Über den Weg


Die kürzeste Entfernung zwischen zwei Punkten ist nicht immer eine Gerade. Besonders dann nicht wenn man nach auf dem Weg dorthin nach rechts und nach links schaut Die Versuchung ist groß, jetzt doch besser die Augen zu schließen, so dass es letztlich bei einer Geraden bleibt

Das Recht auf Privateigentum an Boden des Planeten Erde ist gerade einmal 200 Jahre alt. Natürlich haben sie schon früher das Land besessen, was aber nur mit dem Bild eines Stuhls verglichen werden kann um heute noch verstanden zu werden; zu lang ist es her. Sie setzten einen Stuhl auf den Boden, auf dem es sich gut sitzen ließ und von dem aus geherrscht werden konnte; mit Krone und Zepter. Auf dem durfte kein Anderer sitzen. Oft schauten sie hinüber zu den anderen Stühlen, die ebenfalls fest auf dem Boden standen und auf dem andere saßen. Ob Neid oder Missgunst sie dazu getrieben hat, ob es die eigene Kornkammer war, die von den wenigen Bauern auf ihrem Boden nicht gut genug gefüllt werden konnte, es kann nicht immer festgestellt werden. Aber gewiss ist, dass manche ihre Töchter hergaben, was schon immer Prostitution war, und nur, um auch auf dem begehrten anderen Stuhl sitzen zu können obwohl man doch nur ein Hinterteil hat. Meist bestellten sie Söldner, die diesen Stuhl erobern sollten. Dafür brauchten sie Lebensmittel und Geld, das sie oft nicht hatten. Deshalb riefen sie andere zu Hilfe, die meist selber keinen Stuhl hatten und oft nur deshalb ihnen zu Hilfe eilten. Mit wenigen von ihnen teilten sie nach erfolgreichem Raubzug die Beute. Als Vasallen durften sie jetzt mit ihrem Hinterteil auf dem eroberten Stuhl oder auf kleineren Schemeln sitzen, die an anderer Stelle auf dem Boden standen, den sie erobert hatten und er begnügte sich, weiter mit seinem Hinterteil auf seinem Stuhl zu sitzen; das Reich aber vergrößerte sich. Auf die Idee vom Stuhl herabzusteigen kamen sie nie. Auf dem Boden, auf dem ihre Stühle gestellt waren, arbeiteten die Bauern und Handwerker. Und solange die Handwerker das Holz, das sie für ihre Gewerke benötigten noch gottesfürchtig aus dem Wald holten und nicht auf die Idee kamen, dafür an ihrem Stuhl zu sägen, betraten sie besser den Boden erst gar nicht sondern ließen sich tragen in Sänften, an denen sich wiederum die Handwerker beweisen konnten.

Diese Geschichte mit den Stühlen wurde seit dem Jahr 325 in die Geschichtsbücher geschrieben und erst im Jahr 1799 wieder geschlossen. Bis in das Jahr 1302 war alles wohlgeordnet: Alle lernen noch heute den ersten Höhepunkt dieser Epoche in der Kaiserkrönung Karl des Großen. Zwar ging es in dieser Zeit auch schon kriegerisch zu, aber ein einziger Stuhl wurde anerkannt und stand zweifellos erhebend und einzigartig auf unserer Erde: der Heilige Stuhl. Endgültig aber wurde dieser Stuhl 1789 ins Abseits gestellt, nachdem es bereits im Jahr 1302 eines Machtwortes des Pontifex bedurfte, um überhaupt den eigenen Stuhl behaupten zu können. Aber Gott schien nicht mehr da zu sein, was die Hörigen noch lange nicht bemerkten und erst Luther ihnen das gehörig ins Bewusstsein rief. Jedenfalls nicht mehr ihr Gott, der zu Lebzeiten selbst ihre Hurerei verzieh, weil er doch selber unter uns gelebt hat und da auch die Sache mit Maria Magdalena war: da ist er Fleisch geworden.

Ein neues modernes Geschichtsbuch wurde eröffnet, in dem wir heute lesen. Dort steht zwar immer noch nicht die Geschichte von uns, daran hat sich nichts geändert. Aber wir können aus diesem modernen Geschichtsbuch von der wunderbaren Vermehrung der Stühle lernen. Seitdem läuft sie wieder mit anderen Regeln: die Reise nach Jerusalem. Wieder auf fremdem Boden und wie damals taten sie so, als gehöre der Boden ihnen, auf den sie jetzt tausendfach, millionenfach ihre Stühle stellen. Für die Regularien der neuen Reise nach Jerusalem haben sie neue Wörter erfinden und definieren müssen. Hervorragend ist ihr neuer Begriff Eigentum, den es davor nicht gab. Damals galt noch „du sollst kein falsches Zeugnis geben“ und da waren solche Regularien kaum möglich; man glaubte doch. Und damit bei diesem neuen Spiel keiner schummelt und kein Streit über die Besetzung eines Stuhls ausbrechen sollte, haben sie diesmal nicht eigenwillige Regeln verfasst, sondern zum ersten mal ein einheitliches Gesetzeswerk geschaffen, das alle anerkennen mussten, wenn sie an diesem neuen Spiel teilnehmen wollen. Raffiniert; statt Besitz jetzt Eigentum, und da trennte man: definitorisch. Dieses Wort sollte mehr bedeuten als nur Besitz, mit dem die Kronen und Thronen noch zufrieden waren. Dieses Wort bedeutete beliebige Verfügung über den Boden, auf den sie die Massenware Stühle künftig stellen können, obwohl die Masse der Menschen den Preis für die Stühle meist gar nicht bezahlen können. Sie begnügen sich damit, unter den Stühlen Platz zu nehmen, weil sie nur so von oben geschützt werden.

Als tausendjähriges Reich stellten sich die auf Stühlen sitzenden Bürger vor rund 80 Jahren ihre bürgerliche Gesellschaft vor und sie scheuen sich nicht für den Bestand ihres dafür ebenfalls neu geschaffenen bürgerlichen Staates alle Mittel einzusetzen, die zuletzt nur noch als barbarisch bezeichnet werden können.

Das zentrale Element ihrer modernen bürgerlichen Herrschaft, das Recht auf Privateigentum an Boden, auf dem sie ihren Stuhl setzen konnten, behaupteten sie selbst über die Zeit zweier schrecklicher Weltkriege. Lediglich politisch konnte das Bürgertum bisher gezwungen werden, gegenüber den Massen von Lohnarbeitern und politisch unterdrückten Individuen Zugeständnisse zu machen. Es ist nicht begreiflich, weshalb die Massen die Sache mit den Stühlen nicht erkennen und weiterhin unter den Stühlen Platz nehmen. Wie “das Bürgertum“ aber überhaupt zu Zugeständnissen gezwungen werden kann, soll noch erwähnt werden. Das Bürgertum ist bekanntlich kein Ding und die Methode der Verdinglichung abstrakter Begriffe sollte in Schriften, die aufklären sollen, wenig Platz haben.

Zugeständnisse können heute indirekt dem Bürgertum abgerungen werden, in dem die entsprechenden Gesetze geändert werden, die ihren bürgerlichen Staat prägen. Das war in den Ancien Régimes der Fürsten früher noch anders.

Historisch belegen dies die abgeschlagenen Köpfe Karls des I. in England und Ludwig des XVI. in Frankreich. Ob diese Enthauptungen auf dem Weg zu einer zivilen Gesellschaft allerdings notwendig waren kann rückblickend und in Kenntnis des weiteren geschichtlichen Verlaufs der bürgerlichen Aufklärung bezweifelt werden, die mit Auschwitz ihr schreckliches Ende fand.

Mit Auschwitz aber wissen wir, dass der Glaube, dass mit einem bürgerlichen Staat, und im Anschluss mit der Eroberung der Staatsgewalt in diesem Staat, der Weg der Befreiung des Menschen fortgesetzt werden kann, ein Irrglaube ist. Das gilt auch für die angebliche Alternative des sozialistischen Staates, von dem Karl Marx sprach und sofort hinterherrief, dass dieser aber tunlichst abzusterben habe, wenn alles, vor allem die Knappheit an Gütern, überwunden ist.

Ob der Boden einem privaten Herrn gehört oder einem staatlichen Herrn, ob er vom staatlichen Herrn gar zur Nutzung für die Menschen vergemeinschaftet wird, spielt kaum eine Rolle und vielerorts hat sich lediglich gezeigt, dass der private Eigentümer oft humaner sich gebärdet als der staatliche Eigentümer.

Auf der stofflichen Seite des Eigentums an Boden ist der Zwang zur Arbeit bei beiden Herren aber nahezu derselbe; er tritt allerdings beim staatlichen Herrn in totalitärer Form auf und kann hier als durchgängig repressiv bezeichnet werden. Allerdings gibt es auch hier wesentliche Unterschiede, die in Europa aber bisher nicht beachtet wurden, die uns nach Cuba und Lateinamerika führen, was aber hier erst später ausgeführt werden kann.

Auch einem weiteren Irrglauben, der zunehmend medial verbreitet wird, muss hier entgegengetreten werden: der Irrglaube, dass sich der bürgerliche Staat in einen zivilen Staat ohne die Abschaffung des Rechts auf Eigentum an Boden transformieren ließe.

Die Voraussetzung zur Entfaltung einer zivilen Gesellschaft ist die Überwindung des egoistischen Rechts auf Eigentum an Boden. Mit der Befreiung des Bodens aus dem Sachenrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches können sich neue Verkehrsformen zwischen den Menschen entwickeln, die mehr und mehr sich dem Charakter einer zivilen Gesellschaft annähern. Verkettet ist diese Entwicklung mit der Rechtsstaatlichkeit: Solange diese in der Verfügung privater oder öffentlicher Herren bzw. privater oder öffentlicher Seilschaften verbleibt, genießt die Judikative ein Fürstenrecht und der stoffliche Charakter der Judikative kann sich barbarisch ausdrücken.

Unter diesen geschichtlichen Erfahrungen ist es schwer nachzuvollziehen, weshalb heute in einer Zeit, in der zunehmend für die Mehrheit der Menschen immer weniger zum Besten bestellt wird, nicht diese Mehrheit das einzige Recht nutzt, das ihre Vorfahren in langen Kämpfen der bürgerlichen Gesellschaft abringen konnten: ihr allgemeines Stimmrecht!

Nicht zum Besten, vielmehr zum Schlechten nutzen sie heute dieses Stimmrecht. Die Menschen bestätigen mit der Wahl politischer Parteien den Charakter des bürgerlichen Staates und plündern mit dem Recht, das ihnen ausdrücklich dieser Staat zubilligt, den Planeten Erde.

Mit diesen Plünderungen begann das Zeitalter der Moderne; datiert frühestens mit dem 10. Oktober 1789, faktisch aber mit dem 2. November, also 13 Tage später. Ausgerechnet ein Bischof hatte die Idee, das Nationalgut Frankreichs zur Tilgung der Schulden des französischen Staates einzuziehen; der hinkende Teufel Charles-Maurice de Talleyrand. Für diesen historisch so bedeutsamen Vorschlag wurde er belohnt; zunächst nur mit dem Amt eines Ministers, später mit mehreren Adelstiteln. Sein Name steht wie kein anderer noch heute für politische Opportunität. Die katholische Kirche Frankreichs musste dem lutherischen Ideal lebenslanger Arbeit und gottgefälligem irdischen Reichtum auch im katholischen Frankreich seinem aufstrebendem Bürgertum Platz machen und auch dort ein irdisches Recht zur Plünderung der Erde samt dem dafür notwendigen Lohnarbeiter verschaffen. Nicht nur den Bodenbesitz der Kirche nutzten sich anschließend wertschöpfend, sondern auch die Immobilien der Kirche. Beispielsweise zog in die Notre-Dame de l`Assomption de Châtre von Saint-Brice eine Keramik-Manufaktur ein.

Kein Geringerer als Jean-Jacques Rousseau hat auch den Revolutionären von Paris diesen Weg gewiesen: Im Gesellschaftsvertrag, Buch 4, Kapitel 8 schreibt er: „Wer zu sagen wagt, »außerhalb der Kirche gibt es kein Heil«, muss aus dem Staat verjagt werden“; geschah dies zuerst in England musste Frankreich noch über 100 Jahre bis in den Winter 1789 warten.

Über Rousseau wird ausführlich im Buch „Das Ende der Revolutionen“ Bericht erstattet. Über das Heil, über das Rousseau hier spricht, muss noch berichtet werden. Es bildet den Kern des Streits zwischen Katholiken und Protestanten. Die Frage, mit welcher Heilsbotschaft sich der Mensch die Geschöpfe und die Erde Gottes aneignet.

Der Streit darüber begann früh. Die ersten Akteure waren der damals 19-jährige Karl V. und Martin Luther. Klar, dass dieser kaum deutsch sprechende jugendliche Niederländer Karl gar nicht verstehen konnte, was sich längst in den Landen zusammengebraut hat. Nach ihrem Zusammentreffen in Worms begann das letzte dunkle Kapitel des Mittelalters.

Zweifellos wirkten auch in diesem Streit viele Katholiken wie ihre reformierten Glaubensgenossen als skrupellose Mörder. Beide Seiten kämpften verbissen um die Macht ihrer Fürsten. Kein Katholik wird behaupten können, weniger Skrupel in der Hinrichtung andersgläubiger Menschen oder Nihilisten wie seine Gegner gehabt zu haben. Der Albigenserkreuzzug am Ausgang des Hochmittelalters legt davon Zeugnis ab: Er wird als ein schreckliches Morden der Katholiken an den Christen nie aus dem geschichtlichen Gedächtnis gelöscht werden. Damals bestand das einzige Verbrechen der Katharer darin, dass sie nach dem Evangelium nach Matthäus ihr Leben außerhalb der Amtskirche gestalten wollten.

Doch in einem zentralen Punkt ihrer Heilslehren unterschieden sie sich doch grundsätzlich: Im alleinseligmachenden Glauben. Dieser gehört zweifellos allein den Katholiken und in diesem Glauben gehört die Erde nur Gott. Sie ist seine Schöpfung, sein Werk. Der Mensch kann sich nur als Verwalter Gottes auf Erden empfehlen. Nicht ein Krümel natürlichen Bodens, nicht ein Geschöpf gehört dem Menschen.

Bezüglich Martin Luther sei dem Leser angeraten, seine Hetzschriften über Thomas Müntzer und seinem Heil zu lesen, das er mit den Bauern teilte, den er, wie die Bauern, am Liebsten selbst totgeschlagen hätte: „Ich, Martin Luther, habe im Aufruhr alle Bauern erschlagen, denn ich habe sie heißen totschlagen: All ihr Blut ist auf meinem Hals.“

Und auch seine Auseinandersetzung mit seinem Ordensbruder Erasmus von Rotterdam zeugt nicht nur davon, wie der Streit um die katholische Kirche die beiden Männer entzweit hat: Auf der einen Seite der große Humanist und Katholik Erasmus, auf der anderen Seite sein erbitterter Gegner Luther. Mit den Worten, „so wunderliche Zeiten sind jetzt, dass sich ein Fürst den Himmel mit Blutvergießen verdienen kann, besser als andere mit Beten“, die er an seine Fürsten richtete, um ihnen seinen Segen zu geben auf dem Weg, die Bauern ordentlich totzuschlagen, wendet er zunächst nur die Feder gegen Erasmus „ich will gegen ihn schreiben, sollt er gleich darüber sterben und verderben; den Satan will ich mit der Feder töten – wie ich Münzer getötet habe, dessen Blut auf meinem Halse liegt.“. Dann kommt er doch auch gegenüber seinem Ordensbruder am Ende zur Sache: „wer den Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, und diese stinkt noch tot mehr als lebendig“.

Luther hat sich zweifellos als Vorkämpfer der Moderne in der Geschichte bewiesen: „Das Wort Gottes ist Krieg, ist Gift, ist Untergang“; „Dieser Krieg ist unseres Herrgotts, der hat ihn durch seinen göttlich freien Willen erweckt und wird nicht damit aufhören, bis er alle Feinde seines Wortes zuschanden gemacht“ ; energiegeladen trieb er die Welt an.

Erasmus von Rotterdam dagegen muss auf seine Vision einer Gesellschaft ohne Nationen und ohne Krieg zwischen den Völkern noch warten; nicht diesseits, jenseits der Moderne.

Ganz zu schweigen übrigens von Luthers Schriften über die Juden. Darüber wird in der bürgerlichen Gesellschaft ordentlich geschwiegen, aber die kennt insgeheim fast jeder; das Schweigen darüber sichert das Fundament der Moderne und befördert geradezu die antisemitischen Hetzen dumpfer Zeitgenossen.

Die Lutheraner wünschen sich die Ökumene. Ein postmoderner Wunsch, der einerseits das Dogma der alleinseligmachenden Kirche aufheben und die katholische Kirche den Eigeninteressen der Mächtigen unterordnen soll..

Im Sinne des Deus sive Natura des Spinoza wäre dies das Ende der Emanzipationsbewegungen in den westlichen bürgerlich verfassten Gesellschaften. Der Sieg einer irrationalen Vernunft, die alles, trotz der vorhersehbaren zunehmenden klimatischen Veränderungen, einer bedenklichen und unkalkulierbaren Zukunft ganz im Sinne Luthers vom unfreien Willen des Christenmenschen und von seinem Gehorsam gegenüber der Obrigkeit, dieser übereignet.

Der Egoismus des Menschen könnte eine furchtbare Wiedergeburt erleben: Jeder tue was er kann, um dem Elend irgendwie noch zu entkommen. Gesellschaft wird wieder zum Fremdwort und die kriegerischen weltweiten Auseinandersetzungen um die Reste bestellbaren Bodens unter noch gemäßigten klimatischen Bedingungen werden alltäglich.

Der entscheidende Schritt, der heute allein mit dem Stimmzettel geleistet werden könnte, ist eine Änderung im Sachenrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches. Die Befreiung des irdischen Bodens aus dem Sachenrecht würde die Hoffnung auf blühende Landschaften in großen Teilen zunächst der Bundesrepublik Deutschland ermöglichen; allerdings nur wenn die Voraussetzungen für eine entsprechende Gesetzesänderung zügig in Gang kämen.

Es kann eingewandt werden, dass es keine politische Partei gibt, die als einziges Ziel die Tilgung von Grund und Boden aus dem Sachenrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches in ihrem Programm hat. Hier bedarf es zunächst eines Hinweises zu politischen Parteien insgesamt: Die politische Partei ist die Form, in der sich das revolutionäre Bürgertum erfolgreich gegen die beiden herrschenden Stände, den Klerus und den Adel, organisiert hat. Es darf bezweifelt werden, dass diese Form in der aktuellen politischen Situation in der Bundesrepublik Deutschland geeignet wäre, die Grundlagen für diese notwendige geschichtliche Tat zu schaffen. Das ist grob zusammengefasst auch der Kerngedanke des Buches „Ende der Revolutionen“. Der Autor ist sich bewusst, dass die Mehrheit der Menschen diesem, im Grunde einfachen Schritt, in absehbarer Zeit nicht nachkommen werden.

Die Hoffnungen vieler Menschen sind geprägt vom Glauben, einmal selbst ein vermögender Bürger werden zu können, dem dann auch das bürgerliche Recht zu Diensten ist.

Mit zwei empirischen Befunden beginnt Ernst Bloch zwei Aufsätze in der Pädagogica:

Nicht einer lebt, den man nicht schlecht oder recht umstellen könnte. Da sind an ihm die vielen selbstischen Triebe und die unverhüllte Art, sie zu zeigen. Sie muss verhüllt werden, das Kind lernt Benehmen.“

Dass jeder sich selbst der Nächste, dies sehen alle. Dazu braucht nicht erst erzogen zu werden, das bürgerliche Leben duftet überall danach. Seine Wirtschaft ist von Anfang an auf das Selber essen macht fett gegründet und auf den Krieg aller gegen alle.“ (Pädagogica, edition suhrkamp).

Mit diesen Befunden wird die Zeit fortschreiten, die Hoffnungen vieler Menschen enttäuscht und der Anstieg des Anteils an Kohlendioxid in der Atmosphäre ungebremst weiter ansteigen.

Das Buch „Ende der Revolutionen“ ist für die Nachkommen geschrieben. Es wird noch dauern bis die klimatischen Verhältnisse sich spürbar und für jeden wahrnehmbar ändern. Das Buch soll deshalb aktuell zum Handeln inspirieren. Da aber jeder Gedanke auf der Sprache fußt, die der Einzelne im Lauf seines Lebens erworben hat, muss der Sprache, mit der sich der Einzelne mit anderen Menschen verständigt, größte Aufmerksam gewidmet werden. Gerade in postmodernen Zeiten, in der das Mittel der wissenschaftlich gestützten Sprachmanipulation als mächtiges Herrschaftsinstrument in allen Bereichen verstärkt eingesetzt wird und im Besonderen das Geschäft der gezielten Entfremdung der Menschen besorgt, muss diese barrierefrei umgestaltet werden; eine außerordentlich schwierige Aufgabe. Wiederholt wurden einzelne Textauszüge von „Ende der Revolutionen“ als zu akademisch geschrieben kritisiert. Hier sucht der Autor Mentoren, die ihm helfen, seine Texte derart umzuschreiben, damit sie einerseits dem wissenschaftlichen Anspruch, intersubjektiv jedem Einwand bezüglich seiner Darstellungen empirisch belegbar begegnen zu können, andererseits dabei verständlich gerade der Sprache des Kritikers zu gehorchen; ein schwieriger Akt im Bestreben das schwierigen Gebiet der Kritik der Politik voranzubringen.



Am Ende steht hoffentlich die Vernunft. Weshalb sie dermaßen viel Leid und Menschenopfer benötigt, um gehört zu werden, hat der Autor nie verstanden und Psychologen, Philosophen, Politiker und alle übrigen einfachen Menschen schweigen, wenn das Gespräch darauf kommt. Nur einige, die potentiellen Mörder unter uns, die sich selbst Faschisten nennen und die überzeugt sind, dass der Zweck alle Mittel heiligt und nicht einmal erkennen, dass es nicht ihr eigener Zweck sondern ein unheiliger Zweck ihrer Herren ist, für die sie alles tun, wenn sie ihnen das befehlen; sie werden es der Vernunft schwer machen.

Unvernunft kann mit Vernunft nicht ausgemerzt werden. Deshalb erntet der Autor in dieser Frage oft heftigen Widerspruch. Nicht ein Ende der Revolutionen, erst eine wirkliche Revolution könnte der Vernunft zum Sieg verhelfen. Diesem Ansinnen widerspricht der Autor, nachdrücklich.

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