Radikale Zeitenwende

Die Geschehnisse der Jahre 1789 bis 1804 markieren den Höhepunkt einer radikalen Zeitenwende, die im 16. Jahrhundert mit der Reformation begonnen hat. Diese Geschehnisse unterscheiden sich grundlegend von den vielen politischen Zeitenwenden typischer Art, die unter dem revolutionärem Ruf "der Fürst ist tot, es lebe der Fürst" als Purzelbaum von Herrschaftsverhältnissen  bildhaft zusammengefasst werden können. Politische Zeitenwenden finden stets auf demselben Boden statt, auf denen die Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden vor- und nach der Zeitenwende unverändert sind. Das gilt auch für Zeitenwenden, in deren Verlauf der Boden vom Staat annektiert wird. Derartiges mag radikale gesellschaftliche Auswirkungen haben, eine radikale Zeitenwende stellt eine Annektion von Boden aber nicht dar: Grundbücher müssen lediglich umgeschrieben werden.

Ein markantes Beispiel dafür erkennt der Autor in der Russischen Revolution. Gehörte der Boden vor der Revolution Großgrundbesitzern oder der Kirche, gehörte er danach staatlichen Kolchosen oder dem neuen Staat der Sowjets. Man wird zwar einwenden können, dass diese Beschreibung auch für die Zeitenwende der Französischen Revolution behauptet werden kann: Als Lehen wurde der Boden vor der Revolution vom Klerus oder vom Adel verwaltet und nach der Revolution in das private Eigentum von Bürgern überführt. Diese Aneignung des Bodens, die mit Hilfe des bürgerlichen Rechts und der Polizei, bzw. des Militärs, durchgeführt wurde, ist ohne Wenn und Aber das größte Verbrechen einer besonderen Klasse von Menschen gegen die Natur. Als besondere Klasse waren diese Menschen bis zum Ende der ersten Phase des Faschismus, also bis zum Jahr 1945, in Europa noch deutlich erkennbar. Nach 1945 änderte sich das politische Leben grundsätzlich in Europa und mit einer Amerikanisierung änderten sich die sozialen Systeme. Das zentrale Merkmal jener Klasse der Bürger, der private Grundbesitz von Boden, aber blieb.

Mit der zunehmenden Parzellierung des Grund und Bodens sowie der völlig unterschiedlichen Bewertung des Werts von Grund und Boden, trat das bürgerliche Recht in den Vordergrund und die Polizei, bzw. das Militär, konnte verallgemeinert werden.

Um die Bedeutung dieser Zeitenwende zu verstehen, helfen ein paar grundlegende geschichtliche Fakten, die im Folgenden durch Hörbücher und Filme vorallem für die jugendlichen Leser*innen hier zusammengestellt werden. Ein schwieriges Unterfangen, weil die Überlegungen über herrenloses Land so gar nicht dem herrschenden Zeitgeist entsprechen.
Der Autor sichtet derzeit noch geeignetes Material -das eigene Manuskript ist noch nicht veröffentlicht- und stellt hier zunächst ein paar kurze Youtube-Beiträge vor.

Hier ein Hörbuch zum Mittelalter.

Videos, hier zum Beispiel ein Video zum Leben im Dorf im Mittelalter, als der Boden noch keine irdischen Eigentümer kannte, sollen die Forderung nach herrenlosem Land unterstützen. Der Boden wurde besetzt und entsprechend galten lediglich Besitz und Besitzansprüche. Der Satz, "dieser Grund und Boden ist mein Eigentum" hätte im Mittelalter vielleicht ein Narr sprechen können, aber selbst solcher hätte derartiges nicht ohne Weiteres denken können. Gedanken gründen bekanntlich auf der Sprache und diese gründen auf der herrschenden Sprache der Zeit, in der sie ausgebildet wurde. Auch hier ein kurzer Film zum Leben im Mittelalter.
Dem letzten Satz des Sprechers sollte noch die Frage folgen, zu wesen Wohl die mit der Aufklärung zugenommene Naturbeherrschung gedient hat und nocht wichtiger, welchen Fluch die Naturbeherrschung mit sich brachte?

Ebenfalls hier ein Link zur Gesellschaft im Mittelalter.