarden, diese sichtbaren Menschen guten Willens, wurden am 28. Mai 1871 an der Mauer der Kommune erschossen. Vorläufig endete das sichtbare Leben der Katholiken.

An diese einfachen Menschen hat der ehemalige Jakobiner nicht gedacht: Ihm ging es um größere Besitztümer und vornehmlich um die Besitztümer des Klerus, die im ersten Revolutionsjahr 1789 vom gerade erst gegründeten französischen Staat eingezogen und zur Deckung ihrer zu Zeiten des Imperators längst wieder wertlosen Assignaten, dem revolutionären Papiergeld Frankreichs, per Dekret unter dem Jubel der Sansculotten eingezogen wurden. Jetzt, nachdem der Jubel vorbei war und sich dieses Fiatgeld wieder als völlig wertlos erwies, führten sie die Grundsteuer ein. Mit der Möglichkeit, Boden ob für oder ohne ein Eigenheim käuflich erwerben zu können, erkannten die Bürger ihre Macht, die vom Bodeneigentum ausgeht: Das Eigentum an Boden einerseits zur festen Wahrung ihres Reichtums und andererseits zur Disziplinierung der Massen. Schon immer besaß der Gemeine Mann sein Haus. Mit den Phrasen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit täuschen ihn die modernen Bürger. Sie mussten ihn täuschen, weil die politischen Bürger die Wahrheit nicht aushalten. Das eigene Haus aber, die eigenen vier Wände, sind Voraussetzung, sind Naturrecht und bilden überall die Grundlage einer natürlichen und freien Gesellschaft.

„Was soll man vollends dazu sagen, wenn die Reichen von den arbeitenden Menschen Tagelohn der Armen nicht nur durch privaten Betrug, sondern sogar auf Grund staatlicher Gesetze etwas abzwacken? Was früher als ungerecht galt: den treuesten Dienern des Staates mit ärgstem Undank zu lohnen, das haben sie auf diese Weise ins Gegenteil verkehrt, ja durch ein öffentlich verkündetes Gesetz als Gerechtigkeit erklärt!“

Diese Zeilen sind nicht für den Konsum geeignet.

„Wenn ich daher alle diese Staaten mir betrachte, mit ihren Banken, die extravaganten Grundstücke der Reichen an ausgesuchten Stellen, so scheint es wie eine Art von Verschwörung der Reichen, die im Namen und unter dem Schutz des Staates für ihren eigenen Vorteil sorgen. Alle möglichen Schliche und Kniffe ersinnen und erdenken sie, um zunächst einmal das, was ihre Vorfahren bereits und sie in dieser Tradition der Raffgier sich weiterhin ihre Vermögen durch üble Machenschaften vergrößern, ohne Furcht vor Verlust zusammenzuhalten, dann aber alle Mühe und Arbeit der Armen so billig wie möglich zu erkaufen und ausnützen zu können. Sobald die Reichen erst einmal im Namen der Allgemeinheit, das heißt also auch im Namen der Armen, die auch Volk sind, den Beschluss gefasst haben, diese Methoden anzuwenden, so erhalten sie auch schon Gesetzeskraft. Aber selbst wenn diese üblen Elemente in ihrer unersättlichen Gier alles das untereinander aufgeteilt haben, was für alle ausgereicht hätte: wie weit sind sie trotzdem entfernt von dem glücklichen Zustand einer denkbaren menschlichen Gemeinschaft."

Einsam sind diese üblen Elemente, würdelos und verlassen. Allein Dienstleister kümmern sich um sie.

Wir, die in diesem bürgerlichen Staat zu den Armen und Gemeinen zählen, sollten in einem Netzwerk der Armen zusammenstehen, zusammen leben und zusammenhalten. Früh haben sie uns zu Habenichtsen, zu Geherda´s gemacht, als sie uns die notwendigen Allmenden nahmen und die Armen, die sich gegen diese Landnahme als Erstes wehrten, haben sie unter den Augen des Reformators Martin Luther umgebracht. "Das Blut der Bauern klebt an seinem Hals". Heute sollten wir wieder zusammenstehen und zusammenhalten und der Bauern von damals wie den Opfern der Shoa gleichermaßen gedenken. Von dem bürgerlichen Staat sollten wir uns fern halten, der uns nur noch für Geld die Nutzung der Reichtümer der Natur gestattet, so dass wir auf einen Lohn, der von ihm mit gesetzlichen Rahmenbdingungen geregelt wird, angewiesen sind. Den Lohn für Lebensmittel und den wir brauchen um ihnen die Nutzungsentgelte und Steuern bezahlen zu können, werden wir aber nur bekommen, wenn wir ihre Verträge unterschreiben. De servo arbitrio. Aber an ihren Verbrechen an der Natur dürfen wir nicht teilnehmen!

Wir sollten lernen und von ihren Verträgen, wo es geht, Abstand nehmen. Vaterland oder Tod, diese Losung der kubanischen Revolution, in der die Würde noch trägt, noch mitschwingt und die das Überleben der Armen auf Kuba bis heute sichert, könnten uns Vorbild sein. Nicht das sozialistische Staatssystem auf Kuba soll Vorbild sein, das ist keinesfalls gemeint. Auch diese sozialistischen Staatssysteme sind himmelweit von einem zivilen Staat entfernt.

Vermutlich ist dieses Staatssystem auf Kuba aber notwendig gewesen, um sich wenigstens eine menschliche Würde zu bewahren: Wir wissen es nicht. Wir wissen auch nicht, ob die Geschichte sie freisprechen wird. Aber wir wissen, dass trotz des wirtschaftlichen Embargos durch die Vereinigten Staaten von Amerika seit Jahrzehnten, das den Menschen auf Kuba ein entbehrungsreiches Leben auf der Insel verordnete, dass dieses entbehrungsreiche Leben Vorbild sein könnte in dieser Zeit des Klimawandels und weil diese Menschen und ihre Führer ihre Würde bis heute nicht gegen Verträge mit dem Mächtigen dieser Erde eintauschten.

Was ist wahr am kubanischen Weg? Wohin führt er? Heute wissen wir nur, dass der Lebensstandard, den der einfache und der Mensch guten Willens auf Kuba führt, geeignet wäre, das Gleichgewicht im Kohlenstoffdioxidkreislauf dieser Erde vielleicht wieder herzustellen und allein diese Vermutung sollte reichen, dass wir nach Kuba schauen. Jeder vernünftige Mensch wird zuhören, wenn ihm erklärt wird, dass normalerweise die Erde auf eine Eiszeit zusteuert und wir erleben, dass es draußen aber wärmer wird, dass zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit der Mensch sich anmaßt, die Natur zu beherrschen. Nicht jeder Mensch maßt sich dies an. Es ist der politische Mensch, der sich beängstigend vermehrt und der dieser Droge Bequemlichkeit verfallen ist und sich den Dienstleistern beugt. Armselig steht er inmitten seiner Güter, die er aus dem Reichtum der irdischen Stoffe erzeugt und dabei ist, die Erde für diesen Reichtum, dem Reichtum allein der Güter, zu verbrennen. Das Gut aber geht verloren. Die Balance geht verloren und nie hätten die Menschen dieser Balance of Power vertrauen sollen.

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