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Samstag, 11 Januar, 2020

....die Früchte aber allen.

So hat Rousseau das geschrieben. Er meinte natürlich die Früchte, die wir kennen. Die Früchte der Pflanzen, die wir oder fremde Menschen in anderen Ländern gepflanzt haben. Dort aber wo wir ernten und keiner zuvor gepflanzt hat, werden wir rücksichtsvoll ernten, so dass die Früchte, die wir ernten, nachwachsen können. Das Gleichgewicht ist das Mindeste was wir sicherstellen müssen. Es kommen noch viele Menschen nach uns; das sind wir den Nachkommenden schuldig.

Die modernen Forschungsmethoden zeigen uns heute, dass dieses Gleichgewicht, das die Natur scheinbar immer selber besorgt hat, nicht mehr gegeben ist. Die Natur konnte auch schon früher das nicht besorgen; das sagen sie aber gerne damit der Mensch an dieser Stelle nicht erwähnt werden muss. Er war aber schon immer Teil dieses Gleichgewichts auch wenn er das nicht wusste. Wie heute wirkten der Mensch, die Tiere und die Pflanzen sowie die Meere und andere natürlichen Phänomene auf dieser Erde für etwas, das einzigartig ist und längst noch nicht insgesamt verstanden wird obwohl Viele jetzt behaupten, dass sie es verstehen. Die Temperamente bewirkten, dass sie unterschiedlich am Gleichgewicht mitwirkten. Es interessiert hier aber zuerst der Mensch. Er, ob einzeln oder in Massen, lebte vor gut 200 Jahren noch rücksichtsvoll mit der Natur. Das musste er auch; für die Einen war sie gottgefällige Natur, für die Anderen war die Erde oft einfach nur Mutter. Auch wenn einzelne Menschen sich nicht an die Gebote ihrer Vorfahren und Ratgeber hielten und mancherorts schon Raubbau vor der Zeit der Moderne betrieben, den wir heute in der Postmoderne noch einmal kräftig ausgeweitet haben. Diesen Raubbau glichen die aktiven Teile in der Natur vor der industriellen Revolution aus und es könnte romantisierend gesagt werden, dass die Natur diesen Sündern immer verzieh. Es blieb auch lange ein Geheimnis wie sich das immer so wunderbar ausgleichen konnte. Heute scheint es so als haben die Menschen dieses Geheimnis gelüftet. Sie können zum ersten Mal einen empirischen wissenschaftlichen Beleg dafür vorlegen, dass die Natur materiell ist und vor allen anderen Lebewesen der Mensch sie in der Hauptsache belebt. Der Begriff "belebt" wird allerdings mehr dem Pflanzenwachstum zuzuordnen sein, denn das haben die Forschungen auch gezeigt, dass die Pflanzen jetzt schneller wachsen. Ob das alle Pflanzenarten betrifft, dieser Befund steht noch aus. "Schneller wachsen", wie alles heute schneller wachsen soll, nehmen die ganz dynamischen Menschen zum Anlass, Hoffnung zu schöpfen zu einem Zeitpunkt, an dem die Hoffnung sich besonders schwer tut und die Gesellschaften verfallen. Die müssten das erst begreifen, was schwer ist, wenn die Dinge sich derart schnell verändern.

Es scheint, dass aus der Atemluft der Menschen sich der Anteil an Kohlenstoffdioxid extrem erhöht hat, was auf eine Krankheit hinweisen könnte, und dass die Planzen der Natur dieses Extrem nicht mehr ausgleichen können. Jahrtausende lang war das doch anders; das wissen wir heute, das kann wissenschaftlich gezeigt werden und wird nun ständig und immer schwarz auf weiß notiert: Betrug der Anteil dieses Gases in der Atmosphäre bei geringen Schwankungen in all den früheren Zeiten bis ins Jahr um 1800 nach Christus rund 280 ppm , so steigt der Anteil seit dem genannten Jahr expontentiell an und liegt heute bereits deutlich über 400 ppm. Moderne Messungen haben den Anstieg des Kohlendioxids aber nicht auf die Atemluft der Menschen zurückgeführt; diese scheint unabhängig von den Veränderungen diesen zu trotzen; der Mensch atmet wie früher, das will aber keiner wahrhaben. In den Eiskernbohrungen hingegen haben sie es nachgewiesen und diese sind stumme Zeugen von Zeitenänderungen. Diese haben es nicht in die Geschichtsbücher geschafft, was die ganz frühen Zeiten anbelangt. Die Menschen konnten diese nicht erfassen. Damals lebten die Menschen entbehrungsreich und hatten für Forschungen keine Zeit; nicht einmal auf die Idee kamen sie, hier aufzupassen.

Auch der Begriff "ewiges Eis" scheint seine Bedeutung zu verlieren denn überall steigen die Temperaturen; der Schnee draußen schmilzt. Es wäre schrecklich wenn wir den Nachkommen eines Tages den Begriff "Eis" technisch erklären müssen wie vieles Andere, das sie nur noch technisch und mechanisch erfahren und inzwischen auch so nur noch erfahren können, und selbst der Begriff der Erfahrung gerät inzwischen in Zweifel.

Dieser Anstieg des Kohlenstoffdioxids setzte ein, als die Menschen sich von den Fesseln befreiten, von denen Rousseau sprach, als er feststellte, dass der Mensch frei geboren werde und doch überall in Ketten läge. Die Ketten seien auch nicht nötig hatte zuvor schon Martin Luther gelehrt; der Mensch habe keinen freien Willen. Gott allein, sein Wille geschehe, so war seine Botschaft; also lasst den Menschen frei, befreit ihn vom Katholizismus und zerdrückt den Erasmus wie eine Wanze. Das hat Luther gesagt; Erasmus sagt das ganz anders und schließt die Ketten daher nicht aus. So wie die Ketten auch Thomas Hobbes nicht ausschließt, wenn er behauptet, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf sei. Den legt man besser an die Kette; sicher ist sicher. Obwohl das Thomas Hobbes so gar nicht gesagt hat; er benutzte diese lateinische Sentenz homo homini lupus aus der Komödie Asinaria (Eseleien) des römischen Komödiendichters Titus Maccius Plautus und wollte damit das Verhältnis in den von Menschen geschaffenen Staaten zueinander charakterisieren und da hatte er wohl recht.

Nach diesen Lehren dauerte es nicht mehr lange und die großen Revolutionen brachen aus. Die Menschen befreiten sich von allen Vormündern und betätigten sich ab sofort selber als Vormund. Nur noch ein Vormund soll herrschen, das Recht. Natürlich als Vormund für die Anderen und deshalb konnten sich nicht alle Menschen dieses Vormunds bedienen; nur sehr wenige waren in der Lage, sich hier in Szene zu setzen. Dafür musste man damals schon Vermögen haben sonst ging da gar nichts. Mit ihrem Vermögen nutzten sie die romantischen Vorstellungen eines volonté générales, der dem volonté absolue der katholischen Gnadenlehre nicht nur den Kampf ansagte, sondern diesen sogar aus dem Staat warf. Das hatte schon Luther gut geheißen und den Söldnern mehr Seelenheil versprochen als den Friedfertigen und Betenden, falls die Söldner die Sache besorgen. Sie haben sie besorgt für ihre Fürsten damals und am Ende das Bürgerliche Recht an die Stelle Gottes gesetzt.

Mit den bürgerlichen Gesetzestexten begannen sie mit der Ausbeutung der Erde, mit dem massenhaften Verbrennen fossiler Stoffe, die zuvor in Jahrtausenden sich langsam in ewiglich scheinenden Zeiträumen gebildet haben und bis vor Jahren den Reichtum der Stoffe ausmachten, die unseren Planeten im Besonderen auszeichnen. Die unsere einzigartige Atmosphäre und alles Leben geschaffen haben, so dass viele Menschen gar nicht anders können als staunen, den Begriff Ehrfurcht überhaupt erst hier erfahren haben, wenn sie nicht schon dumm geworden waren. Heute können diesen Begriff viele Menschen lediglich nachplappern, wie das kleine Kinder tun, die aber keineswegs dumm sind; doch kaum geboren das auch nachplappern. Die Kinder können nicht anders, sie lernen erst einfache Wörter und Begriffe durch Nachplappern. Das ist notwendig, um eine innere Sprache zu entwickeln, die sie ins Denken einführt. Meist wird heute diese entscheidende erste Phase der Menschwerdung durch massenhaften Müll, der immer mehr produziert wird, erschreckend von den Eltern und Erziehern sogar gestaltet. Von Eltern, die es eigentlich gut mit ihren Kindern meinen aber nicht die Möglichkeit haben, es anders zu machen. Es ist die schlimmste Erscheinung der Postmoderne, die auch rückblickend später einmal das Zeitalter des Irrationalen genannt werden wird, falls diese Epoche doch noch einmal in eine große Krise gerät. Zu Vieles aber zeugt heute davon, dass sie nicht mehr überwunden wird, dass die Aporie bleibt und nur die Hoffnung an den Maulwurf ein anderes Leben der wenigen Menschen begleitet, die trotzdem nicht aufgeben sondern ,egal woher der Wind weht, weiter anklagen: Die Erzieher als Verbrecher tituliert, wenn sie ohne Wissen um ihre Charaktermaske mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und diese nicht nur als Pädagogen behutsam begleiten.

Wir wissen nicht ob die Müllproduzenten heute so niederträchtig sind und dieses Geschäft planvoll betreiben. Es wäre mühsam, darüber zu streiten, den es hängt letztlich von uns ab, dass wir uns gegen den Müll entscheiden. Es ist unser freier Wille, der uns wieder zu Erasmus hin und von Luther weg führt. Nie werden sich diese Gegensätze aufheben solange die Pest wütet. Früh müssen wir die natürlichen Widerstandskräfte der Kinder stärken damit dieser Bazillus des Konsums, und hier vor allem des Fernsehens, der Videospiele und des maßlosen Gebrauchs der Smartphones, der Computer im Internet, das mit den entstandenen Streamingdiensten erst recht gewaltig den Verbrennungskapitalismus auf Touren gebracht hat, nicht noch mehr Menschen befällt. Die Verbrennung wird weiterhin mit wachsenden Raten die Menschen unterhalten, und diese werden sich abstumpfen müssen, um all das ertragen zu können. Erst wenn sie hier wieder lernen "Nein" zu sagen besteht die Chance, dass trotz der Charaktermaske, die auch den Kindern wie uns seit der Geburt aufgelegt wird, der Leim zwischen den Schichten dieser Maske nicht trocknet. Der Leim soll den auferlegten einzelnen Schichten der Charaktermaske eine stählerne Festigkeit verleihen, weshalb er ihnen Jahr für Jahr zwischen den Schichten immer wieder neu aufgetragen wird. Der Leim aber darf nicht trocken werden, sonst ist der Mensch unter dieser Maske verloren.

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Posted by Michael Schwegler at 17:34
Edited on: Dienstag, 18 Februar, 2020 17:34
Categories: Das Drama knapper Güter

Dienstag, 07 Januar, 2020

Dramaturgie einer Zukunft der Güter

Es müssen weniger werden; weltweit. Nur mit weniger produzierten Güter kann der Klimawandel gebremst, vielleicht sogar gestoppt werden. Vieles können wir heute darüber lesen, vieles verwirrt: Einen Klimawandel habe es im Lauf der Jahrhunderte schon immer gegeben. Sie werden recht haben. Aber wir haben jetzt diesen bedenklichen Anstieg des Kohlenstoffdioxids in der Atmosphäre, den hatten wir im Laufe der Jahrhunderte noch nicht; er muss gestoppt werden. Andere, und oft dieselben sagen, dass die Pflanzen mit mehr Kohlenstoffdioxid besser wachsen, sie hätten das im Labor getestet. Das mag auch sein, aber das Klima verändert sich und das findet außerhalb ihres Labors statt. Wir können nicht in die Natur schauen und jetzt warten was passiert. Wir erkennen bereits, dass da etwas passiert. Es ist besser zu handeln.

Wir schaffen das; das hat sie schon bei anderer Gelegenheit gesagt. Wir schaffen auch diesen Klimawandel, aber unsere Nachkommen schaffen es nicht. Wir sind ihnen schuldig zu handeln, denn wir haben die fossilen Stoffe verbrannt, wir haben die Flüsse verdreckt und unser Plastik in alle Regionen der Welt verteilt. Wir haben dafür gesorgt, dass die Erdfilter für ein sauberes Grundwasser verdreckt sind und verdrecken sie weiter. Unter die Erde vergraben wir den ganzen Atommüll zu all dem Müll, den wir bereits vergraben haben, wir pressen unsere verseuchten Flüssigkeiten in die Erde um den letzten Rest der fossilen Gase aus dem Schiefer zu pressen: Das machen wir, das waren wir ! Mit jeder Abgabe unserer Stimme bei politischen Wahlen stimmen wir für diese Verbrechen, die gemäß des Bürgerlichen Gesetzbuches keine Verbrechen sind. Das ist das Wesen des Rechts; das muss jeder wissen. Keiner kann sagen, er habe das nicht gewusst.

Auch ich nehme teil an diesen Verbrechen. Ich werde gezwungen, ich habe keine Chance. Das Recht zwingt mich; nicht die Menschen, sonst hätte ich das schon früher bemerkt. Ich muss diese Rauchmelder aufhängen obwohl ich mit dem Feuer nicht spiele, sie haben mir das Telefon weggenommen und mich an dieses verbrennungsintensive Internet angeschlossen. Ihre Verträge muss ich unterschreiben wenn ich nicht im Zelt wohnen will mit der Angst, sie werden mich heute Nacht verjagen weil ich auf ihrem Boden das Zelt aufgeschlagen habe.

Wenn jetzt die Güter, die wir weltweit erzeugen deutlich weniger werden müssen, was die Gemeinen „Postwachstum“ nennen, damit es sich werbewirksam besser verkaufen lässt, so werden diesbezügliche Änderungen lange dauern: In einem Rechtsstaat sei das anders nicht möglich, da haben sie recht. Deshalb sollten wir in der Zeit bis die Gesetze geändert werden die heute produzierten Güter wenigstens anders verteilen. Nicht alle Güter, sondern diejenigen, die in anderen Regionen der Erde dringend gebraucht werden. Diese Länder müssen in die Lage versetzt werden, die längst beherrschbaren Umweltprobleme in den Griff zu bekommen.

Über schwarze Auspuffgase berichten Touristen, die Kuba besucht haben. Ebenso über fehlende Abfalltrennung und mangelndes Recycling. Das sei übel und in den Touristenzentren könne man das nicht sehen. Das ist in anderen Ländern auch so, derartiges verbirgt man aber besser; die Verantwortlichen haben auch dort neben der Hoffnung auf Devisen auch Scham; deshalb verbergen sie es doch auch. Klar sollte das anders sein soll, aber dafür fehlen ihnen die technischen Möglichkeiten und vor allem die notwendigen Devisen.

Liefern wir ihnen die Technologien und die Maschinen. Verwirklichen wir doch endlich das Evangelium nach Lukas und tun Gutes, leihen, wo wir keine Hoffnung haben etwas zurückzubekommen. Aber es wird etwas zurückkommen, auch ein Lukas kann sich irren: Weniger dieses klimafeindlichen Gases wird zurückkommen, wenn wir es ernst meinen.

Das dürfen wir nicht, das verbiete das Recht. Das verbietet nicht unser Recht, das verbietet sein Recht, der sich inzwischen das Recht nimmt auch über Leben und Tod anderer Menschen zu entscheiden. Er proklamiert auf dem Höhepunkt der Entwicklung des Bürgerlichen Rechts das Endstadium dieses Rechts: Es ist jetzt gottgleich. Da müssen wir uns unterordnen, das sagen jetzt alle die politisch meinen; das quid pro quo steht auf dem Spiel.

Aber wir könnten auf dieses quid pro quo verzichten. Das „mutuum date nihil inde sperantes“ verweist auf auf einen andern Gott, den die Menschen früher kannten und der mit ihrem neuen Götzen überhaupt nicht gleich ist. Er wurde mit der französischen Revolution aus dem Staat gejagt. Das, was die Evangelisten über ihn schreiben, aber konnten sie nicht aus dem Staat hinauswerfen; das steht ja geschrieben; und noch wagen sie es nicht mit Rasierklingen in unseren Bücherregalen zu wühlen und alle Texte aus den Büchern herauszuschneiden, die noch voll Hoffnung sind. Der frühere Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Thomas Jefferson konnte das und hat es vorgemacht. Auf seine Bibel legen seither die Präsidenten ihren Amtseid ab. Da ist kein Hoffen. Nie dürfen wir auf diese Bibel unsere Hand legen.

Wir haben vorgemacht wie der Bau von Bio-Gasanlagen zur Energiegewinnung hierzulande technologisch hervorragend beherrscht wird, die in vielen Teilen der Erde nicht beherrscht wird weil die Devisen fehlen. Oft fehlt inzwischen auch das Land für den Mais, weil den Boden sich schon andere reserviert haben mit Devisen, die nicht in die Taschen der Völker geflossen sind sondern in andere, die sich dafür der westlichen Wertegemeinschaft verpflichtet haben. Gut, es mag sein, dass da auch östliche, wegen mir auch nördliche oder südliche, Wertegemeinschaften am Werk sind. Niemals aber war es das Werk der Völker.

Photovoltaik, auch diese Technologie könnte exportiert werden. Gemeinsam könnten andere Industrien weltweit aufgebaut werden. Wenn da nicht dieses quid pro quo herrschen würde und der politische Boykott der Herren über die Welt.

Manches, wie diese Monroe-Doktrin, ist kein geschriebene Recht; aber es stand auch nicht geschrieben, dass er das Recht hat gezielt Menschen zu töten. Aber Sie werden sehen es verbietet ihm keiner, es wird Recht. Selbst die linksaußen wirkenden Demokraten in den USA besorgen es, dass es Recht werde ! Er müsse aber vorher den Kongress fragen. So funktioniert ihr Recht, das bürgerlich daherkriecht.

Posted by Michael Schwegler at 9:14
Edited on: Samstag, 18 Januar, 2020 11:51
Categories: Das Drama knapper Güter

Freitag, 03 Januar, 2020

Das Drama knapper Güter

Der Mensch muss essen. Das hat er mit allen Lebewesen gemeinsam; ohne Stoffwechsel ist kein irdisch Leben. Der übrige Stoffwechsel, dem oft ein wirklicher Stoff längst abhanden gekommen ist, muss den Maßnahmen zur Senkung des Kohlenstoffdioxis unterworfen werden; nicht durch Zwang, sondern über den Geldbeutel. Nicht durch den Geldbeutel, wie dieser heute ausgebildet ist. Über einen Geldbeutel, der mit dem Grundsatz der Gleicheit der Menschen definiert wird.

Am ersten Tag nachdem Gott den Menschen erschaffen hat soll das anders gewesen sein. Es wird behauptet, dass die ersten Menschen, die er nach seinem Ebenbild geschaffen hat, im Paradies gelebt haben. Milch und Honig sollen dort geflossen sein und alles war gut. Das habe ich früher auch so ähnlich gelesen nachdem ich selber mit dem Lesen begonnen habe und mich von meinen Vorlesern emanzipierte. Ob dieses eines meiner ersten Bücher auch gut war weiß ich nicht mehr, aber es wird stimmen. Ich stellte mir vor, dass ich den Mund fest schließen und die Luft anhalten werde und ohne den Magen zu füllen auch hindurch käme. Durch den Brei, der das Schlaraffenland wie eine Stadtmauer umgab; dieser Ring aus Brei hatte keine Öffnung, durch die hätte gegangen werden können. Hier musste ordentlich erst einmal gegessen werden. Aber diesen Brei mochte ich nicht. Er wurde mir täglich serviert und immer musste ich ihn essen. Außerdem hätte er meinen Magen gefüllt und so wäre kaum Platz mehr gewesen für das Übrige, auf das ich in diesem Schlaraffenland hoffen durfte. Das was inmitten dieses Landes frei an Bequemem und Köstlichem ausgewählt werden konnte wäre die Überwindung aller Knappheit gewesen, die bei uns vor allem in den Fastenzeiten damals doch sehr stark und den Kindern erst recht zu schaffen machte. Zu Schaffen machte es nicht wirklich, wir Kinder schafften ja nichts, aber entbehrungsreiche Zeiten waren es allemal. Vor allem der letzte Tag blieb in Erinnerung: Alles Köstliche, das in dieser Zeit anfiel und gesammelt wurde, musste abgegeben werden. Die in schwarz gekleideten Schwestern, deren Namen ich mit Schwester Kaba und Schwester Deigo La bis heute behalten habe und die lediglich ihre Stirn mit weißem Tuch bedeckten, nahmen derart freundlich diese Gaben entgegen und versicherten, dass sich ein Negerkind in einem schwarzen Erdteil jetzt freuen würde. Die Erde bei uns war nie schwarz. Als ich das meiner Mutter erzählte, klärte sie mich auf: Die Erde sei auch hier schwarz gewesen nachdem die Bomben fielen. Das aber geschah vor meiner Zeit. Ich war meine Gaben los und verstand das alles nicht ganz; geben wollte ich eigentlich nichts, ich wollte mich doch nur in diesen Wochen zurückhalten und auf Vieles verzichten. Aber ich lernte zu geben.

Ich komme zurück. Frei, auf dem Rücken liegend, empfing ich die Köstlichkeiten mit weit geöffnetem Mund, stopfte sie langsam in mich hinein, wenn sie nicht schon selber tief genug in meinen Mund hineingeflogen waren. Ruhig bin ich dagelegen und habe mir immer weitere Köstlichkeiten gewünscht aus Angst der Traum könnte bald enden. Er endete.

Es wird auch behauptet Eva hätte nicht nur dagelegen sondern sei aufgestanden und habe unvermittelt vom Baum der Erkenntnis gegessen. Adam hätte nur zugeschaut und vielleicht war er noch nicht einmal aufgestanden; er soll nichts begriffen haben. Er wusste wohl von Evas Sünde aber nicht was er jetzt tun könnte? Er hat ja auch nicht von diesem Baum gegessen, wie hätte er also wissen können? Er musste auch nichts essen. Im Paradies erfolgte kein Stoffwechsel, der Mensch war Stoff selber.

Das ist aber nicht wahr. Es war ganz anders und wenn wir genau lesen lernen wir das Entscheidende. Wer glaubt, dass das Paradies einem Schlaraffenlang glich hat nichts begriffen; gar nichts. Wir müssen schon nachdenken, um alles zu verstehen. Über den Garten Eden wurde berichtet. Dort lebten die ersten Menschen gottgleich, sie waren unsterblich inmitten einer reinen Natur, die natülich nicht wild sondern ordentlich bestellt war. Die Menschen, Tiere, Pflanzen mitsamt dem Gestirn, das über sie in der Nacht leuchtete, waren eins im Glauben. Bis diese Schlange zu Eva kam und sagte bevor Eva vom verbotenen Baum der Erkenntnis den Apfel aß: „Ihr werdet keineswegs des Todes sterben sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“

Die Schlange sprach von der Erkenntnis: Erkenntnis als Negation des Glaubens. Da aß Eva vom Baum der Erkenntnis und die Trennung mit Gott war vollzogen. Jetzt musste sie wie Adam, den sie sofort verführte und der auch vom Baum aß, „im Schweiße des Angesichts arbeiten“; dafür aber konnten sie jetzt die Natur erkennen, die das Werk Gottes war. Wie aber geschrieben mussten sie den Garten Eden verlassen. Ohne Glauben, dafür aber erkennend, standen sie jetzt jenseits dieses Garten Edens, von dem ein kalter Wind herwehte, weshalb sie im ersten Moment dieses frühen Morgen zurückwollten. Im Garten, aus dem sie vertrieben wurden, war es immer warm. Jedensfall meinten sie das, obwohl sie das jetzt nicht wussten; sie glaubten das. Auch angesichts der Wildnis wollten sie zurück, dieser völlig anderen Natur, die hier ganz anders war als die Natur, aus der sie hinausgeworfen wurden, weil sie jetzt sahen und erkennen konnten. Eva und Adam schauten sich an und erkannten jetzt, dass sie nackt waren. Jetzt wussten sie, dass alles anders werden wird und sie Gott nicht mehr schauen sondern erkennen müssen in all der Wildnis um sie herum. Sie wussten auch, dass sie irgendwann sterben müssen deshalb legten sie sich ins hohe Gras und paarten sie sich an diesem ersten Morgengrauen.

Und Gott sah, dass es gut war.

Trotz der Wildnis um sie herum verstanden sie sich gut an diesem 1. Tag nach dem Sündenfall. Als sie sich gepaart hatten waren sie glücklich. Es war ein anderes Glück als das Glück, das sie zuvor kannten, weil sie während sie miteinander schliefen erkennen konnten, dass es schön war. Am Vormittag feierten sie inmitten der Wildnis und lobten die Schlange. Sie hat tatsächlich ihre Augen aufgetan und sie erkannten die Reize der Natur. Ganz anders erkannten sie jetzt auch die Tiere und die Pflanzen. Sie bedienten sich der natürliche Stoffe der Natur und schützten sich, weil immer noch der kalte Wind vom Paradies her wehte. Sie spürten, wie sich der Glauben in ihnen löste und menschliches Leben in ihre Körper kam, die verschieden waren und ein Gefühl der Scham erzeugte, das sie zuvor auch nicht kannten. Sie erkannten auch, dass sie sich gegen die Kälte, die immer noch da war und die sie gestern auch noch nicht gekannt hatten, dass sie sich schützen konnten und bauten sich ihre erste Hütte. Mittags war die Hütte fertig; sie sahen sich an und waren noch glücklicher weil sie gemeinsam diese Kälte ausschließen konnten, die jetzt nur noch draußen herrschte. Zufrieden saßen sie in der Hütte, umarmten und liebten sich.

und Gott sah, dass es gut war.

Als der erste Hunger aufkam erinnerten sie sich an den Fluch, dass sie jetzt im Schweiße ihres Angesichts das Brot schaffen müssen. Sie liefen hinaus, rodeten den Boden, rissen die Dornbüsche aus und legten den ersten Garten an, wie sie diesen im Garten Eden geschaut haben. Im Schweiße ihres Angesichts waren sie glücklich als der Garten angelegt war. Sie bestaunten ihr Werk und versprachen, dass sie diesen Garten künftig gemeinsam und regelmäßig bestellen werden. Gemeinsam wollten sie zwischen den Arbeiten die Natur erkennen und immer, wenn die Arbeit im Garten und am Haus das zuließ. Sie waren glücklich als sie an diesem ersten Abend nach dem Sündenfall in ihrem Garten vor ihrem Haus saßen und den ersten Wein tranken, den sie selber gekeltert hatten. An diesem Abend sangen sie zusammen, schauten in den Abendhimmel und erkannten das Himmelsgewölbe, das sich über sie spannte bis hinüber zum Garten Eden. Der Wind, der an diesem 1. Abend vom Paradies herwehte, war nicht mehr kalt; er war warm.

Und Gott sah, dass es gut war.

Gemeinsam brachen sie an diesem Abend das Brot. Sie feierten diesen 1. Tag, den sie als den glücklichsten Tag ihres Lebens zur Erinnerung Freiheit nannten. Das Gefühl, in Zukunft immer erkennen zu können und nie mehr glauben zu müssen, beseelte sie. An diesem 1. Tag Freiheit feierten sie auch den freien Willen, den sie zuvor nicht kannten. Sie wunderten sich weil die Erfahrung des freien Willens des Sündenfalls bedurfte. Mit der Freiheit feierten sie an diesem ersten Abend auch die Gleichheit und ihre Augen strahlten. Als Mann und Frau legten sie sich schlafen und Adam lag in den Armen von Eva, die jetzt ein Kind von ihm erwartete. Nie sollst du mir Untertan sein sagte Adam noch kurz bevor er einschlief. Eva flüsterte nur noch: Warum auch? Und schlief ebenfalls ein.

In dieser Nacht schlief auch Gott ein, nachdem er sah, dass es gut war.

Der zweite Tag brach an. Fortan erkannten sie die Natur immer besser, tauschten ihre Wahrnehmungen aus und fingen an, Gesetzmäßigkeiten in der Natur zu erkennen. Sie entdeckten Ordnungen im Lauf der Gestirne und waren jetzt täglich fasziniert. Nach und nach verstanden sie die Pflanzen zu nutzen. Die Zeit, die sie für die Arbeit aufwanden, konnten sie immer mehr reduzieren. Sie verstanden immer besser, das Feld zu bestellen und freuten sich über die Früchte ihres Feldes. Oft aber war das Leben auch schwer. Krankheiten und Hunger wechselten sich in den Jahreszeiten ab und manchmal schauten sie hinüber zum Garten Eden. Sie wussten in diesen für sie schweren Momenten nicht weshalb sie da hinüberschauten. Aber sie erkannten, dass sich dieser immer weiter von ihnen entfernte.

Am dritten Tag überraschte sie ein schreckliches Gewitter und einer hatte Angst bekommen. Die anderen konnten ihn nicht beruhigen. Sie konnten ihm das Gewitter nicht erklären und versprachen, dass sie sich kümmern werden und beobachten wollen, was das ist. Die Angst aber wich bei ihm nicht. Er wolle nicht mehr mit dieser Angst leben und ist fortgegangen. Andere, die bei ihm waren und jetzt auch von der Angst redeten, fingen an, von Mächten zu reden, die diese Blitze und Donner zur Erde schicken.

Auch am vierten Tag donnerte und blitzte es fürchterlich und diese Ängstlichen bekamen noch mehr Angst. Da betrat der erste Schuft in der Menschheit die Erde und den Raum, in dem sie verängstigt um den Tisch saßen. Er ähnelte der Schlange aus dem Paradies und sprach: "Gebt mir einen Teil eures Brotes und ich werde euch beschützen. Der Herr sei mit euch."

Die Ängstlichen arbeiteten jetzt weit über das Mindestmaß hinaus und erwirtschafteten Überschüsse, denen sich der Schuft fortan bediente. Nachdem sich die Menschen an ihn gewöhnt hatten legte er ihnen einen Vertrag vor und erklärte, dass sie jetzt immer unter seinem Schutz stehen würden. Das verstanden die Ängstlichen nicht aber sie unterschrieben den Vertrag. Sie hätten es verstehen können wenn sie nur einmal aus dem Fenster geschaut hätten: Sie hätten sehen können, dass da draußen sich die Natur veränderte obwohl jetzt schon länger kein Gewitter mehr da war.

Am Abend kam dieser Schuft mit zwei anderen zurück, die Adam und Eva nicht kannten. Er eröffnete ihnen, dass der Boden, auf dem sie ihren Garten angelegt und die Hütte errichtet haben jetzt ihr Boden sei; die Anderen hätten das so bestimmt. Demokratie herrsche jetzt im Land. Eva und Adam konnten jetzt lesen, dass das so ist. An diesem Abend spürten sie zum ersten Mal auch, dass sie alt geworden waren. Sie umarmten und liebten sich wie damals, als Eva schwanger wurde. Eva sagte zu Adam, dass jetzt alles anders werde und dass die Freiheit einer Moderne Platz machen wird. Eva kannte inzwischen die Menschen. Adam entgegnenete ihr, dass ihre Tage auf dieser Welt jetzt auch gezählt werden können und beide schauten zum letzten Mal hinüber zum Garten Eden, der längst nicht mehr erkannt werden konnte. Aber in welcher Richtung er einmal gelegen hat wussten sie. Nicht wirklich, aber immer haben sie aus diesem Fenster geschaut wenn sie den Garten Eden und Gott schauen wollten. Ihn erkannten sie noch. In dieser Nacht lächelten sie wie ein jung verliebtes Paar zu ihm hinüber und waren sich sicher, dass er es war, der dort immer noch schlief. Sie sahen sich an, küssten sich und wussten, dass es gut war.

Diese Geschichte dient dem Erkennen, weil sie verständlich und einfach ist. Sie wird auch andernorts erzählt nur etwas anders. So zum Beispiel in der Erzählung von Pandora. Wie Eva war sie weiblich. Hephaistos hat sie nicht wie Gott die Eva aus einer menschlichen Rippe sondern aus irdischem Lehm geschaffen. Aber wie Eva hielt auch Pandora sich nicht an die Gebote und öffnete diese gottverdammte Büchse. Pandora aber blieb anders als Eva bei den Göttern, nur die Plagen, die der Büchse entwichen, blieben bei den Menschen. Hier konnte sie nichts dafür. Die Menschen hätten eben nie den Göttern vertrauen sollen. Bei Adam und Eva war das anders, die waren keine Götter, die waren Menschen. Der Fluch der Arbeit, der seither unter die Menschen kam, ist aber in beiden Erzählungen derselbe. Fortan muss zumindest ein Minimum an Arbeit für den Stoffwechsel mit Natur erledigt werden, was wir erfahren können und deshalb werden die Erzählungen wohl wahr sein. Vielleicht nicht wirklich; ich war nicht dabei, aber denkbar und das genügt um zu verstehen, weshalb wir keineswegs drumherum kommen, die notwendige Arbeit gemeinschaftlich zu erledigen. Die Postmodernen sprechen anders, dass die Zeit der alten Erzählungen jetzt vorbei sei und wir sollen in die Zukunft schauen. Aber wenn wir in die Zukunft schauen und diese einfachen Erzählungen nicht kennen, werden wir es schwer haben den Schuft zu erkennen. Vielleicht werden wir ihm noch heute die Füße küssen obwohl die Angst längst gewichen ist. Die Produktivkraft Mensch hat sich in einem Maße der Natur bemächtigt, dass sie sich inzwischen anschickt, über die Natur zu herrschen.

Die Arbeit hat längst ein Mehrfaches eines Mindestmaßes überschritten und die Arbeitsteilung schreitet wie die Arbeitszeit fort. Der Fluch der Arbeit ist bei vielen Menschen aber einem Bedürfnis nach Arbeit gewichen. Diese Menschen erkennen nicht mehr, dass sie Dämonen und Götzen dienen und diese Arbeit, die sie freiwillig gegen Lohn leisten, den Menschen verletzen wird. Sie haben keine Zeit mehr zu entdecken, zu staunen, zu erkennen. Ihre Biografien gleichen sich an und sie werden beurteilt in Kategorien der Nützlichkeit, der Kostenfaktoren; sind Humankapital und sie erdulden einen fremden Willen und wenn sie etwas sagen wollen wird ihnen der Fernseher hinstellt: Er soll ihnen antworten, das genüge. Für einen Beobachter dieser Szenen ist es schwer zu begreifen, dass der Fernseher von ihnen jetzt nach diese Demütigung sogar eingeschaltet wird. Als bloße Funktion verzichten sie immer mehr auf einen Kompass, dessen Nadel früher immer hinüber ins Paradies zeigte, das der erkennende Mensch nicht betreten würde, wie uns die Geschichte von Adam und Eva gelehrt hat. Erkennen und Glauben schließen sich aus. Sie schließen aber nicht Gott aus. Der Mensch muss sich entscheiden. Aber ohne Kompass kann eine Entscheidung sehr gefährlich werden. Ohne Kompass besteht immer die Gefahr, dass sich Auschwitz wiederholt. Wenn wir aufrichtig sind und uns der modernen Mythen entledigen wollen wir zurück an jenen 1. Tag, den die beiden Freiheit getauft haben und nur dafür brauchen wir den Kompass.

Heute und längst schon reden auch die Frauen. Nicht alle haben bei Eva gelesen. Aber die, die gelesen haben, reden noch viel zu leise. Sie hören immer noch zu wenn ihnen der Brief des Paulus an die Epheser vorgelesen wird, dass die Frauen ihren Männern untertan sind, als gälte es dem Herrn. Samt diesem Luther, der ohnehin fast nur bei Paulus las, hätten sie diese Texte zerreißen sollen und die Männer, die diese einfältigen Dummheiten auch gerne predigten, aus dem gemeinsamen Bett weisen sollen; so wären sie wenigstens ausgestorben. Aber viel zu viele bevorzugten das Leben einer Hure und erinnern sich nicht mehr daran, dass die Natur sie zuvörderst mit der gottgleichen Eigenschaft einer Lebensspenderin ausgestattet hat. Auch wenn sie sich nach und nach von diesem Paulus emanzipieren, so übergeben sie, modern geworden, doch oft noch ihre Kinder im zarten Alter an die Krippen, um für ein eigenes Leben in Arbeit das Haus verlassen zu können. Oft eilen sie sogar ohne noch einmal erkennen zu wollen, dass die Notwendigkeit an Zeit, die für die Arbeit verwandt werden muss schon lange weit überschritten wurde und sie nur noch einem männlichen Dämon frönen, der sich von ihnen aushalten lässt. Emanzipiert euch von der Arbeit und fordert bei jedem Kind, das ihr gebärt, grundsätzlich die ersten drei Lebensjahre des Kindes freie Zeit für euch beide, Vater und Mutter, und verlangt, dass diejenigen, die diese Gesellschaft geschaffen haben das bezahlen müssen, so dass es euch besser geht in diesen Jahren als wenn ihr arbeiten müsstet. Sie behandeln euch oft wie Sklaven und die die Parole "Befreiung durch Arbeit" haben die Faschisten geprägt. Die müsst ihr immer bekämpfen egal in welchen Gewändern sie daherkommen und welche Zungen sie mit sich führen.

Menschenrechte werden heute wie damals formuliert. Damals lag noch der jahrzehntelang der Code Noir neben den erhabenen Sätzen. Heute hat ihn längst das Bürgerliche Gesetzbuch abgelöst. In ihm aber wurde der Fluch der Arbeit fortgeschrieben, ja sogar noch einmal verschärft. Thomas Jefferson hat in seiner selbst gebastelten Bibel alles herausgeschnitten, das für eine Erlösung vom Fluch der Arbeit noch hätte taugen können. Hochangesehen bei den Bürgern war dieser Advokat; er schnitt mit einer Rasierklinge, - da bedarf es keiner Erkenntnis, da muss nur ordentlich gewerkelt und wiedergekäut werden,- ausgewähltes und besser gründlicher heraus.

Man müsse ihn wie Luther auch in seiner Zeit verstehen. Welch eine postmoderne Dummheit der Menschen, die selbst das von diesen Männern wiedergekäute essen und inzwischen freiwillig noch einmal wiederkäuen obwohl sie wissen könnten, dass sie davon bestimmt nicht satt werden. Thomas Jefferson hätte sich in seiner Zeit mit François Noël Babeuf an einen Tisch setzen können, um über seinen Entwurf der Menschenrechte mit ihm zu sprechen; er aber suchte ihn nicht. Wie steht es hier mit dem Verständnis in dieser Zeit? Beide lebten doch zur gleichen Zeit und beide werden doch in ihrer Zeit verstanden? Auch im Streit Martin Luthers mit Erasmus von Rotterdam blamiert sich dieser Vortrag der Lutheraner. Beide stritten sogar exakt zur selben Zeit miteinander und vergleichen wir jetzt einmal die Worte der Beiden. Sie besuchten sogar dieselben Schulen, gut, nicht am gleichen Ort, aber der Lehrplan ist mit den heutigen überhaupt nicht mehr vergleichbar. Als Augustinermönche glichen sie sich oft sogar in ihren Bewegungen, wenngleich diese nicht immer zur selben Stunde durchgeführt wurden.

Hört auf. Es sind zwei Verbrechen, die heute sehenden Auges noch nicht einmal von den meisten Menschen in den gesättigten und satten Industrieländern in Frage gestellt werden: Die Zerstörung der Welt durch eine scheinbar unersättliche Gier nach materiellem Wohlstand und die unerbittliche Aufrechterhaltung des Fluchs der Arbeit.Jenseits der Knappheit an Gütern halten sie den Motor dieser Verbrechen mit dem Bürgerlichen Recht aufrecht und polieren täglich das Gehäuse, das mit dem Staat für die grenzenlose Ausweitung des Marktes der erzeugten Güter sorgt. Dafür wurde der Glauben an eine reine Natur aus dem Staat geworfen, wie das Rousseau genau so unverblümt sagte und wir ihn deshalb sehr gut auch in seiner Zeit verstehen; da gibt es keine Zeitdifferenz. Als Götzenbild tragen noch immer seine Gläubigen sein Bild ähnlich einer Monstranz, die aber mit einer katholischen Monstranz gar nichts zu tun hat, in ihrem Geldbeutel vor sich her.

Sie schreiben über ihn gerne wie über einen Philosophen, und manche rahmen eine Tagebuchzeile Kants gerne ein, die sie an die Wand hängen wie ihre Diplomurkunden der Arbeit: Rousseau habe ihn, den großen Philosophen des Bürgertums, zurecht gerückt.

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Posted by Michael Schwegler at 16:10
Edited on: Sonntag, 15 März, 2020 7:01
Categories: Das Drama knapper Güter