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Wege in die Freiheit

Der Mensch als Subjekt der Veränderung.

Die kürzeste Entfernung zwischen zwei Punkten ist nicht immer eine Gerade. Besonders dann nicht, wenn man auf dem Weg oft nach rechts und nach links schaut. Die Versuchung ist groß; jetzt doch besser die Augen schließen, so dass es letztlich bei einer Geraden bleibt.

Das Recht auf Privateigentum an Boden des Planeten Erde ist gerade einmal gut 215 Jahre alt. Natürlich haben Menschen schon früher das Land besessen, was aber nicht auf ein persönliches Eigentum am Boden, den sie besetzt haben, hindeutete. Dieses „in Besitz“ nehmen kann besser mit dem Bild eines Stuhls verglichen werden, den man auf den Boden stellt: Zu Privilegien gekommene Familienoberhäupter setzten nach Abzug der römischen Okkupanten einen Stuhl auf den Boden, auf dem es sich künftig gut sitzen ließ und von dem aus mit der eigenen Familie geherrscht werden konnte; mit Krone und Zepter. Auf dem Stuhl eines Familienoberhaupts durfte kein anderer sitzen. Oft schauten sie hinüber zu den anderen Stühlen, die ebenfalls fest auf dem Boden standen und auf dem andere Familienoberhäupter saßen. Ob Neid oder Missgunst sie dazu getrieben hat, ob die Familie einfach nur zu groß wurde und die eigene Kornkammer von den Bauern auf ihrem Boden nicht mehr gut genug gefüllt werden konnte, es kann heute nicht mehr genau festgestellt werden, weshalb einige von ihnen begannen, fremde Stühle zu erobern. Dafür brauchten sie Lebensmittel und Geld, das sie oft nicht hatten und sich deshalb verschulden mussten. Sie blieben bei all diesen Unternehmungen unter sich und riefen andere zu Hilfe, in dessen Adern zwar das gleiche Blut floss, das ihnen aber mehr blau als rot erschien. Die zu Hilfe Eilenden besaßen meist selber noch keinen eigenen Stuhl und nur, um auch einen Stuhl zu besitzen, vereinigten sie sich hinter einem Familienwappen. Mit Ihresgleichen wurde nach erfolgreichem Raubzug die Beute geteilt. Als Vasallen durften diese jetzt mit ihren Hinterteilen auf eigenen Stühlen oder wenigstens auf kleineren Schemeln sitzen, die auf dem okkupierten Land aufgestellt werden konnten und er, das Oberhaupt der Familie, saß weiter auf seinem Stuhl. Sein Reich vergrößerte sich und die Vasallen mehrten sich und nickten: Wir wissen was es heißt, dir zu folgen.
Auf dem Boden, auf den sie ihre Stühle aufstellten, arbeiteten fremde Bauern und Handwerker. Und solange die Handwerker das Holz, das sie für ihre Gewerke benötigten, noch gottesfürchtig aus dem Wald holten und nicht auf die Idee kamen, statt an den Bäumen, an den fremden Stühlen zu sägen, betraten die Herren auch selten das Land. Um ihren Willen allen Bauern und Handwerkern kundzutun, bestellten sie Herolde. Die Willenserklärungen waren natürlich einseitig verfasst, aber die Gottesfurcht setzte den Willenserklärungen klare Grenzen. Darüber wachte ein Heiliger Stuhl in ganz Europa.

Diese Geschichte mit den Stühlen wurde seit dem Jahr um 325 n.Chr. in die Geschichtsbücher in Europa geschrieben und erst im Jahr 1799 endete sie endgültig. Bis in das Jahr 1302 war in dieser Geschichte alles wohlgeordnet: Alle lernen noch heute den ersten Höhepunkt dieser Epoche mit der Kaiserkrönung Karl des Großen im Jahr 800. Es ging in dieser Zeit schon recht kriegerisch zu, aber ein einziger Stuhl wurde anerkannt und stand zweifellos erhabend und einzigartig auf der Erde: Dieser Heilige Stuhl des Pontifex Maximus, eines Brückenbauers zwischen Himmel und Erde. Auch die Geschichte mit dem Gang nach Canossa fällt in diese Epoche. Nach dem Jahr 1302 begann die Epoche des Übergangs, die durch den aufkommenden Protestantismus geprägt wurde. Der Heilige Stuhl in Rom wurde zunehmend entheiligt und endgültig wurde dieser Stuhl im Jahr 1789 ins Abseits gestellt. Der barmherziger Gott der Katholiken verlor im Kampf mit einem Gnadengott, der angestiftet von Paulus aus Tarsus von Luther ins Feld geführt wurde und heute alles unternimmt, damit dieser barmherzige Gott nicht wieder die Herzen der Abhängigen erreicht. Der barmherzige Gott, der zu Lebzeiten selbst die Hurerei der Menschen verzieh, weil er doch selber unter ihnen gelebt hat und da ja auch die Sache mit Maria Magdalena war, als er selber glaubte, Fleisch geworden zu sein.

Auffällig in dieser Epoche des Übergangs war, dass die ersten Familienoberhäupter dazu übergingen, für ihre Streitigkeiten untereinander und für ihre Raubzüge Söldner anzuheuern, die von geschäftstüchtigen Söhnen adeliger Familien ihnen angetragen und auch von wohlhabenden Bürgern unterhalten und ausgebildet wurden. Die Tugenden änderten sich dadurch und die kommende Revolution kündigte sich mit dieser Geschäftsidee an. Eine ganze Fehdenwirtschaft wurde im 15. Jahrhundert daraus und nach und nach zerfiel die alte Ordnung.
Die Reise nach Jerusalem bekam in den ersten 300 Jahren dieser Epoche völlig neue Regeln. Für die Regularien der neuen Reise nach Jerusalem haben sie neue Wörter erfinden und definieren müssen. Hervorragend ist ihr neuer Begriff "Eigentum", den es davor nicht gab. Damals galt auch noch, „du sollst kein falsches Zeugnis geben“ und da waren solche Regularien kaum möglich; man glaubte doch wahrhaftig: Gott war der Schöpfer des Himmels und der Erde, wer denn sonst? Und seine Erde wurde von ihm, dem Pontifex Maximus, dem Heiligen Stuhl, verwaltet. Es gab kein Recht auf Eigentum an Boden, es gab nur das Recht, diesen Boden als Lehen zu verwalten und zu vergeben.
Gemeinsam auf den Allmenden nutzten die Bauern und Handwerker den Boden der Erde, errichteten ihre Häuser darauf und wirtschafteten auf eigenen Äckern, an denen sie gebunden waren und in eigenen Häusern, die mit der Bewirtschaftung ihr Eigen, nicht aber ihr Eigentum darstellten. Sie wussten, dass das Land, auf dem sie lebten, nur von einem Schöpfergott geliehen war und behandelten es deshalb auch gottesfürchtig und gottgefällig. Diejenigen aber, die nicht als Bauer und Handwerker lebten, die sich zunehmend als Handelstreibende und mit verschiedenen Geschäftsideen den Fürsten empfahlen, predigten anders und protestierten zunehmend gegen eine Ordnung, die manch ihren Geschäftsideen im Wege stand.

Der Durchbruch gelang zu Beginn des 16. Jahrhundert und eine Revolution brach aus. Als Reformation wird diese gewaltige Revolution verharmlost und nichts wurde reformiert: Eine neue Weltordnung wurde vorbereitet.

Damit über den Erwerb und die Besetzung von Stühlen künftig Sicherheit herrschen soll, wurde der Boden dem Schöpfergott mit irdischem Fürstenrecht entzogen und der gesamte Boden der Erde nur noch als Sache behandelt. Das Naturrecht wurde durch einen Rechtspositivismus ersetzt: Ich sage, also ist es.
Ein einheitliches Gesetzeswerk wurde geschaffen, das alle anerkennen mussten. Entweder wenn sie an diesem neuen Spiel der Reise nach Jerusalem teilnehmen wollen, oder, falls sie dafür das Geld nicht hatten, wenn sie auf dem Planeten Erde leben wollten: Rechtsfreie Räume, das sollte in Zukunft gelten, sollten weltweit abgeschafft werden.
Statt Besitz galt jetzt Eigentum, und da trennte man definitorisch. Dieses Wort sollte mehr bedeuten als nur Besitz, mit dem sich die Kronen und Thronen noch abfinden mussten. Dieses Wort bedeutete beliebige Verfügung über den Boden, auf den sie die Massenware Stuhl künftig stellen können. Viele Menschen haben nicht das Geld, um die Massenware Stuhl zu bezahlen; sie müssen sich damit begnügen, unter den Stühlen Platz zu nehmen, weil sie nur so wenigstens von oben einigermaßen geschützt sind.

Als tausendjähriges Reich stellten sich die inzwischen auf komfortablen Stühlen sitzenden Bürger vor rund 80 Jahren noch ihre bürgerliche Gesellschaft vor und sie scheuen sich nicht, für den Bestand ihres bürgerlichen Staates alle Mittel einzusetzen, die zuletzt nur noch als barbarisch bezeichnet werden konnten. Die Barbarei aber endete nicht.
Das zentrale Element ihrer modernen bürgerlichen Staates, das Recht auf Privateigentum an Boden, behaupteten sie selbst über die Zeit zweier schrecklicher Weltkriege. Lediglich politisch konnten die Verwalter der bürgerlichen Staaten bisher gezwungen werden, gegenüber den abhängigen Lohnarbeitern und unterdrückten Individuen politische Zugeständnisse zu machen.

Mit Auschwitz aber wissen wir, dass der Glaube, dass mit einem bürgerlichen Staat die Bewahrung elementarer Naturrechte gelingen kann, ein Irrglaube ist. Das gilt auch für die angebliche Alternative eines sozialistischen Staates, von dem nicht nur Karl Marx sprach, doch dieser sofort hinterherrief, dass dieser aber tunlichst wieder abzusterben habe, wenn alles und vor allem die Knappheit an Gütern weltweit überwunden ist.
Ob der Boden einem privaten Herrn gehört oder einem staatlichen Herrn, ob er vom staatlichen Herrn gar zur Nutzung für die Menschen vergemeinschaftet wird, spielt kaum eine Rolle und vielerorts hat sich lediglich gezeigt, dass der private Eigentümer sich oft humaner als der staatliche Eigentümer entwickelte.
Auf der stofflichen Seite des Eigentums an Boden ist der Zwang zur Arbeit bei beiden Herren auch nahezu derselbe; er tritt allerdings beim staatlichen Herrn in totalitärer Form auf und kann hier als durchgängig repressiv bezeichnet werden. Allerdings gibt es auch hier wesentliche Unterschiede, die in Europa aber bisher nicht beachtet wurden und die uns nach Cuba und Lateinamerika führen, was aber hier erst später ausgeführt werden soll.

Auch einem weiteren Irrglauben, der zunehmend medial verbreitet wird, muss hier entgegengetreten werden: Der Irrglaube, dass sich der bürgerliche Staat in einen zivilen Staat ohne die Abschaffung des Rechts auf Eigentum an Boden transformieren ließe.
Die elementare Voraussetzung zur Entfaltung einer zivilen Gesellschaft ist die Überwindung des egoistischen Rechts auf Eigentum an Boden. Erst mit der Befreiung des Bodens aus dem Sachenrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches könnten sich neue Verkehrsformen zwischen den Menschen entwickeln, die den Charakter einer zivilen Gesellschaft haben. Verkettet wären diese Verkehrsformen mit einer Rechtsstaatlichkeit, die grundsätzlich die strikte Trennung zwischen der legislativen und judikativen Gewalt garantiert: Solange diese in der Verfügung privater oder öffentlicher Herren, bzw. privater oder öffentlicher Seilschaften verbleibt, genießt die Judikative ein Fürstenrecht und der stoffliche Charakter der Judikative kann sich barbarisch ausdrücken und nimmt den Tod von Menschen stets billigend in Kauf oder besorgt ihn.

Mit diesen geschichtlichen Erfahrungen ist es schwer nachzuvollziehen, weshalb heute in einer Zeit, in der zunehmend für die Mehrheit der Menschen immer weniger zum Besten bestellt ist, nicht eine Mehrheit von Menschen das einzige Recht nutzt, das bisher in langen Kämpfen den Verwaltern der bürgerlichen Gesellschaft als Zugeständnis für ihre Herrschaft abgerungen werden konnte: Das allgemeines Wahlrecht! Nicht zum Besten, vielmehr zum Schlechten nutzen sie heute dieses Wahlrecht. Die Menschen bestätigen mit der Wahl politischer Parteien die Verwalter des bürgerlichen Staates, die auf der Grundlage des bürgerlichen Rechts den Planeten Erde zugunsten ihrer mächtigen Oligarchen gemeinsam mit den Untertanen plündern.
Mit diesen extensiven Plünderungen begann das Zeitalter der Moderne auch in Frankreich; datiert mit dem 10. Oktober 1789, faktisch aber mit dem 2. November, also 13 Tage später. Ausgerechnet ein Bischof hatte die Idee, das Nationalgut Frankreichs zur Tilgung der Schulden des französischen Staates einzuziehen; der hinkende Teufel Charles-Maurice de Talleyrand. Für diesen historisch so bedeutsamen Vorschlag wurde er belohnt; zunächst nur mit dem Amt eines Ministers, später mit mehreren Adelstiteln. Sein Name steht wie kein anderer noch heute für politische Opportunität. Die katholische Kirche Frankreichs musste dem lutherischen Ideal lebenslanger Arbeit und gottgefälligen irdischen Reichtum auch im katholischen Frankreich Platz machen. Nicht nur den Bodenbesitz der Kirche eigneten sie sich anschließend wertschöpfend an, sondern auch die Immobilien der Kirche. Beispielsweise zog in die Notre-Dame de l`Assomption de Châtre eine Keramik-Manufaktur ein.

Kein Geringerer als Jean-Jacques Rousseau hat Jahrzehnte zuvor den Revolutionären von Paris diesen Weg gewiesen: Im Gesellschaftsvertrag, Buch 4, Kapitel 8 schreibt er: „Wer zu sagen wagt, »außerhalb der Kirche gibt es kein Heil«, muss aus dem Staat verjagt werden“. Zuerst konnten die Protestanten die Katholiken in England verjagen. In Frankreich mussten die Protestanten noch über 100 Jahre bis in den Winter 1789 warten, bis auch die Bürger dieses Landes die Grundlagen für die Entfaltung der Industriellen Revolution schaffen konnten. Über Rousseau wird ausführlich im Buch „Das Ende der Revolutionen“ Bericht erstattet. Über das Heil, über das Rousseau hier spricht, muss noch berichtet werden. Es bildet den Kern des Streits zwischen Katholiken und Protestanten.
Die Frage, mit welcher Heilsbotschaft sich der moderne Mensch sich die Natur der Erde aneignet.

Der Streit darüber begann früh. Die ersten Akteure waren der damals 19-jährige Karl V. und Martin Luther. Klar, dass dieser kaum deutsch sprechende jugendliche Niederländer Karl gar nicht verstehen konnte, was sich längst in den Landen zusammengebraut hat. Nach ihrem Zusammentreffen in Worms begann das letzte dunkle Kapitel des ausgehenden Mittelalters. Zweifellos wirkten auch in diesem Streit viele Katholiken, wie ihre reformierten Glaubensgenossen, als skrupellose Mörder. Beide Seiten kämpften verbissen um die Macht ihrer Fürsten. Kein Katholik wird behaupten können, weniger Skrupel in der Hinrichtung andersgläubiger Menschen oder Nihilisten wie seine Gegner gehabt zu haben. Der Albigenserkreuzzug am Ausgang des Hochmittelalters legte bereits davon Zeugnis ab: Er wird als ein schreckliches Morden der Katholiken an den Katharern nie aus dem geschichtlichen Gedächtnis gelöscht werden. Damals bestand das einzige Verbrechen der Katharer darin, dass sie nach dem Evangelium, vor allem dem Evangelium nach Matthäus, ihr Leben außerhalb der christlichen Amtskirche gestalten wollten.

In einem zentralen Punkt ihrer Heilslehren unterschieden sich die beiden Lager grundsätzlich: Im „alleinseligmachenden“ Glauben. Dieser gehört zweifellos allein den Katholiken und in diesem Glauben gehört die Erde nur Gott. Sie ist seine Schöpfung, sein Werk. Der Mensch kann sich nur als Verwalter Gottes auf Erden empfehlen. Nicht ein Krümel natürlichen Bodens, auch nicht ein Geschöpf der Natur, und sei es auch nur ein Wurm, gehört dem Menschen. Die Hetzschriften Martin Luther über Thomas Müntzer oder Erasmus von Rotterdam sind Zeugnis von der Niedertracht dieses Protestanten, der Jahrhunderte später sogar den Faschisten Vorbild sein konnte. Als in Memmingen im Jahr 1525 die Bauern die zum ersten Mal zentrale Menschenrechte in 12 Artikeln formulierten, stand er einem Nazigesang in keinem seiner Worte nach: „Ich, Martin Luther, habe im Aufruhr alle Bauern erschlagen, denn ich habe sie heißen totschlagen: All ihr Blut ist auf meinem Hals.“

Auch seine Auseinandersetzung mit seinem Ordensbruder Erasmus von Rotterdam zeugt nicht nur davon, wie der Streit um die Wahrung des Katholizismus die beiden Männer entzweit hat: Auf der einen Seite der große Humanist und Katholik Erasmus, auf der anderen Seite sein erbitterter Gegner Luther. Mit den Worten, „so wunderliche Zeiten sind jetzt, dass sich ein Fürst den Himmel mit Blutvergießen verdienen kann, besser als andere mit Beten“, die er an seine Fürsten richtete, um ihnen seinen Segen zu geben auf dem Weg, die Bauern ordentlich totzuschlagen, wendete er danach die Feder gegen Erasmus „ich will gegen ihn schreiben, sollt er gleich darüber sterben und verderben; den Satan will ich mit der Feder töten – wie ich Münzer getötet habe, dessen Blut auf meinem Halse liegt.“. Dann kommt er auch gegenüber seinem Ordensbruder am Ende zur Sache: „wer den Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, und diese stinkt noch tot mehr als lebendig“.

Luther hat sich zweifellos als Vorkämpfer der Moderne in der Geschichte bewiesen: „Das Wort Gottes ist Krieg, ist Gift, ist Untergang“; „Dieser Krieg ist unseres Herrgotts, der hat ihn durch seinen göttlich freien Willen erweckt und wird nicht damit aufhören, bis er alle Feinde seines Wortes zuschanden gemacht“.>br> Chancenlos waren die ersten Opfer seines Bundes mit den Fürsten; die Bauern, und chancenlos auch die vorläufig Letzten, die in Auschwitz starben und die das Scheitern der Moderne grausam dokumentieren aber nicht beenden konnten.

Erasmus von Rotterdam muss auf seine Vision einer Gesellschaft ohne Nationen und ohne Kriege zwischen den Völkern noch warten; nicht diesseits, jenseits der Moderne und sie wird verwirklicht werden.
Erwähnenswert sind neben den zitierten Botschaften Luthers, seine Schriften über die Juden. Darüber wird in der bürgerlichen Gesellschaft heute meist geschwiegen, aber die kennt insgeheim fast jeder. Das Schweigen darüber soll heute auch das Fundament der Postmoderne sichern und befördert damit geradezu die antisemitischen Hetzen dumpfer Zeitgenossen. Auch die Mär vom Blitz und Donner, der Luther zu den Augustinern ins Kloster gebracht habe, zeugt von der Pest des Protestantismus, von den Lügen, die Voraussetzung sind, dass der Bazillus weitergegeben werden kann und früh selbst die Kinder anstecken soll. Die Geschichte mit der Barbara und vom Blitz und Donner verlief anders.
Die Lutheraner wünschen sich die Ökumene. Ein postmoderner Wunsch, der einerseits das Dogma der „alleinseligmachenden“ Kirche aufheben und die katholische Kirche den Eigeninteressen der Mächtigen unterordnen soll. Im Sinne des "Deus sive natura" des Spinoza wäre dies das Ende der Emanzipationsbewegungen in den westlichen bürgerlich verfassten Gesellschaften. Der Sieg einer irrationalen Vernunft, die alles, trotz der vorhersehbaren zunehmenden klimatischen Veränderungen, einer bedenklichen und unkalkulierbaren Zukunft ganz im Sinne Luthers vom unfreien Willen des Christenmenschen, von seinem Gehorsam gegenüber der Obrigkeit und der Idee eines Gnadengottes übereignet.

Der entscheidende Schritt, der heute allein mit dem Wahlzettel geleistet werden könnte, ist eine Änderung im Sachenrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches. Die Befreiung des irdischen Bodens aus dem Sachenrecht würde die Hoffnung auf blühende Landschaften in großen Teilen zunächst der Bundesrepublik Deutschland ermöglichen. Es kann eingewandt werden, dass es keine politische Partei gibt, die als einziges Ziel die Tilgung von Grund und Boden aus dem Sachenrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches in ihrem Programm hat. Hier bedarf es zunächst eines Hinweises zu politischen Parteien insgesamt: Die politische Partei ist die Form, in der sich das revolutionäre Bürgertum erfolgreich gegen die beiden herrschenden Stände, den Klerus und den Adel, organisiert hat. Es darf bezweifelt werden, dass diese Form geeignet ist, die Grundlagen für diese notwendige geschichtliche Tat der Emanzipation des Menschen zu schaffen. Das ist grob zusammengefasst auch der Kerngedanke des Buches „Ende der Revolutionen“. Der Autor ist sich bewusst, dass die Mehrheit der Menschen diesem, im Grunde einfachen Schritt, in absehbarer Zeit nicht nachkommen werden und im übrigen verbietet es die Verfassung und erlaubt den Verwaltern des bürgerlichen Staates, die Protagonisten, die das Eigentumsrecht an Boden abschaffen wollten, mit Hilfe des Verfassungsschutzes und der Polizei zu verfolgen.

Noch sind die Hoffnungen vieler Menschen davon geprägt, den künftigen prekären Lebensbedingungen zu entkommen und einmal selbst wenigstens ein Kleinbürger werden zu können, dem dann auch das bürgerliche Recht für egoistischen kleinkarierten Zwecken zu Diensten ist. Erst mit Vollendung des derzeitig stattfindenden Niedergang des Mittelstandes wird die Zeit reifen, dass dieser protestantische Glauben an Wirkungskraft verliert.

Mit einem empirischen Befund beginnt Ernst Bloch einen Aufsatz in der Pädagogica: „Dass jeder sich selbst der Nächste, dies sehen alle. Dazu braucht nicht erst erzogen zu werden, das bürgerliche Leben duftet überall danach. Seine Wirtschaft ist von Anfang an auf das Selber essen macht fett gegründet und auf den Krieg aller gegen alle.“ Mit diesem Befund wird noch eine zeitlang die Geschichte fortschreiten, die Hoffnungen vieler Menschen aber werden naturgemäß enttäuscht und der Anstieg des Anteils an Kohlendioxid in der Atmosphäre ungebremst weiter ansteigen. Das Buch „Ende der Revolutionen“ ist für die Nachkommen geschrieben. Es wird noch dauern bis die klimatischen Verhältnisse sich spürbar und für jeden wahrnehmbar ändern. Das Buch soll deshalb aktuell zum persönlichen Handeln inspirieren. Da aber jeder Gedanke auf der Sprache fußt, die der Einzelne im Lauf seines Lebens erworben hat, muss der Sprache, mit der sich der Einzelne mit anderen Menschen verständigt, größte Aufmerksam gewidmet werden. Gerade in postmodernen Zeiten, in der das Mittel der wissenschaftlich gestützten Sprachmanipulation als mächtiges Herrschaftsinstrument in allen Bereichen verstärkt eingesetzt wird und im Besonderen das Geschäft der gezielten Entfremdung der Menschen besorgt, muss diese barrierefrei umgestaltet werden; eine außerordentlich schwierige Aufgabe. Wiederholt wurden einzelne Textauszüge von „Ende der Revolutionen“ als zu akademisch geschrieben kritisiert. Hier sucht der Autor Mentoren, die ihm helfen, seine Texte umzuschreiben, damit sie einerseits einem wissenschaftlichen Anspruch genügen, andererseits dabei verständlich bleiben; ein schwieriger Akt im Bestreben, das schwierigen Gebiet der Kritik der Politik voranzubringen.

Am Ende steht hoffentlich die Vernunft. Weshalb sie dermaßen viel Leid und Menschenopfer benötigt, um wenigstens gehört zu werden, ist ein Phänomen, das heute den staatlich kontrollierten Medien anzulasten ist.
Nur einige, die potentiellen Mörder unter uns, die sich selbst Faschisten nennen und die überzeugt sind, dass der Zweck alle Mittel heiligt und nicht einmal erkennen, dass es nicht ihr eigener Zweck, sondern ein unheiliger Zweck ihrer Herren ist, für die sie alles tun, wenn ihre Obrigkeit das verlangt. In fester Gefolgschaft von Paulus, Knecht Jesus Christus, werden sie es der Vernunft schwer machen.
Unvernunft kann mit Vernunft nicht ausgemerzt werden. Deshalb erntet der Autor in dieser Frage oft heftigen Widerspruch. Nicht ein Ende der Revolutionen, erst eine wirkliche Revolution könnte der Menschlichkeit und der Vernunft zum Sieg verhelfen.
Diesem Ansinnen widerspricht der Autor, nachdrücklich. Keine Revolution hat bisher den Menschen Freiheit gebracht; im Gegenteil. Die letzte große Französische Revolution entfesselte endgültig eine Wirtschaftsweise, die in England bereits begonnen hatte und schon lange gärte, sich aber noch nicht völlig entfalten konnte. Sie hat den Menschen in einigen Teilen der Erde einen Wohlstand gebracht, von dem frühere Könige und Kaiser nicht einmal träumen konnten. Aber auch die Kehrseite dieses Wohlstandes entwickelte sich, die massenhafte Armut in den übrigen Teilen der Erde.

Grund dafür war das Rechts auf Ausbeutung der Erde für die Vermögenden. Die Frage, mit welchem Recht wir heute die fossilen Brennstoffe der Erde verbrennen und die Seltenen Erden ausbeuten, ganze Landschaften abholzen, die Wasser verschmutzen, die Luft verunreinigen und das Plastik auf alle Boden und Meeren verteilen, damit ein Teil der Menschen auf dieser Erde diesen unmoralischen Wohlstand genießt, ist inzwischen klar beantwortet: Mit dem Bürgerlichen Recht, der neuen Bibel der westlichen Wertegemeinschaft, die ihnen sogar das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden gibt. Das ist die herrschende Barbarei.

Was tun?