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Dienstag, 03 März, 2020

Jewgeni Bronislawowitsch Paschukanis;

musste sterben, wurde erschossen wie ein Hund von den Sowjets. Er fiel den Mächtigen auf weil er sagte, dass im Kommunismus der Staat absterben werde. Jewgeni war Lehrer. Kein richtiger Lehrer wie wir einen Lehrer heute erwarten würden. Er lehrte mit rechtswissenschaftlich verständlichen Texten, die einen anderen Zugang zur Rechtswissenschaft anbieten und dem Leser zeigen, dass hinter jedem Recht menschliche Interessen stehen und die Menschen, mit denen die Interessen im Einklang stehen, nicht wir sind. Er hatte in München studiert. Lange Zeit arbeitete er für die Sowjets. Diesen eilte er wie auch den übrigen Rechtswissenschaftlern mit seinen Überlegungen zum Recht weit voraus. Er war kein Jurist obwohl er die akademischen juristischen Prüfungen ablegte; er verkörperte den freien Willen des Menschen was schon immer ein Problem nicht nur in einem Studium ist sonder dann zum Tragen kommt, wenn man mit Mächtigen zusammenarbeiten muss.

Er hatte bei Karl Marx gelesen und erkannte auch, wie Karl Marx das schon geschrieben hat, dass die Waren sich nicht allein zum Markt tragen können, auf dem sich die Menschen treffen. Dort müssen sie sich treffen seitdem sie lernen mussten, dass überall jetzt arbeitsteilig gearbeitet wird. Das wollten die Menschen nicht, das wollten ihre Herren. Dazu wurden sie in den Fabriken und Kolchosen abgerichtet: Das Ideal eines Menschen ist für die Fabrikherren wie für die früheren Sowjets der arbeitsteilige Krüppel. Mit dem durch die strikte Arbeitsteilung notwendig gewordenen Markt und dem Austauch von Geld gegen Waren auf dem Markt gehen die Menschen als Konsumenten einerseits und Produzenten andererseits jetzt ständig gesellschaftliche Verhältnisse miteinander ein, die für Paschukanis die Grundlage eines künftigen Rechts darstellten sollten.

Jewgenis Lehren galten natürlich als Häresie in der Sowjetunion und als es auch dort mit Stalin zum Schwur kam, dass die Ideologie bewahrt werden müsse, war er im Weg; er hatte einen freien Willen.

Wie das bestehende Recht einer Idee folgt so natürlich erst recht eine Ideologie, die in der leninschen Form so gar nichts mehr mit der marxschen Idee zu tun hatte. Das sehen noch heute viele Menschen anders und verhindern als Sozialisten mit eiserner Hand, dass die Verhältnisse sich ändern. Franz Jägerstetter und Jewgeni Bronislawowitsch Paschukanis hätten sich gut verstanden; beide waren einfache Menschen, sehr intelligent und zeigten, ohne dass sie das wissen konnten, in eine herrenlose Zukunft. Deshalb mussten sie sterben; das ertragen Herren nicht.

Franz übernahm hier den Part der Idee, Jewgeni den Part der Praxis. Von beiden müssen wir lernen wenn wir am Humanismus festhalten wollen: Dass wir eher bereit sind, auch ihrem Weg zu folgen, den sie gehen mussten.

Jewgeni revidierte seine eigene Lehre wie Galileo Galilei 300 Jahre zuvor das tat. Er widerrief, dass es kein proletarisches oder sozialistisches Recht geben könne und dass beide genau so verkommen wären wie das bürgerliche Recht verkommen ist: Der sowjetische Kommunismus, den er erlebte, war den Scheiterhaufen nicht wert. Es half ihm aber nichts mehr. Eine Ideologie steht immer über dem Recht wie uns das der Faschismus überall gezeigt hat. Paschukanis wurde erschossen: Am 4. September 1937 fällte ein Militärkollegium beim Obersten Gerichtshof der UdSSR in einem Schnellverfahren das Urteil: Tod durch Erschießen. Das Urteil wurde sofort vollstreckt.

Auch Paschukanis Übersetzer wurde erschossen. Der konnte das Verfahren noch nicht einmal verstehen, er übersetzte doch nur. Er musste sterben, wie viele Menschen sterben müssen, die einfältig sind und glauben, dass sie einer guten Sache dienen. Wie die Mitläufer des Paulus so erfuhren das die Mitläufer Wladimir Iljitsch Uljanow, den sie Lenin nannten. Es sind nie Ideen, die das Leben der Menschen langfristig verbessern, es sind Lehren, die keinesfalls auf das eigene Ich zeigen dürfen. Dann aber müssen wir wieder über diesen Matthäus und Lukas reden wenn wir künftig besser leben wollen.

Posted by Michael Schwegler at 8:10
Edited on: Sonntag, 08 März, 2020 23:08
Categories: Der einfache Mensch